Herr der Ringe Der wahre Fan pilgert wie ein Hobbit, also barfuß


In Bonn versammelten sich rund 3 000 treue Fans des Tolkien-Klassikers "Der Herr der Ringe".

Freundlich lächelt die bleiche Dame mit Spitzohren und wallendem Samtgewand den Mann neben ihr an. Mit grimmiger Miene stützt er sich auf sein Kriegsbeil, denn er ist Ringgeist, und Ringgeister mögen nun mal keine Elbinnen. In "Mittelerde" hätte sie die Begegnung wahrscheinlich nicht überlebt. Doch hier hat sie nichts zu fürchten, denn die beiden sind im irdischen Bonn. Dort versammelten sich an diesem Wochenende rund 3 000 treue Fans des Tolkien-Klassikers "Der Herr der Ringe".

Die dreitägige "Ringcon" ist nach Angaben des Veranstalters Stefan Servos von der Deutschen Tolkien-Gesellschaft die größte Veranstaltung ihrer Art. Die Besucher seien aus aller Welt angereist und im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Teilnehmerzahlen mehr als verdoppelt. Idee des Ganzen sei es, Fans mit dem Treffen die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten zu geben.

In den noblen Hallen und Konferenzsälen eines Hotels tummelten sich wundersame Wesen in Fellkleidern, Kettenhemden, Roben oder Schnabelschuhen. Die meisten hatten sich als Hobbits, Orks oder Elben verkleidet. Und der wahre Tolkien-Jünger war sogar barfuß unterwegs. "Ich bin ja auch Frodo, und der hat nun mal nackte Füße", sagte Silke Krause, die mit ihrer Mutter aus Stuttgart angereist war.

Und wer nicht so kälteresistent war, konnte sich immer noch an einem der zahlreichen Stände ein Paar täuschend echte Gummifüße zulegen, die über die Turnschuhe passten. An solchen Mogelpackungen nahm jedoch keiner der Fans Anstoß, ebenso wenig wie an zu groß geratenen Zwergen oder eher vollschlanken denn zarten Elbinnen.

Knapp vier Wochen vor dem Kinostart des letzten Teils der Tolkien- Trilogie waren die Besucher schon ungeduldig und diskutierten über die bevorstehenden Kämpfe gegen dunkle Mächte und die Zukunft von Mittelerde. "Ich kann es kaum noch erwarten. Die anderen Teile des Films habe ich schon 21 Mal gesehen. Mit neun Jahren habe ich das Buch im Regal meines Bruders gefunden. Seitdem bin ich sozusagen infiziert, wie die meisten hier", sagte Fan Peter Martin.

Fieberhaft warteten die Anhänger auf die Autogrammstunden mit Darstellern aus dem Film. Dreistündiges Schlangestehen wurde belohnt mit persönlichen Widmungen sowie Fotos von den Idolen, und nebenbei plauderten John Rhys-Davies (Zwerg Gimli), Craig Parker (Haldir) oder Sala Baker (Sauron) über ihre Erfahrungen bei den Dreharbeiten.

Weitere Programmpunkte waren Schminkaktionen mit Maskenbildnern aus dem Film, während in anderen Sälen Professoren mit Vorträgen über Völker und Traditionen in Tolkiens Welt den intellektuellen Anspruch der Besucher befriedigten. In den Fluren hockten Fans und brüteten über Brettspielen - natürlich um die Macht des Rings zu erlangen.

Schweißperlen dürften so manchem die Preise an den zahlreichen Merchandising-Ständen und der Eintritt von stolzen 110 Euro für das Wochenende auf die Stirn getrieben haben. Doch das sei die Sache wert gewesen, so Elbin Felicitas, denn wann sonst habe man die Chance, so viele zu treffen, "die genauso ticken". Und mit einem Grinsen stellte sie fest: "Elen sila numen umen tjelbo - Das war elbisch und bedeutet: Ein Stern leuchtet über der Stunde unserer Begegnung."


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