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Kommentar: Herr Schmidt ist wieder da

Harald Schmidt ist wieder da und der Alte. Zugegeben, die Frisur, der Bart: ziemlich weiß. Sieht alt aus, ist aber neu. Und lang.

von Niels Kruse

"Sie wissen, was Parallelgesellschaften sind? Also, Parallelgesellschaften, das ist wie ... stellen sie sich eine Frau vor, seit 25 Jahren glücklich verheiratet, sie guckt sich 'Fliege' an. Oh, den kenn ich, sagt die Frau, das ist mein Mann, mein Mann bei 'Fliege'! Was macht mein Mann bei 'Fliege'?, fragt sie. Er sagt, dass er seit 20 Jahren schwul ist ... Das, meine Damen und Herren, sind Parallelgesellschaften."

Harald Schmidt ist wieder da und der Alte. Zugegeben, die Frisur, der Bart: ziemlich weiß. Sieht alt aus, ist aber neu. Und lang. Die "Bild"-Zeitung hatte übrigens, noch am gleichen Morgen des Comeback-Tages ihre Leser befragt, nicht ohne vorher einen zotteligen, wenngleich aktuellen Schmidt zu zeigen, welchen sie denn am Abend am liebsten sehen wollen: den Mit-kurzen-Haaren-kann-man-nichts-falsch-machen-Harald-Schmidt oder den Auf-einer-Weltreise-auch-noch-zum-Friseur-gehen-ist-schickt-sich-nicht-Harald-Schmidt? Die Leser entschieden sich nicht für Letzteres. Herr Schmidt schon.

Ansonsten ist nicht nur Harald Schmidt sondern auch seine Show beim Alten geblieben. Das Intro – aus dem Off – intoniert wie damals vor einem Jahr - nur unfranzösischer. Die Studioband – mit offensichtlich gleichen Mitgliedern – spielt das gleiche Lied - nur moderner. Die Dekoration – Best-of-Großstadt-Skyline – die gleiche wie bei Sat1 - nur öffentlich-rechtlicher. Das Arrangement – Andrack, rechts am Schreibtisch – wie immer, nur immer noch mit Jeansjacke.

"Was gibt's denn Neues?", fragt der Chef, an dessen Garderobe seit seinem Wechsel von Sat1 zur ARD "Indendant" stehen soll, den Chef-Dramaturgen. "Och, nichts", antwortet der, "nur Reformen".

Außer Reformen ist tatsächlich wenig gewesen bei Harald Schmidt, nach einem Jahr Kreativpause. Die Werbung fehlt. Und die Gäste fehlen auch. Oft war die Rede davon, damals, als die Welt zusammen-, weil eine ohne Schmidt anbrach, dass die Leute beim Auftritt der Gäste ausgeschaltet haben. Weil nichts schöner war als dem Meister beim Selbstgespräch zu lauschen. Jeder Witz konnte schließlich der letzte sein. Vor der Werbung, vor den Gästen.

Vorbei. Künftig wird er, im Gegensatz zur Premieren-Sendung nur eine halbe Stunde lang, "ohne Skript Unsinn erzählen", wie Manuel Andrack vor der ersten ARD-Sendung sagte. Beim ersten ARD-mal erzählte er wirklich noch Unsinn. Schmidt, nicht Andrack. "'Viva? Deutschlands größtes Schlampenreservoir"! Die erste dreiviertel Stunde ARD-Schmidt war wie Sat1-Schmidt in seinen letzten Zügen: selten komisch, dafür selbstgefällig, eigenbrötlerisch und zu oft nah dran an der Neu-Parole: "Musikantenstadl für Parallelgesellschaften". Schön, dass Sie wieder da sind, Herr Schmidt.