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Nazi-Komödie "Iron Sky": Hinterm Mond gleich rechts

Nazis als Wahlkampfberater im US-Wahlkampf? Eine geheime Mondbasis in Hakenkreuzform? Keine Idee ist zu überdreht für das Trash-Filmspektakel "Iron Sky". Mit dabei: Udo Kier als Hitlers Nachfolger Krotzfleisch und Julia Dietze als sexy Nazibraut.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs leben die Nazis nun schon auf der dunklen Seite des Mondes - doch von ihrem großen Ziel, der Wiedereroberung der Erde, sind die Bewohner des "Vierten Reichs" noch weit entfernt. Saft und kraftlos rostet die große Geheimwaffe, ein Riesenraumschiff namens "Götterdämmerung", am Boden vor sich hin. Die Prozessorleistung der klobigen deutschen Rechengehirne reicht einfach nicht aus, um die gewaltige Angriffsmaschinerie in Gang zu setzen.

Das alles ändert sich, als ein Raumschiff der Amerikaner auf dem Erdtrabanten landet. Ein hochmodernes Smartphone landet in den Händen der Mondnazis - und es wäre schon um die Erde geschehen, würde nicht der Akku im entscheidenden Moment versagen. So muss der neue Führer Krotzfleisch (Udo Kier) eine gewagte Expedition starten: Er schickt seinen nicht-ganz-so-Getreuen Klaus Adler (Götz Otto, "James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie") inkognito auf die Erde, um die mobile Wunderwaffe wieder aufzuladen. Doch Adler verfolgt eigene Pläne - und langsam dämmert es auch seiner Verlobten Renate, dass es mit den Friedensabsichten der Nazis nicht so weit her ist wie ihr stets eingetrichtert wurde.

Schon diese Kurzzusammenfassung der ersten Viertelstunde zeigt deutlich: Den finnischen Regisseur Timo Vuorensola treibt alles um - nur nicht die Sorge um politische Korrektheit. So fügt sich in seinem Trash-Spektakel "Iron Sky" eine abstruse Idee an die nächste: Die US-Präsidentin (Stephanie Paul), unzweifelhaft angelehnt an Sarah Palin, heuert die Mondnazis als Wahlkampftaktiker an, der afro-amerikanische Astronaut Washington (Christopher Kirby) wird per Arier-Injektion eines verrückten Nazi-Wissenschaftlers hell und das US-Kampfraumschiff trägt ausgerechnet den Namen "USS George W. Bush".

Finanziert wurde "Iron Sky" übrigens zu großen Teilen durch Crowdfunding, bei dem Fans aus vielen verschiedenen Ländern Geld für das Projekt zur Verfügung stellten. Immerhin ist Vuorensola in der Netzwelt kein Unbekannter. Seine Science-Fiction-Parodie "Star Wreck: In the Pirkinning", die er nur mit einem kleinen Budget drehte, wurde im Netz millionenfach angesehen. Einige Zeit später soll Vuorensola dann mit einem Freund in der Sauna gesessen haben, wo neben einer Menge Schweiß auch die Idee zu den Mondnazis geflossen sein soll. Als der Regisseur diese Geschichte auf der Berlinale zum Besten gab, erntete er ungläubige Gesichter: Ja, bestätigte der Regisseur, in der Sauna - "wie alle guten Ideen aus Finnland".

Von Jens Wiesner (mit DPA)
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