Kino 2003 Ein triumphales Jahr für den deutschen Film


Der Europäische Filmpreis für "Good Bye, Lenin", ein Oscar für "Jenseits von Afrika", dazu klingelnde Kinokassen: Das Filmjahr 2003 war erfolgreich wie lange nicht mehr.

2003 war ein schlechtes Kinojahr, aber ein unverhofft triumphales Jahr für den deutschen Film: Der Europäische Filmpreis für die DDR-Tragikomödie "Good Bye, Lenin" war nur Krönung einer tollen Serie. Und ohne die beiden größten Erfolge "Good Bye, Lenin" und "Das Wunder von Bern" wäre für die Leinwandbranche die Negativbilanz von Besuch und Umsatz weit verheerender ausgefallen. Nicht nur die Rolle einheimischer Produktionen als Bilanzretter ist neu, sondern auch die Tatsache, dass es gleich mehrere deutsche Filme waren, die Kritiker wie Publikum begeisterten.

Der Oscar für das Ende 2001 uraufgeführte Epos "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link (1,6 Millionen Besucher) war 2003 Höhepunkt einer Entwicklung, die große Hoffnung auch für die Zukunft macht: Der deutsche Film versucht sich nicht länger als fade Hollywood-Kopie, sondern besinnt sich auf die Stoffe und Themen, die den Menschen zwischen Rügen und Konstanz nun einmal näher liegen als Bandenkriege in Los Angeles oder neurotische Intellektuelle in New York. Die 1,8 Millionen Kinogänger, die sich für die schöne Neuverfilmung von Erich Kästners Jugendklassiker "Das Fliegende Klassenzimmer" entschieden, sprechen ebenfalls dafür.

Originelle Geschichten

Wolfgang Beckers überragender Erfolg "Good Bye, Lenin" (6,3 Millionen Besucher) ebenso wie Sönke Wortmanns Fußball-Melodram "Das Wunder von Bern" (bislang drei Millionen Besucher) vermittelten nationale Kollektiverlebnisse in originellen Geschichten. Auch der TV-Hit 2003, "Das Wunder von Lengede", der durchaus Kinoformat hatte, dokumentiert einen Trend, der sich wohl fortsetzen wird. Denn nichts ist bekanntlich so erfolgreich wie der Erfolg.

Wie der zu erreichen ist, haben auch die Macher des unerwartet gut laufenden Streifens "Luther" gezeigt: Eine monumentale Gestalt deutscher Geschichte als jugendlich-rebellischer Kinoheld - das kommt bestens an.

Nationale Mythen

Deutsche Filme werden mit einem einheimischen Marktanteil von um die 15 Prozent deutlich besser als im Vorjahr abschneiden. Zu Beginn des vierten Quartals standen zwei Wochen lang gleich fünf deutsche Produktionen unter zehn aktuellen Kinohits. Ende Oktober, Anfang November waren neun deutsche Filme unter den Top 20. Einer davon war der aufwendige gemachte Zeichentrickfilm "Till Eulenspiegel", der bislang über 700.000 Besucher anzog. Auch in einem solchen speziellen Genre also, das Hollywood so sehr dominiert, ist es also möglich, mit nationalen Mythenstoffen gutes Geld zu verdienen.

Auch "Werner" trug zum Erfolg bei

Gewiss ist das relativ wenig im Vergleich zu den Millionen, die in diesen letzten Wochen des Jahres in den epochalen Animationsfilm "Findet Nemo" aus amerikanischer Produktion stürmen. Aber es sind mehr Besucher als zum Beispiel in die Vorstellungen der US-Zeichentrickhits "Sindbad - Herr der sieben Meere" (606.000) und "Ferkels großes Abenteuer" (613.000) fanden. Noch besser als "Till Eulenspiegel" lief aus dem Genre und made in Germany übrigens noch "Werner - gekotzt wird später", dessen peinlicher Titel etwas über eine Million Menschen vom Kinobesuch nicht abhielt. Die Deutschen haben wieder Vertrauen in Filme aus dem eigenen Land gefasst. Es wäre gut, wenn das auch im neuen Jahr 2004 so bliebe.

Wolfgang Hübner DPA

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