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Oliver Stone: Ein super Thema, dieser Bush!

Oliver Stone überrascht mit seiner Ankündigung, das Leben von George W. Bush verfilmen zu wollen. Angeblich soll ein ausgewogenes Porträt des US-Präsidenten entstehen. Schaut man sich an, was der Regisseur bisher so über Bush gesagt hat, darf man das durchaus bezweifeln.

Eine Frage regiert derzeit das Land: Wer wird sich für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika bewerben? Am Montag Abend gab es wieder eine dieser Debatten, wie immer wurde sie live im Fernsehen übertragen; die Kandidaten der Demokraten diskutierten zum x-ten Male miteinander, und wie immer wurde das Gesagte hinterher 17 Stunden lang auf 148 Sendern analysiert, und natürlich waren auch die Zeitungen am nächsten Morgen wieder voll davon. Clinton, Obama, Clinton, Obama. Man kann diese Namen langsam nicht mehr hören, und manchmal fragt man sich bei all dem Bohei: Was macht eigentlich George W. Bush?

Man hat nicht das Gefühl, dass das derzeit großartig jemanden interessiert, doch nun erinnert ausgerechnet Oliver Stone daran, dass der Präsident ja auch noch existiert. "Ein super Thema, dieser Bush!", sagte der Hollywood-Regisseur dem Hollywood-Fachblatt "Variety": Er plane, dessen Leben zu verfilmen. Die Produktion soll im April beginnen, so denn die Finanzierung des Projekts bis dahin steht, und das Werk schlicht "Bush" heißen. Wenn alles gut geht, könnte es schon zu den Präsidentschaftswahlen im November, spätestens aber dem Amtsantritt des Bush-Nachfolgers im Januar 2009 in die Kinos kommen.

"Die wollten Krieg, auf Teufel komm raus"

Der dreifache Oscar-Gewinner Stone, 61, kennt sich ja aus mit Filmen über US-Präsidenten: Von ihm waren bereits er "JFK - Tatort Dallas" zu sehen und "Nixon - der Untergang eines Präsidenten". Von Oliver Stone war aber bislang kein nettes Wort über George W. Bush zu hören. Kaum ein Interview in den vergangenen Jahren, in dem er sich nicht über den republikanischen Präsidenten ausließ: Der sei Schuld daran, dass "die Welt heute ein anderer Ort sei", weil die Reaktion der US-Regierung auf den 11. September 2001 viel schlimmere Folgen gehabt habe als der 11. September selbst: "Hunderttausende sind tot, wir haben öffentliche Hinrichtungen auf Video, eine Serie von Terroranschlägen, hohe Staatsschulden in Amerika." Der Irak-Krieg sei eine Verschwörung gewesen von "Bush und Cheney und einer Bande im Pentagon, die wollten Krieg, auf Teufel komm raus und ignorierten alle anderen Einschätzungen." Filmt Oliver Stone nun George W. Bush in die Tonne?

Ein faires, ehrliches Porträt

Der Regisseur sagt, er sei nicht darauf aus, eine "Anti-Bush-Polemik" auf die Leinwand zu bringen. Seine politische Einstellung habe in dem Film nichts verloren, es ginge ihm darum, "zu zeigen, wie es ist, wenn man in seiner Haut steckt. Ich bin ein Dramatiker, der sich für Menschen interessiert - ich habe durchaus Empathie für Bush. Ich möchte ein faires, ehrliches Porträt über diesen Mann drehen. Wie wurde aus einem trinkenden Faulpelz der mächtigste Mann der Welt? Ich werde die Dämonen in seinem Leben beschreiben, seine Kämpfe mit seinem Vater und wie ein gläubiger Christ aus ihm wurde."

"Josh sieht besser aus als Bush"

Das Drehbuch zu dem Film, versicherten eilig noch die Produzenten, sei längst fertig gewesen, bevor der Streik der Drehbuchautoren begonnen habe. Geschrieben hat es Stanley Weiser, Co-Autor von Stone bei dessen Erfolgsfilm "Wall Street", es trug den Arbeitstitel "POTUS": "President of the United States". Gedreht werden soll in Louisiana, wo das Weiße Haus allerdings noch nachgebaut werden muss, jedenfalls in Teilen, und in die Kulisse einziehen wird dann als Präsident: Der Schauspieler Josh Brolin, der derzeit noch für den Regisseur Gus van Sant vor der Kamera steht. "Josh sieht besser aus als Bush", sagt Oliver Stone über seine Wahl, "aber er hat den gleichen Antrieb und das gleiche Charisma, dass die Amerikaner Bush zuschreiben, der ja auftritt wie einer dieser alten Filmstars." Aus dem Weißen Haus in Washington gab es bislang keinen Kommentar zu Oliver Stones' Film, derartig nette Worte aus dem Mund des Regisseurs über den Präsidenten wird man dort aber vermutlich zur Kenntnis genommen haben. Wohlwollend.

uvb