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New Yorker Geschichten: Robert de Niro's waiting

Der Hollywood-Star hat in Downtown Manhattan ein Hotel eröffnet: Das "Greenwich Hotel". Eine Edel-Herberge, um deren Bau es ein bisschen Ärger gab. Nicht jeder in New York ist damit einverstanden, was der geschäftstüchtige Mr. de Niro treibt. stern.de hat sich in seinem Hotel umgeschaut - lohnt ein Besuch?

Von Ulrike von Bülow, New York

In der Lobby des Greenwich Hotels gibt es und blaue und grüne Samtsesselchen und Terrakottafliesen, die eigens aus Italien eingeflogen wurden. Am Ende der Lobby geht es in einen Salon, in dem dunkle Ledermöbel stehen und große Spiegel hängen, die einmal die Fenster eines New Yorker Wahrzeichens waren: des Flatiron Buildings. Aber dann wurden die Fenster des berühmten Bügeleisengebäudes erneuert und die Leute vom Greenwich Hotel sagten: Her mit dem alten Glas, daraus basteln wir uns ein paar besondere Spiegel.

Alles in diesem Haus wurde speziell für das Greenwich Hotel angefertigt, es sollte einzigartig sein, vom feinsten, so hatte der Chef sich das gewünscht. Der Chef heißt Robert de Niro, der Bau seines Hotels begann vor vier Jahren, und nun, am 1. April, hat es eröffnet. In TriBeCa, jenem Viertel in Downtown Manhattan, in dem Mr. De Niro schon so manches eröffnet hat: Das Hotel steht in der Greenwich Street, Nummer 377, und ein Haus weiter betreibt der Schauspieler das "Tribeca Grill Restaurant". Und weil ihm in dieser Ecke noch das "Nobu" gehört, ein japanischer Ess-Tempel, und das Kino "TriBeCa Cinemas", er zudem allerlei luxuriöse Apartments besitzt, wird der Block hier längst "Bobby Row" genannt, Bobbys Reihe, und Bobby de Niro gern als der Pate von TriBeCa bezeichnet.

TriBeCa ist De-Niro-Land

TriBeCa ist die Abkürzung für "Triangle below Canal Street", und dieses Dreieck unterhalb der Canal Street ist: De-Niro-Land. Das Grundstück für sein Hotel hat De Niro sich schon 1991 gekauft, sehr clever, denn wer in Manhattan ein Grundstück besitzt, der wird mit jedem Tag reicher, an dem die Immobilienpreise steigen, und die steigen in New York City ja zweimal täglich. Früher gab es auf dem Grundstück einen Parkplatz, nun hat de Niro dort ein achtstöckiges Gebäude errichten lassen, angepasst an seine Gegend: Es ist aus braunem Backstein, es ähnelt den Altbauten drum herum, deren Fenster allerdings nicht ganz so großzügig sind wie die des Greenwich Hotels.

In De Niros Gasthaus gibt es 88 Zimmer, und in jedes scheint angenehm viel Tageslicht. Keines der Zimmer sieht gleich aus, jedes ist individuell gestaltet: Mal gibt es neben dem Kingsize-Bett ein violettes Samtsofa, mal einen Ledersessel; mal ist das Bad gelb gekachelt, mal blau, mal bunt, immer aber mit edlen marokkanischen Fliesen. In jedem Zimmer gibt es eine Schreibecke und ein Regal mit Büchern darin, denn man soll sich hier wie zuhause fühlen und nicht wie in einem Hotel. Darum gehört zum Service, dass dem Gast morgens eine aktuelle Tageszeitung aus seiner Heimatstadt geliefert wird, so denn er es wünscht.

Ein Kontrollfreak, der alles bestimmen möchte

Gern würde man hier einchecken, sich das "Hamburger Abendblatt" zum Frühstück bestellen und abwarten, wann es ankommt (Stunden später? Tage später? Gar nicht?), doch Mr. De Niros Hotel ist eher etwas für Besserverdienende wie ihn: Eine Nacht im Standard-Zimmer kostet 625 Dollar, in einer Suite 1850 oder 2250 Dollar, je nachdem, ob die Suite mit einem Kamin und/oder einer Sauna ausgestattet ist. Bis Anfang Juni gibt es vergleichsweise günstige Eröffnungsangebote, denn es sind noch nicht alle Zimmer fertig, es wird hier und da ein bisschen geschraubt und gebohrt, und der Spa-Bereich im Keller ist noch eine Baustelle, auf der schwitzende Männer einen japanischem Aroma-Tempel zusammenzimmern. Mit 250 Jahre altem Holz, das selbstverständlich aus Japan importiert wurde.

Derzeit dürfen noch keine Fotos des Hotel-Inneren veröffentlicht werden, es gibt ein Embargo, an das auch Gäste sich halten sollen, angeblich, weil es einen irre exklusiven Vertrag gibt mit irgendeinem Magazin, in dem das Greenwich Hotel sich groß präsentierten darf. Darum heißt es in den New Yorker Klatschspalten dieser Tage wieder gern, Robert de Niro sei ein Kontrollfreak, der immer und ewig alles bestimmen möchte.

Den New Yorkern ist de Niro inzwischen suspekt

Robert De Niro wurde hier geboren, er ist in Manhattan aufgewachsen, und es gab eine Zeit, in der sie ihn in New York liebten für das, was er für die Stadt tat. Nach dem 11. September 2001 war das, als der zweifache Oscar-Preisträger sein "TriBeCa Film Festival" gründete, um TriBeCa wieder interessant zu machen, die Gegend zu revitalisieren, denn nach den Anschlägen auf das World Trade Center waren viele Menschen von hier weggezogen; zu nah war das Unglück. Das "TriBeCa Film Festival" findet seither alljährlich statt, diesmal vom 23. April bis 4. Mai 2008, und es ist ein Highlight auf dem New Yorker Gesellschaftskalender, denn dann kommen die Stars und die Sternchen zu Bobby nach TriBeCa - und TriBeCa ist für zwei Wochen der Nabel der Promi-Party-Poser-Welt. Den New Yorkern aber ist Robert de Niro inzwischen ein bisschen suspekt, etwas zu geschäftstüchtig vielleicht, denn es gab ein paar Geschichten, in denen er nicht so gut aussah wie in seinen Filmen. De Niro ging gegen eine Website für Nachwuchsfilmer vor, "tribeca.net", weil sie "seinen" Namen benutzte, er verklagte eine Galeristin, die es gewagt hatte, 60 Kurzfilme unter dem Motto "TriBeCa Underground Festival" zu zeigen. Immer traf es die Kleinen, und als er für den Bau seines Hotels mit der Stadt einen Steuerzuschuss von knapp 40 Millionen Dollar aushandelte, sagten in TriBeCa nicht wenige Menschen: Es gibt hier ein paar Unternehmer, die dieses Geld nötiger hätten als der große Robert de Niro.

Der möchte nun ein buntes Unterhaltungszentrum mit Kinos und Raum für den Cirque du Soleil an den Hudson River bauen, über das seine Kritiker spotten: Was soll das werden, Las Vegas am Wasser? Vielleicht hört de Niro sie nicht mehr; er hat sein Penthouse in TriBeCa verkauft, für 12,5 Millionen Dollar, und lebt jetzt weiter oben in Manhattan. In einem Apartment am Central Park, das 15 Zimmer hat. Er hat 21 Millionen Dollar dafür bezahlt.