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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Acadamy Awards 2006: Oscar-Nominierung für "Sophie Scholl"

Oscar-Fieber in Deutschland: Zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren ist eine deutsche Produktion für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert worden.

Eine große Ehre für den deutschen Film: Zusammen mit vier anderen Filmen geht das NS-Drama "Sophie Scholl - die letzten Tage" von Regisseur Marc Rothemund mit Hauptdarstellerin Julia Jentsch in das Rennen um die begehrte Trophäe. Rothemund sprach von einer "großartigen Ehre und Belohnung für alle Beteiligten". Auch die französisch-deutsche Ko-Produktion "Joyeux Noël" mit deutschen Schauspielern, die hier zu Lande als "Merry Christmas" lief, ist nominiert. Außerdem hofft die Absolventin der Hamburger Filmhochschule, Ulrike Grote, für ihren Kurzfilm "Ausreisser" (The Runaway) auf einen 'klassischen' Oscar. Sie hatte bereits im vergangenen Jahr dafür den Studenten-Oscar gewonnen. Branchenkenner werten die jüngsten Nominierungen als deutliches Zeichen für einen zunehmenden internationalen Erfolg deutscher Filme. Die Oscars werden am 5. März in Los Angeles verliehen.

Der Film schildert die letzten sechs Tage im Leben der 21-jährigen Sophie Scholl, die für ihre Beteiligung an der Widerstands-Gruppe "Weiße Rose" gemeinsam mit ihrem Bruder zum Tode verurteilt worden war. Die langen Dialoge sind überwiegend wörtlich aus den Prozessakten übernommen. Der Film läuft in den USA am 24. Februar an. Auch im vergangenen Jahr hatten die Oscar-Juroren einen deutschen Beitrag nominiert, den Hitler-Film "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel. Er war dann bei der Preisverleihung aber leer ausgegangen.

Rothemund erklärte am Dienstag gemeinsam mit den Produzenten Christoph Müller und Sven Burgemeister und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer, der Film habe "in seiner weltweiten Akzeptanz unsere Hoffnungen weit übertroffen". "Wir freuen uns sehr, vor allem auch für die noch lebenden Mitglieder der 'Weißen Rose' und über das verdiente Andenken an den Münchener Widerstand."

Jentsch erfuhr es bei Theaterprobe

Julia Jentsch freute sich wahnsinnig über die Oscar-Nominierung. Von der Nominierung hatte sie am Rande von Proben am Hamburger St. Pauli Theater erfahren, erzählte die 27-Jährige. Sie würde auch gerne im März zur Verleihung nach Los Angeles reisen, verriet sie. Die Rolle der Sophie Scholl war der große Durchbruch in der Filmkarriere der viel gelobten Theaterschauspielerin. Als sie damals das Drehbuch gelesen habe, habe dies "Traurigkeit und Wut" gegen die damalige Zeit und die Diktatur ausgelöst, erinnert sich Julia Jentsch. Die Rolle sei etwas Besonderes gewesen. Am Dienstagabend wollte sie erst einmal in Ruhe telefonieren - und auch ihre in Berlin lebenden Eltern anrufen. In Hamburg ist Julia Jentsch vom 11. Februar an in Peter Zadeks Inszenierung von der "Der bittere Honig" am St. Pauli Theater zu sehen.

Die Produktion der Münchner Firmen Goldkind Film und Broth Film wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet: Jentsch und Rothemund bekamen bei der Berlinale 2005 jeweils einen Silbernen Bären als Beste Darstellerin und für die Beste Regie. Danach folgten der bayerische Filmpreis "Bester Film", drei Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis sowie drei weitere Preise beim Europäischen Filmpreis, unter anderem der Publikumspreis für den Besten Regisseur und die Beste Hauptdarstellerin. Weltweit wurde der Film zudem nach Angaben der Agentur boxfish films auf zahlreichen Filmfestivals aufgeführt und vielfach ausgezeichnet. Rothemund wurde beim diesjährigen Sundance Film Festival als einer von 10 "Directors to Watch" geehrt. Seit seinem Deutschlandstart am 24. Februar sahen demnach mehr als 1,2 Millionen Besucher "Sophie Scholl".

Deutsche Beteiligung an weiteren nominierten Produktionen

Innerhalb von drei Jahren wurde damit bereits zum dritten Mal eine deutsche Produktion für den Auslands-Oscar nominiert: 2003 gewann der Film "Nirgendwo in Afrika", 2005 war das Hitler-Drama "Der Untergang" nominiert. 1980 hatte die Verfilmung des Günter-Grass-Romans "Die Blechtrommel" als erster deutscher Film einen Oscar bekommen. Um den Oscar in der Kategorie Bester ausländischer Film konkurrieren "Sophie Scholl" und "Joyeux Noël" (Frankreich) mit den Filmen "La Bestia Nel Cuore" (Italien), "Paradise Now" (Palästina) und "Tsotsi" (Südafrika).

"Joyeux Noël" ist eine Zusammenarbeit der französischen Nord-Ouest Productions und der deutschen Senator Film Produktion in Zusammenarbeit mit Sat1. In dem Film, der die auf Tatsachen basierende Geschichte der Verbrüderung verfeindeter Soldaten am Weihnachtsabend 1914 mitten in den Wirren des Ersten Weltkriegs erzählt, spielen die deutschen Schauspieler Benno Führmann, Diane Krüger und Daniel Brühl mit. An der Produktion des palästinensischen Films "Paradise Now" war die Berliner Razor Film Produktion beteiligt.

Top-Favorit ist "Brokeback Mountain"

Top-Favorit in der Oscar- Nacht zum 6. März ist der unkonventionelle US-Streifen "Brokeback Mountain" über zwei schwule Cowboys. Der Film, der bereits vor zwei Wochen vier Golden Globes gewann, ist in acht Kategorien in der engeren Auswahl, darunter als bester Film, für die beste Regie (Ang Lee) und den besten Hauptdarsteller (Heath Ledger).

Hollywoodstar George Clooney hat ebenfalls Chancen, die wichtige Auszeichnung im März verliehen zu bekommen. Er wurde am Dienstag als bester Nebendarsteller für seine Rolle als CIA-Agent in dem Thriller "Syriana" sowie als bester Regisseur und Drehbuchschreiber für "Good Night, and Good Luck" nominiert. Als Favorit in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" gilt in diesem Jahr Philip Seymour Hoffman, der für seine Darstellung des Schriftstellers Truman Capote nominiert ist. Als Favoritinnen in der Sparte "Beste Hauptdarstellerin" werden die bereits mit einem Golden Globe prämierte Reese Witherspoon und Felicity Huffman gehandelt. Witherspoon spielt in "Walk the Line" die Sängerin June Carter, Ehefrau von Johnny Cash; Huffman glänzte in "Transamerica" als Transsexuelle.

AP/DPA / AP / DPA