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Zum Tod von James Garner: Mein letztes Lebewohl an Detektiv Rockford

Er war "Detektiv Rockford" und "Maverick": James Garner ist mit 86 Jahren in Los Angeles verstorben. Die Nachricht macht mich traurig - starb doch mit Garner ein Stück meiner Kindheitserinnerungen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Ich hatte das Glück, den sympathischen Schauspieler gleich mehrfach in Los Angeles treffen zu dürfen. Meine letzte Begegnung mit James Garner liegt zwar schon einige Zeit zurück, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich ihm in der Hotelsuite des Four Seasons die Hand schüttelte und ihm davon erzählte, wie ich als kleiner Knirps im Abendprogramm in Deutschland seine TV-Serie "Detektiv Rockford - Anruf genügt" mit akribischer Regelmäßgkeit verfolgt habe.

Garner mochte die Geschichte. Ein Typ der alten Schule. Einer, der sich gern an alte Zeiten am Set von "Rockford" erinnerte - in den USA hieß die Serie im Original "The Rockford Files". "Damals hatte ich noch dichtes Haar", scherzte der Star, der niemals so wirklich begriff, warum ausgerechnet er es auf den Hollywood-Olymp geschafft hatte.

Garner stammte aus Oklahoma. Aus der Sandkuhle Amerikas hatte er nicht nur sein gutes Aussehen, sondern auch seinen Charme mit nach Los Angeles gebracht. Als "Maverick" begeisterte er sein Publikum, und als "Rockford" war er eine Art Vorreiter für George Clooney. Ein Mann, der gut bei den Ladys ankam, und einer, der das Leben in vollen Zügen genießen konnte.

Ein Gentleman der alten Schule

In unseren Unterhaltungen sprachen wir gern über deutsche Autos. Er liebte BMW, Mercedes und Porsche. "Schnelle Autos sind einfach sexy", so Garner, der zugab, das ein oder andere Ticket für zu schnelles Fahren auf dem Weg von L.A. nach Las Vegas in seinem Pontiac Firebird erhalten zu haben - übrigens der gleiche Wagen, den er auch in der TV-Serie "Rockford" fuhr.

Garner war ein Gentleman der alten Schule. Ein Mann, der aufstand, wenn eine Frau das Zimmer betrat, einer, der Stühle rückte und Platz machte, wenn eine Dame sich an den Tisch setzen wollte. "Das habe ich so gelernt, und das habe ich mein Leben lang beibehalten", sagte er mir mal in einer kleinen Runde.

Als er älter wurde und die Rollen weniger, zeigte sich der baumlange Kerl, der sowohl mit Steve McQueen als auch mit Doris Day gemeinsam vor der Kamera gestanden hat, keineswegs bitter. "Jeder hat seine Zeit. Du machst das Beste draus und beklagst dich nicht", so sein Lebensmotto.

Der charmante Privatdetektiv im Wohwagen

Jetzt also hat sich Detektiv Rockford für immer verabschiedet. Und ich bin ein bisschen traurig. Vielleicht auch, weil ich mich gern an die Abende in unserem Wohnzimmer daheim in meiner Kindheit erinnerte. An den charmanten Privatdetektiv, der in einem Wohwagen im für mich so unglaublich weit entfernten Malibu lebte und noch schnell einen neuen Fall löste, bevor ich ins Bett musste.

Heute abend werde ich zu Ehren meines Lieblings-Detektivs noch einmal auf Youtube nach alten Episoden suchen. Und ein letztes Mal mit der bekannten Titelmelodie zumindest gedanklich in mein Wohnzimmer nach Stade in Niedersachsen zurückkehren, kurz bevor meine Mutter mich auffordert, endlich den Fernseher auszumachen und ins Bett zu gehen ...