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Kinostart von "Wintertochter": Warmherziger und ernsthafter Familienfilm

Johannes Schmid erzählt in "Wintertochter" mit viel Liebe zu seinen Figuren die anrührende Geschichte vom Finden und Wiederentdecken der eigenen Geschichte und über eine Freundschaft zwischen den Generationen.

Patchworkfamilien sind inzwischen ganz selbstverständlich. Dass aber ein Mädchen erst mit zwölf Jahren und dann ausgerechnet Heiligabend während der Bescherung erfährt, dass ein russischer Matrose sein Vater ist und nicht der Mann, den es sein Leben lang Papa nennt, schon. Und dass sich dieses Mädchen dann enttäuscht, aber wild entschlossen mit einer 75 Jahre alten Nachbarin auf den Weg nach Polen macht, wo sein Vater gerade angelegt haben soll, auch. Johannes Schmid erzählt in "Wintertochter" diese Geschichte mit einer wohltuenden, unaufgeregten Selbstverständlichkeit, lässt nicht nur Kattaka, sondern auch die alte Lene nach ihren Familienwurzeln suchen, und thematisiert noch ganz nebenbei die Schrecken des Zweiten Weltkrieges.

Kinotrailer: "Wintertochter"

Schmid lässt die Kinder Kinder sein

Es ist kalt in Berlin zu Weihnachten, und noch kälter in Stettin, später in Danzig und in den Masuren. Stationen, die Lene (Ursula Werner) und Kattaka (Nina Monka) auf den Weg in die Vergangenheit machen. Schnee bedeckt die Landschaft, nur ganz selten schafft es ein Sonnenstrahl durch den grauen Himmel. Und doch sprüht Schmids Familienfilm niemals eine Kälte aus, rutscht niemals ins Klischeehafte ab. Stattdessen widmet sich der 38 Jahre alte Filmemacher und Drehbuchautor ("Blöde Mütze!") seinen Figuren mit einer großen Ernsthaftigkeit, großem Respekt. Denn Wintertochter ist auch die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Generationen, die eine schmerzhafte Erfahrung gemacht haben.

In dieser Freundschaft lässt Schmid die Kinder Kinder sein, die alte Lene eine patente, burschikose, aber auch einsame alte Frau. Sie schreit die Kinder mal an, wird unwirsch, bestellt Bier, während Kattaka und Knäcke, Kattakas bester Freund, der sich in Lenes Bus geschmuggelt hat, Cola trinken. Die Kinder siezen Lene respektvoll. Schmid biedert sich nicht an bei seinen Figuren, sondern erzählt fast sachlich und doch so einfühlsam, zugleich mit viel Witz von den Enttäuschungen des Lebens, denen man sich durchaus stellen kann - egal ob man 12 oder 75 Jahre alt ist. Und das ist dann eben doch keine Selbstverständlichkeit - schon gar nicht im deutschen Film. Beim Filmfestival Goldener Spatz wurde "Wintertochter" dann auch zu Recht für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Britta Schmeis, DPA / DPA
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