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Kinostart von Costanzos Bestsellerverfilmung Verloren in der "Einsamkeit der Primzahlen"


Störrische Titel verheißen nicht immer störrische Filme. Für Saverio Costanzos "Die Einsamkeit der Primzahlen" allerdings trifft es zu. Seine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers über zwei Menschen und die Wunden ihrer Kindheit, die niemals heilen, ist alles andere als leichte Kost und verlangt dem Zuschauer einiges ab.

Es gibt Menschen, die haben einfach einen schlechten Start ins Leben. Es mag am sozialen Umfeld liegen, an unglücklichen Zufällen - manche nennen es auch Schicksal - oder aber an überehrgeizigen oder verantwortungslosen Eltern. Und manchmal ist von allem ein wenig dabei. Wie bei Alice und Mattia in der Bestseller-Verfilmung "Die Einsamkeit der Primzahlen" von Saverio Costanzo, einem beklemmenden, verstörenden Film über zwei Menschen, deren komplettes Leben von nur einem schicksalhaften Moment in ihrer Kindheit bestimmt wird.

Alice (Alba Rohrwacher) wird von ihrem Vater gegen ihren Willen und trotz widrigster Wetterbedingungen auf die Skipiste gedrängt. Sie stürzt und verletzt sich so stark, dass sie für den Rest ihres Lebens humpeln muss und vor allem das Vertrauen in ihren Vater und in die Welt verloren hat. Versagte Freundschaften, das Gefühl vollkommener Verlassenheit bis hin zur Magersucht bestimmen ihr Leben. Für Mattia (Luca Marinelli) war es der Moment, als er seine behinderte Zwillingsschwester im Park zurückließ, um alleine für wenige Stunden zu einer Kindergeburtstagsfeier zu gehen. Seine Schwester taucht nie wieder auf, eine Schuld, die er sein Leben lang nicht ablegen kann.

Als Jugendlichen treffen die beiden aufeinander, fühlen sich in ihrer Einsamkeit und Ausgegrenztheit von einander angezogen, verbunden, bleiben aber aussichtslos unverbunden, die - wie der Titel suggeriert - wie zwei Zwillingsprimzahlen zusammen gehören, aber eben doch nicht miteinander vereinbar sind.

Saverio Costanzo erzählt diese tragischen Adoleszenzgeschichten auf vier Zeitebenen, ohne dabei zu verwirren und doch fühlt sich der Zuschauer verloren. Es sind die düsteren Bilder und Szenarien durchbrochen von gellenden Weißlichtblitzen, die stets aufwühlende Musik, die diesen Film so beklemmend machen. Mattia wohnt mit seinen Eltern (nicht einmal Isabella Rossellini als seine Mutter ist dabei ein Lichtblick), in einer dunklen, verschachtelten Wohnung. Alice Mutter sieht der Zuschauer vor allem, wie sie sich selbstverliebt im Spiegel betrachtet.

2008 feierte Autor Paolo Giordano mit seinem Romandebüt "Die Einsamkeit der Primzahlen" einen sensationellen Erfolg, erreichte in weniger als einem Jahr eine Auflage von mehr als einer Million und gewann mit damals 26 Jahren als bisher jüngster Autor Italiens bedeutendsten Literaturpreis Premio Strega. Der Film dürfte es da schon etwas schwieriger haben, ein Massenpublikum anzusprechen.

Britta Schmeis, DPA DPA

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