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Kinostart von "Haywire": Schlagende Argumente für die Quote

Keine Actionheldin ist derzeit so überzeugend wie Gina Carano. Und ein wunderbar lupenreiner, hochgetakteter Thriller ist Steven Soderberghs "Haywire" auch noch.

Von Sophie Albers

Eine Actionheldin, die aus sich selbst heraus, ohne Mann, ohne Opfer-Prämisse, einfach die Leinwandwelt zerlegt, muss man lange suchen. Lara Croft ist ganz nett, aber nicht nur äußerlich eine sexistische Männerfantasie. Genauso wie die "Drei Engel für Charlie" oder Milla Jovovich in der "Resident Evil"-Reihe. Die Braut in "Kill Bill", "Thelma und Louise", sogar "Catwoman" sind Opfer. Und für sie alle gilt, dass sie kuschen, sobald der richtige Mann um die Ecke kommt. Darüber gibt es sogar schon eine wissenschaftliche Studie. Doch nun, pünktlich zum Weltfrauentag, kommt Steven Soderberghs "Haywire" in die Kinos. Und Charles Bronson hat seine Meisterin gefunden.

Mallory Kane (Gina Carano) ist "freie Mitarbeiterin" der amerikanischen Regierung und erledigt mit ihrem Team endeffektiv verdeckte Operationen - von der Geiselbefreiung über Spionage bis zum Auftragsmord. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihr eigener Boss sie verraten hat. Da dreht sie den Spieß um und rechnet ab. So effektiv, wie sie es eben gelernt hat.

Schweigsam wie Chuck Norris

Soderberghs Geniegriff liegt nicht nur darin, dass er diesen grandios lupenreinen, hochgetakteten Actionthriller genauso effektiv erzählt, wie Mallory zur Sache geht. Er liegt vor allem in der Wahl der Hauptdarstellerin. "Haywire" ist Gina Caranos erster Film fürs große Kino. Davor war die 29-Jährige eine Showgröße der Mixed-Martial-Arts-Szene. Von 2006 bis 2009 war sie professionelle Kämpferin: Im Kickboxen hat sie zwölf von 14 Kämpfen gewonnen. In den Mixed Martial Arts sieben von acht. Sie war ein TV-Star, allerdings immer nur im Ring. Und da hat Soderbergh sie nun herausgeholt.

In der Arena des Actionthrillers schlägt sich Carano so ganz anders als die gewöhnlichen Hollywoodmädchen. Man glaubt ihr die Gewalt und die Action, weil sie einen echten Körper hat. Mit ihrer vorherigen Karriere ist sie schlicht im Vorteil gegenüber den Leinwandmodels. Erstaunlicherweise überträgt sich diese Authentizität aber auch auf ihr Schauspiel. Das mögen manche Kritiker hölzern nennen, doch ist es bei genauerer Betrachtung einfach eine Frau, die nicht gern redet. Bei Chuck Norris hatte damit niemand Probleme.

Brutale Frauen sind möglich

Ja, es gibt Frauenfiguren, die Brutalität ohne Hysterie und Affekt einsetzen können, zeigt dieser Film. Und sie entschuldigen sich nicht dafür, wie es sonst im Genre der Fall ist. Das verleiht "Haywire" eine zuweilen verstörende Leichtigkeit. Der Zuschauer ist diese Frauen einfach nicht gewöhnt.

Am erstaunlichsten ist aber die Weiblichkeit, die Carano bei aller Brutalität behält. Auch die ist echt und weit weg von den wandelnden Hochglanzhüllen anderer Filme. Diese Frau sieht gut aus, wenn es sein muss. Aber wenn es gerade nicht passt, dann eben auch nicht. Kein albernes Gerenne in Highheels, keine lustvoll glänzenden Lippen, während der Feind ins Visier genommen wird. Die weibliche Action findet auf männlicher Augenhöhe statt, abseits der öden Klischees.

Und damit sind wir beim Titel: "Haywire" bedeutet so viel wie "verrückt" oder auch "kaputt". Und die schönste Deutung dafür ist, dass Carano die kuschenden, sexy Heroinnen für verrückt erklärt und die Klischees einfach mal kurz und klein schlägt. Alles Gute zum Weltfrauentag.