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Neu im Kino: Oscar-Favoriten im Anmarsch

Das Oscar-Rennen ist nicht erst seit den Golden Globes im vollen Gange, nun kommen mit "12 Years a Slave", Scorseses "The Wolf of Wall Street" und "Nebraska" gleich drei heiße Anwärter in die Kinos.

Von Patrick Heidmann und Nicky Wong

"12 Years A Slave"

Kinotrailer: "12 Years a Slave"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Steve McQueen ("Shame") und die Darsteller Chiwetel Ejiofor ("2012"), Brad Pitt ("Der seltsame Fall des Benjamin Button"), Paul Giamatti ("Hangover 2") und Michael Fassbender ("Inglorious Basterds")

Die Geschichte in einem Satz:

Bei einer Tournee wird der Violinist Solomon Northup, der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie als freier Mann in den Nordstaaten lebt, von seinen Kollegen verraten, gekidnappt und als Sklave in die Südstaaten verkauft, wo er zwölf Jahre unter menschenunwürdigen Bedingungen verschiedenen Mastern und Aufsehern dienen muss.

Geschwister im Kinoversum:

"Die Farbe Lila"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil noch kein Film sich so gnadenlos und weit in die Institution Sklaverei, einem bis heute nicht hinlänglich aufgearbeiteten, düsteren Kapitel der US-Geschichte, vorgewagt hat wie der Golden-Globe-Gewinner von Steve McQueen. Ohne Rührseligkeiten oder Klischees, ohne Mitleid erheischen zu wollen oder seinen Protagonisten auf die Opferrolle festzuschreiben durchleuchtet der Brite mit unglaublicher Präzision die schrecklichen Mechanismen aus Angst, Gewalt und Entwürdigung. Er verzichtet dabei weder auf schwer zu ertragende Brutalität noch auf kaum weniger leicht bekömmlichere Schönheit in den durchkomponierten Bildern. Hauptdarsteller Ejiofor, Fassbender als tyrannischer Sklavenhalter und Neuentdeckung Lupita Nyong'o sind (genau wie der Rest des Ensembles) so fantastisch, dass sie zusammen mit McQueen und dem gesamten Film verdientermaßen als Oscar-Favoriten gelten. Ein Meisterwerk für die Ewigkeit!

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"The Wolf of Wall Street"

Kinotrailer: "The Wolf of Wall Street"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Martin Scorsese ("Goodfellas") und die Darsteller Leonardo DiCaprio ("Titanic"), Jonah Hill ("Moneyball"), Matthew McConaughey ("Magic Mike") und Jean Dujardin ("The Artist")

Die Geschichte in einem Satz:

Mitte der 80er Jahre wird der junge Börsenmakler Jordan Belfort von seinem Mentor nicht nur in die verlockende Welt der Drogen und der Prostitution an der Wall Street eingeführt, sondern lernt auch die Lektion, dass man zum Reichwerden nicht an das Wohl der Klienten, sondern die eigenen Provisionen denken sollte, was sich Belfort prompt zu Herzen nimmt und eine ebenso beachtliche wie skrupellose Karriere im Finanzgeschäft hinlegt, bei der zwangsläufig auch bald das FBI vor der Tür steht.

Geschwister im Kinoversum:

"Wall Street - Geld schläft nicht", "Casino"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Dass Martin Scorsese in seiner langen Karriere bereits (noch) bessere Filme gedreht hat, wird niemand ernstlich bestreiten. Doch auch dieses Mal ist ihm einer gelungen, den man schon allein aufgrund seiner Wuchtigkeit und Detailversessenheit gesehen haben sollte. Von einem - wie meistens bei Scorsese - blendend aufgelegten DiCaprio und tollen Nebendarstellern ganz zu schweigen. Und nicht zuletzt lässt sich herrlich darüber diskutieren, welche moralische Aussage der Regie-Maestro mit diesen drei Stunden Luxus-Ausschweifungen, Koks-Exzessen und Nuttenpartys eigentlich treffen wollte.

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"Nebraska"

Exklusive Trailerpremiere: Auf der Jagd nach der Million

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Alexander Payne ("The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten") und den Darsteller Bruce Dern ("Monster")

Die Geschichte in einem Satz:

Weil sein alter Vater einen vermeintlichen Millionen-Gewinn zu Fuß im zwei Staaten entfernten Nebraska abholen will und das eigene Leben gerade ohnehin nicht rund läuft, packt David seinen alten Herren ins Auto und will die Gelegenheit zumindest zu einem Familienwiedersehen nutzen.

Geschwister im Kinoversum:

"About Schmidt"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Unter den Oscar-Anwärtern, die in dieser Woche in die deutschen Kinos kommen, ist Alexander Paynes unaufgeregtes Roadmovie mit seinen Schwarzweiß-Bildern sicherlich der kleinste. Aber davon, dass Payne etwas von tragikomischen Geschichten über Männer in der Krise versteht, zeugen nicht zuletzt seine beiden bisherigen Oscars für "Sideways" und "The Descendants". Genau wie seine beiden Hauptdarsteller, der alte Kino-Hase Bruce Dern und dessen Filmgattin June Squibb, dürfte deswegen auch für Payne mindestens eine Nominierung rausspringen.

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"Nicht mein Tag"

Kinotrailer: "Nicht mein Tag"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Moritz Bleibtreu ("Der Baader Meinhof Komplex"), Axel Stein ("Mann tut was Mann kann") und Jasmin Gerat ("Kokowääh")

Die Geschichte in einem Satz:

Gelegenheitsgauner Nappo nimmt bei einem Banküberfall den dort angestellten Till als Geisel und flieht mit ihm Richtung Amsterdam - ein irrer Trip, während dem der biedere Bürofuzzi Stück für Stück den inneren Gangster aus sich herauskommen lässt.

Geschwister im Kinoversum:

"Bang Boom Bang"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil es im deutschen Kino kaum einen Regisseur gibt, der sich so sehr auf deftige Komödien mit Kultpotenzial versteht, wie Peter Thorwarth. In seinem ersten Film seit acht Jahren schert der sich mal wieder herzlich wenig um politische Korrektheit oder Weichspüler-Gags und fährt damit so gut wie seit "Bang Boom Bang" nicht mehr. Außerdem ist Bleibtreu - der allem Erfolg zum Trotz immer noch am meisten unterschätzte Schauspieler Deutschlands - immer einen Kinobesuch wert.

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"Fünf Freunde 3"

Kinotrailer: "Fünf Freunde 3"

Wen Sie kennen könnten: den Darsteller Sky du Mont ("Der Schuh des Manitu")

Die Geschichte in einem Satz:

Eigentlich war ja Urlaub angesagt, doch auch auf der exotischen Ferieninsel werden George, Julian, Dick, Anne und Timmy natürlich wieder in ein Abenteuer verwickelt, das dieses Mal ein Schiffswrack, einen geheimnisvollen Kompass, ein einheimisches Mädchen und einen skrupellosen Investor beinhaltet.

Geschwister im Kinoversum:

"Fünf Freunde" und "Fünf Freunde 2"

Warum Sie den Film nicht unbedingt sehen müssen:

Den Romanvorlagen von Enid Blyton bleiben die "Fünf Freunde"-Verfilmungen insofern treu, als dass auch sie eigentlich eher wenig gehaltvolles Fast Food denn nahrhafte Spitzenküche sind. Kann man als junger Mensch so weggucken, muss man aber auch nicht. Allerdings sollte man wohl auch betonen, dass dieser Tage sonst sehr viel fragwürdiges ans Kind gebracht wird, daher wollen wir mal nicht zu streng sein. Und das Südsee-Setting verleiht dem neuen Film zumindest optisch eine neue Hochwertigkeit.

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