HOME

Hans Clarin: Pumuckls Stimme ist verstummt

Der populäre und besonders von Kindern als Stimme des Kobolds Pumuckl geliebte Schauspieler Hans Clarin ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren in Aschau am Chiemsee an Herzversagen.

Hans Clarin war in mehr als 100 Fernseh- und gut zwei Dutzend Kinorollen zu sehen und hatte 40 Jahre lang Pumuckl seine Stimme geliehen. Am 14. September wäre der fünffache Vater 76 Jahre alt geworden. Das Multitalent war 1929 als Sohn eines Beamten in Wilhelmshaven geboren worden und besuchte nach dem humanistisch-musischen Gymnasium von 1946 bis 1948 eine Schauspielschule. Zwei Jahre später gab Clarin in München sein Debüt in Grillparzers "Weh dem, der lügt". Ab 1961 war er fest am Bayerischen Staatsschauspiel engagiert. Zudem gab er zahlreiche Gastspiele, unter anderem bei den Salzburger Festspielen.

Kleiner Mann mit Märchenonkel-Gesicht

Rasch war Clarin auch bei Film und Fernsehen gefragt. Durch Spots der Fernsehlotterie und Filme wie "Das Wirtshaus im Spessart" und "Pippi Langstrumpf" wurde der kleine Schauspieler mit dem freundlichen Märchenonkel-Gesicht immer populärer. Clarin spielte unter anderem an der Seite von Heinz Rühmann, Hildegard Knef, Lilo Pulver, Gert Fröbe und Klaus Kinski. Er war in einer "Tatort"-Folge zu sehen und in zahlreichen Serien wie "Weißblaue Geschichten" oder "Rivalen der Rennbahn".

Daneben machte sich Clarin auch einen Namen als Synchronsprecher. In den 60er Jahren lieh er in der beliebten US-Serie "77 Sunset Strip" dem "Kriminalassistenten Cookie" die Stimme. Scheppernd und kieksend war er später auf den Kinderplatten "Hui Buh" als schreckhaftes Schlossgespenst zu hören.

Markenzeichen: Die Koboldstimme

Zu Clarins Markenzeichen wurden aber die krähenden Kobold-Kommentare als Pumuckl. Die beliebte Kinderserie erstellte Clarin ab den 60er Jahren - gemeinsam mit dem legendären Gustl Bayrhammer als Meister Eder - für den Bayerischen Rundfunk. Viele der witzigen Dialoge und Sprüche entstanden spontan während der Aufnahmen.

Im dritten Pumuckl-Film, der im Herbst 2003 in den Kinos lief, konnte Clarin allerdings seine Parade-Synchronisation nicht übernehmen, denn er hatte sich erst kurz zuvor von einer Stimmband-Erkrankung erholt. 2001 hatten sich in seinem Hals rätselhafte Knötchen gebildet, die schließlich eine Blutvergiftung auslösten. Wochenlang lag der Schauspieler im künstlichen Koma. Nach der Krankheit klang Clarins Stimme wieder wie zuvor. Den Pumuckl wolle er natürlich wieder sprechen, wenn es einen neuen Film gebe, kündigte er damals an. Im letzten Film hatte Clarin stattdessen Ferdinand Eder gespielt, den Cousin und Erben des "Meister Eder".

Letzte Lebensjahre auf Landgut verbracht

Kinder als Publikum wählte sich der vielfach ausgezeichnete Künstler auch in zahlreichen Fernsehfilmen, in denen er als Regisseur und Hauptdarsteller wirkte. Außerdem veröffentlichte er das Jugendbuch "Paquito oder Die Welt von unten", das unter seiner Regie verfilmt wurde. Clarin hatte selbst fünf Kinder, die aus zwei Ehen stammten. Mit seiner dritten Frau lebte der Wahlbayer auf einem mehr als 450 Jahre alten Landgut am Chiemsee. Die Tiere auf dem Hof zählte Clarin zu seinen Hobbys, ebenso wie altes Glas, Puppen und die Chiemgaumaler.

DPA/AP / AP / DPA