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Kinostart von "Orania" Ein Fluchtort der Apartheid


In Orania, einem kleinen Buren-Dorf in Südafrika, lebt die Apartheid weiter. Menschen mit dunkler Hautfarbe sind hier unerwünscht. Jetzt kommt eine Dokumentation über diesen seltsamen Ort ins Kino.

Drei Monate lang hat der Berliner Regisseur Tobias Lindner, 30, in Orania im Hinterland von Südafrika gelebt. Das 800-Einwohner-Dorf in der Karoo-Wüste ist seit mehr als 20 Jahren ein Fluchtort für Buren, die der Apartheid hinterhertrauern. Es gibt eine eigene Währung und einen Radiosender für Orania. Die Bewohner beschwören, so zeigt Lindners Doku "Orania", nicht nur beim Singen ihrer Heimatlieder die Afrikaaner-Gemeinschaft. Schwarze wollen sie nicht um sich haben, weil sie fürchten, von ihnen dominiert zu werden. Deswegen sind, anders als am Kap üblich, in Orania auch die billigen Hilfskräfte Weiße.


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In Südafrika war das Dorf, das kein Teil der bunten Regenbogengesellschaft sein will, viel in den Medien. Lindner ist ein subtiler Film gelungen. Er dokumentiert, was der Sohn des Gründervaters, Carel Boshoff IV., sagt, aber prangert es nicht an. Die Gestrigkeit des Dorfes steht für sich. Lindner zeigt die Nachwehen der Apartheid, ohne die Menschen vorzuführen.

Regisseur im täglichen Zwiespalt

Da ist der verkrachte Gangster Baksteen, der in der schäbigen Arbeiterbaracke von Orania ein neues Leben anfangen will. Oder der Busunternehmer Johan, der im Radio sagt, er nehme auch "Volksfremde" mit, wenn sie zahlen und Afrikaans sprechen. Bademeister und Kioskbetreiber Willy sieht sich nicht als Rassisten. Wie einen Kumpel umarmt er seinen schwarzen Chips-Lieferanten. Der hat das Dorf noch nie betreten und rätselt, was dort wohl passiert.

Lindners Sichtweise: Natürlich zieht ein Ort wie Orania Rassisten an. Ob das Konzept des Dorfes selbst rassistisch ist, sieht er als komplexere Frage. Dort zu leben, war für ihn nicht einfach. "Es war täglich ein neuer Kampf, damit umzugehen", sagte der Regisseur bei der Deutschlandpremiere der preisgekrönten Doku beim Festival Achtung Berlin. Orania lockt laut Lindner auch raue Gesellen an. Einmal trank der Filmemacher mit einem Mann Kaffee, von dem er später erfuhr, dass dieser als Mörder gesucht wurde.

Caroline Bock, DPA DPA

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