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Kinostart von "Hotel Lux": Grauen und Galgenhumor über Stalins Terror

Das Hotel Lux in Moskau war für viele Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland ein Ort der Hoffnung. Doch weit gefehlt. Denn dort wurden sie Opfer von Stalins Terrorregime. Leander Haußmann widmet dieser Zeit nun einen Film: Die bitter-schwarze Komödie "Hotel Lux".

Das Hotel Lux in Moskau war für viele Emigranten ein Ort der Hoffnung. Endlich raus aus Nazi-Deutschland, nicht mehr verfolgt werden. Doch statt der erhofften Freiheit erlebten viele von ihnen Unterdrückung, Angst und Willkür durch die Schergen des Diktators Josef Stalin. In dieser Atmosphäre aus Furcht hat Leander Haußmann seinen neuen Film angesiedelt. #link;www.hotel-lux-film.de);"Hotel Lux"# ist eine schwarze Komödie rund um die Berliner Varieté-Darsteller Hans Zeisig und Siggi Meyer, die auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in dem berüchtigten Hotel landen. Dort entspinnt sich eine abenteuerliche Groteske, bei der sich die Komiker sogar in die Weltpolitik einmischen. Ein unterhaltsamer Film mit ernstem Hintergrund, bei dem einem die Lacher mitunter im Hals stecken bleiben.

Michael "Bully" Herbig glänzt in der Rolle des Stalin-Parodisten Zeisig, der wegen seiner Hitler-Witze für die Nazis irgendwann nicht mehr tragbar ist. Bei Nacht und Nebel flieht er und landet im Hotel Lux. Kommunisten aus Deutschland und Europa sind dort untergeschlüpft und trotzen der Willkür des sowjetischen Diktators. Zeisig hat Glück. Denn der Geheimdienst hält ihn für Hitlers Leibastrologen. Dafür muss der Komiker fortan Stalin die Zukunft vorhersagen - ein Job, bei dem er mit seinem Leben spielt.

Unterhaltsam trotz ernstem Thema

Eines Tages taucht Zeisigs bester Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) auf, früher für seine Hitler-Parodien umjubelt und nun ebenfalls auf der Flucht. Dritte im Bunde ist die Kommunistin Frida van Oorten (Thekla Reuten). Sie will von Moskau aus die Welt retten. Doch bald schweben die drei in großer Gefahr. Um zu überleben, entwickeln sie einen aberwitzigen Plan.

Das Team rund um Haußmann ("Sonnenallee") und die Produzenten Günter Rohrbach und Corinna Eich ging mit Fingerspitzengefühl an das schwierige Thema heran. Sie wollten einen unterhaltsamen Film machen, ohne die Schrecken der Zeit um 1938 zu verharmlosen. Haußmann löste das mit einer Erzählung strikt aus der Perspektive Zeisigs. "Mit Zeisig eine naive, vollkommen unschuldige Figur ins Rennen zu schicken, war die einzige Möglichkeit für uns, das zu erzählen und das auch in diesem Zusammenhang unterhaltsam zu machen", sagt Regisseur Haußmann. Verharmlosend sei der Film keinesfalls, im Gegenteil: "Ich sehe, dass wir für das Genre sehr weit gegangen sind."

In der Tat ist die bedrückende Atmosphäre in dem Hotel, das in Wirklichkeit das Berliner Haus Cumberland ist, auch im Kino spürbar. Die langen, dunklen Gänge wirken beklemmend. In den Gesichtern ist die Angst zu lesen, als nächster an der Reihe zu sein, wenn der Geheimdienst mal wieder nach mutmaßlichen Gegnern Stalins sucht.

Mit Humor gegen die Schrecken des Alltags

Zeisig und Meyer wirken wie Paradiesvögel, wenn sie ahnungslos ihre Späße treiben. Erst allmählich begreifen sie, dass ihre Erfahrungen als Parodisten von Hitler und Stalin nützlich sein könnten. Schließlich lavieren sie sich nur noch mit Galgenhumor durch die Schrecken ihres Alltags. Auch Stalin (Valery Grishko) wird entmystifiziert. Bei seinen Geheimtreffen auf der Toilette wirkt er wie von Sinnen, ein betrunkener Irrer, dessen Machtspiele aber leider für viele Menschen fatale Folgen haben.

Den Film macht die Vorstellung bedrückend, dass es das Hotel Lux mit all den Schrecken wirklich gab. Während der Nazizeit war es Zuflucht für Kommunisten wie den späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht und den ersten DDR-Präsident Wilhelm Pieck. Auch der SPD-Politiker Herbert Wehner war dort. Inzwischen gibt es das Gebäude so nicht mehr. Es sollte einem Luxushotel weichen.

Cordula Dieckmann, DPA / DPA