HOME
Filmkritik

Blockbuster: Ich habe "Joker" gesehen – und fand ihn richtig schlecht

Alle wollen "Joker" sehen: Der Film mit Joaquin Phoenix sorgt für lange Schlangen an den Kinokassen, Kritiker überschlagen sich mit positiven Bewertungen. stern-Redakteur Jens Maier fand die Comicverfilmung langweilig und richtig schlecht.

Joaquin Phoenix als "Joker" im aktuellen Kinofilm

"Den musst du unbedingt sehen, der ist klasse." Am Wochenende habe ich "Joker" gesehen. Ich gebe zu, dass ich mit den "Batman"-Filmen bisher wenig anfangen konnte und auch nicht unbedingt auf Comicverfilmungen stehe. Doch die Starbesetzung - Joaquin Phoenix in der Hauptrolle, den ich schon in "Walk the Line" klasse fand, und Robert de Niro in einer Nebenrolle - die guten Filmkritiken und die Empfehlungen meiner Freunde sprachen für sich. Doch leider wurde ich enttäuscht.

"Joker" ist der langweiligste Film, den ich in diesem Jahr gesehen habe. Und das will was heißen, denn ich war auch im "Downton Abbey"-Film. Nicht mal die Leistung von Phoenix, der mit seiner Rolle des Außenseiters Arthur Fleck ein sicherer Anwärter auf einen Oscar ist, und der launige Auftritt von Robert de Niro als Talkshowkönig Murray Franklin können den Hollywoodstreifen retten.

Das Drehbuch von "Joker" ist zu düster und vorhersehbar

Schuld ist das Drehbuch. Der Plot um Fleck, der mit seiner Mutter in einem schäbigen Appartement wohnt, von einer Karriere als Stand-up-Comedian träumt und mehr und mehr zu einem geisteskranken und gewalttätigen Irren wird, ist langatmig und vorhersehbar. Ganze 122 Minuten nimmt "Joker" die Zuschauer mit in eine düstere und hoffnungslose Welt. Wer noch keine Herbstdepressionen hatte, nach "Joker" bekommt er sie.

Viele stören sich an der exzessiven Gewaltdarstellung im Film. Doch da ich sowohl "American Horror Story" als auch "Der goldenen Handschuh" gesehen habe, bin ich vielleicht zu abgehärtet.

Achtung Spoileralarm! Wer "Joker" noch nicht gesehen hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen.

Wäre da nicht der plötzliche Kopfschuss vor laufenden Kameras, wäre ich zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon im Kino eingeschlafen.

Joaquin Phoenix hat den Oscar verdient

Und dann ist da noch der unlogische Schluss. Joker, der im Film schon im Erwachsenenalter ist, sieht mit an, wie die Eltern des kleinen Bruce Wayne erschossen werden. Fans wissen, dass aus diesem Jungen einmal "Batman" werden wird. Doch wo kommt der Altersunterschied von 25 Jahren her? Oder altert "Joker" ab sofort nicht mehr?

Ich drücke Joaquin Phoenix die Daumen, dass er den wohlverdienten Oscar erhält. Doch weitere Auszeichnungen hat "Joker" auf keinen Fall verdient.