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Manfred Krug: Liebling in Rente

Er begann seine Karriere in der DDR, wurde aber auch in der Bundesrepublik schnell zum Liebling der Fernsehzuschauer. Mehr als fünf Jahre nach seinem Karriereende feiert Schauspieler Manfred Krug seinen 70. Geburtstag.

Eigentlich habe er sich als Schauspieler nie verwandelt, hat Manfred Krug einmal seine Arbeitsweise erklärt. Er habe sich seine jeweilige Rolle sozusagen angezogen, sie angepasst und mit seinen ganz persönlichen Mitteln daran gearbeitet. Heraus kam die unverwechselbare Marke "Manfred Krug", die in der DDR und später Westdeutschland gleichermaßen beliebt war - und das über Jahrzehnte hinweg. Als Schauspieler ist Krug inzwischen abgetreten, dafür singt und schreibt er ab und zu noch. Heute wird "Manne", das Multitalent 70 Jahre alt.

Im vergangenen November präsentierte das ZDF in seiner Reihe "Unsere Besten" die 50 beliebtesten deutschen Schauspieler. Krug, der sich nach seinem Abschied vom Fernsehen 2001 nur noch selten öffentlich zeigt, landete dabei auf Platz 30, vor Hollywood-Größen wie Marlene Dietrich oder Maria Schell. Wäre Krug heute noch als Schauspieler aktiv, wäre er wohl auf einem der Spitzenplätze gelandet. Schließlich war er als "singender Cop" zusammen mit Charles Brauer einer der beliebtesten "Tatort"-Kommissare. Und vier Jahre, nachdem die letzte Staffel der Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg" gelaufen war, wurde er in einer Umfrage als Deutschlands beliebtester TV-Rechtsanwalt genannt.

Karrierestart in der DDR

Doch die erste wichtige Rolle, mit der der Name Manfred Krug verbunden ist, war die des Baubrigadiers Hannes Balla im DEFA-Film "Spur der Steine", der 1966 den DDR-Alltag kritisch beleuchtete und nach drei Tagen verboten wurde. Krug, der nach einer Kindheit bei seiner Oma in Westdeutschland 1949 seinem Vater als Zwölfjähriger in die DDR gefolgt war, war damals einer der erfolgreichsten und beliebtesten DDR-Schauspieler, der 1968 mit dem Nationalpreis geehrt wurde. Mindestens genauso bekannt war er aber auch als Interpret von Jazz und Chansons, er tourte durch die DDR, Polen und die CSSR und veröffentlichte zehn Platten.

Mit der Liebe seines Staates zum "DDR-Star mit Weltniveau" war es allerdings vorbei, nachdem der geradlinige und kompromisslose Krug 1976 eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieben hatte. Im April 1977 beantragte Krug die Ausreise in den Westen, die er am 20. Juni 1977 mit Frau und drei Kindern antrat. Die Erlebnisse dieser Zeit schilderte Krug 1996 in seinem Buch "Abgehauen", das zum Bestseller avancierte und 1998 als ARD-Verfilmung mit Peter Lohmeyer als Krug gezeigt wurde.

Innige Freundschaft mit Jurek Becker

Im Westen Fuß zu fassen, fiel dem charismatischen Mimen nicht schwer. In die Herzen der Kinder spielte er sich in der "Sesamstraße", in die der erwachsenen Zuschauer als "Tatort"-Kommissar Paul Stoever, den er ab 1984 41 Mal verkörperte, und als Anwalt Robert Liebling in der Serie "Liebling Kreuzberg", die mit Unterbrechungen von 1986 bis 1998 lief. Die Rolle des Wackelpudding liebenden Anwalts mit zahlreichen Marotten hatte Krug sein Freund Jurek Becker auf den Leib geschrieben. Mit Becker verband Krug eine innige Freundschaft, seit sich die beiden 1956 in Ost-Berlin kennen gelernt hatten. Nach Krugs Ausreise folgte Becker ihm schon bald in den Westen.

Die weiche Seite des oft bärbeißig auftretenden Krug wurde nicht zuletzt sichtbar, als er bei der Trauerfeier für den toten Freund 1997 einige von dessen Postkarten vorlas und weinen musste. Beckers Tod bezeichnete Krug einmal als "tiefen Schmerz und Verlust, wie ich zuvor noch keinen erlebt habe". Später veröffentlichte er die gesammelten Postkarten als Buch, dessen Titel ein rührendes Jugendfoto ziert, auf dem der große Bär Krug den schmächtigeren Becker liebevoll im Arm hält.

Freundschaftlich verbunden ist Krug auch weiterhin mit Charles Brauer, der ihm als Kommissar "Brocki" Brockmöller im "Tatort" zur Seite stand. Durch die gemeinsamen Gesangseinlagen der beiden Kommissare, die sich zum "Running Gag" entwickelten und auf einer CD versammelt wurden, konnte Krug auch im Westen wieder als Musiker Fuß fassen. Im Sommer 2001 trat er zum ersten Mal nach 25 Jahren wieder als Sänger in Berlin auf, später musizierte er auch zusammen mit seiner Tochter Fanny. Furore macht Krug schließlich auch als Werbefigur: Am bekanntesten ist wohl seine jahrelange Werbung für die T-Aktie, die sich für die Anleger als Talfahrt erwies. Nachdem Krug sich später in einem Interview bei den Aktionären für die erlittenen Verluste entschuldigt hatte, trennte sich die Telekom von ihm.

"Es kann trotzdem ein Mensch draus werden"

Seit seinem Rückzug vom Filmgeschäft ist von Krug nur noch selten etwas zu hören. 2002 machte kurz die Enthüllung eines unehelichen Kindes Schlagzeilen, das nach Angaben der Familie aber nach kurzer Irritation harmonisch integriert wurde. Ein Jahr später veröffentlichte Krug sein Buch "Mein schönes Leben", in dem er Kindheit und Jugend schildert und vor allem seiner heiß geliebten Oma ein Denkmal setzt. Er habe mit seiner Geschichte auch seinen Kindern und Enkeln Mut machen wollen, erklärte Krug: "Ich wollte ihnen sagen: Ihr könnt an meinem Leben sehen, nicht alles läuft perfekt, euer Papa und Opa hat ein paar Jahre zu lang ins Bett gepinkelt, da kann trotzdem ein Mensch draus werden."

Mirjam Mohr/AP / AP