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Michael Moore: "Politisch stumpfsinnig"

Nach dem Boykott des Dokumentarfilms "Fahrenheit 9/11" von Bush-Kritiker Michael Moore durch die Walt Disney Company will die Filmfirma Miramax den Streifen zurückkaufen und selbst vermarkten.

Der Bush-kritische Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" von Oscar-Gewinner Michael Moore wird nun doch in die amerikanischen Kinos kommen. Wie das Filmblatt "The Hollywood Reporter" am Donnerstag berichtete, haben die Miramax-Chefs Bob und Harvey Weinstein und Walt Disney Co., der Mutterkonzern von Miramax, ihren Streit um den Vertrieb des Films beigelegt. Die Weinstein- Brüder wollen nun aus eigener Tasche den von Miramax finanzierten Streifen aufkaufen und durch einen neuen Vertriebspartner in die US-Kinos bringen. In der vergangenen Woche hatte der Disney-Konzern den Vertrieb des kontroversen Moore-Films verboten.

"Wir sind sehr glücklich darüber, dass Disney dem Verkauf von „Fahrenheit 9/11“ an Bob und Harvey zugestimmt hat", teilte ein Miramax-Sprecher am Mittwoch mit.

Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes

Der Streifen kritisiert das Verhalten von US-Präsident George W. Bush vor den Terroranschlägen am 11. September 2001 und versucht, eine Verbindung zwischen Bush und einflussreichen saudi-arabischen Familien nachzuweisen, einschließlich jener des Terroristenführers Osama bin Laden. "Fahrenheit 9/11" hat bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere.

Moore mutmaßte in der letzten Woche, dass Disney im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen auf Druck des Präsidentenbruders Jeb Bush gehandelt habe. Bekanntlich spare der Micky-Maus-Konzern in seinen Vergnügungsparks und Studios im Bundesstaat Florida, dessen Gouverneur Jeb Bush ist, Millionen von Steuerdollars. Die seien offenbar "gefährdet" gewesen.

Walt Disney Co. - politische neutral?

Disney-Chef Michael Eisner verteidigte das Vertriebsverbot in der vergangenen Woche damit, dass sich der auf Familienunterhaltung ausgerichtete Konzern politisch neutral verhalten wolle. Die bereits weitgehend vergebenen Auslandsrechte für "Fahrenheit 9/11" waren von der Blockierung der US-Aufführung durch Disney nicht betroffen.

Moores Agent machte kürzlich darauf aufmerksam, dass dessen Oscar- gekrönter Film "Bowling for Columbine" lediglich drei Millionen Dollar gekostet und 120 Millionen Dollar eingebracht habe. Eisners Entscheidung, den Vertrieb von "Fahrenheit 9/11" zu untersagen, sei also finanziell zweifelhaft und zudem politisch stumpfsinnig.

DPA / DPA