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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Oscar-Verleihung: Das Duell der Altmeister

Bei der 77. Oscar-Verleihung läuft alles auf einen Zweikampf zwischen Martin Scorsese und Clint Eastwood hinaus. Doch auch ein Außenseiter wie "Sideways" ist nicht chancenlos.

Wenn in der Nacht zum Montag zum 77. Mal in Los Angeles die Oscars vergeben werden, steht ein Duell großer Namen an: Martin Scorsese gegen Clint Eastwood. Diese beiden Hollywood-Altmeister haben die besten Aussichten, den begehrtesten Oscar für den besten Film des Jahrgangs 2004 zu gewinnen. Scorsese hat mit dem biografischen Drama "Aviator" mit deutlich mehr Nominierungen auch größere Chancen, obwohl Clint Eastwood mit "Million Dollar Baby" den besseren und auch emotionaleren Film gemacht hat.

Die Hoffnungen des deutschen Films ruhen in der Kategorie "Fremdsprachiger Film" auf dem einheimischen Publikumshit "Der Untergang" um die letzten Tage des Nazi-Regimes in Berlin sowie auf dem sensationell erfolgreichen Dokumentarfilm "Die Geschichte vom weinenden Kamel". Zwar dürfte ein Oscar für den "Untergang" trotz der Glanzleistung von Bruno Ganz in der Rolle Adolf Hitlers eher unwahrscheinlich sein, zumal die Konkurrenz aus Spanien und Frankreich stark ist. Doch die wundersame Geschichte einer von mongolischen Hirten durch Musik zum Weinen gebrachten Kamelmutter hat beste Chancen, die Nachfolge von Michael Moore anzutreten.

Bei Nominierungen liegt Scorsese vorn

Größere Schlagzeilen wird allerdings machen, ob es Scorsese dieses Mal endlich gelingt, den schon längst überfälligen Oscar zu gewinnen. Mit elf Nominierungen hat sein episches Werk um das Leben des Fliegers und Frauenhelden Howard Hughes jedenfalls im Vorfeld der Entscheidung der 5.808 stimmberechtigten Filmakademie-Mitglieder klar die Nase vorn. Eastwoods Tragödie um eine Boxerin kann nur sechs Nominierungen aufweisen. Doch der Altmeister hat gleich drei Chancen auf eine weiteren Oscar in seiner langen Karriere: Neben der Nominierung von "Million Dollar Baby" zum besten Film ist Eastwood sowohl als Regisseur wie als Hauptdarsteller aussichtsreich im Rennen.

Davon profitiert auch die frühere Oscar-Gewinnerin Hilary Swank, die in "Million Dollar Baby" großartig eine Boxerin spielt. Sie ist damit Favoritin, allerdings hat Annette Bening, die in "Alle lieben Julia" glänzte, ebenfalls beste Chancen. Das trifft ebenso auf Leonardo DiCaprio zu, der all seinen Ehrgeiz in die Rolle des Howard Hughes in "Aviator" gesetzt hat und ohne den dieser Film nicht realisierbar gewesen wäre. Doch in Jamie Foxx hat DiCaprio einen harten Konkurrenten. Foxx zeigte als Ray Charles in der gefeierten Musikerbiografie "Ray" eine preiswürdige Leistung.

Mel Gibsons Kassenhit könnte leer ausgehen

Foxx hat auch Chancen auf den Nebenrollen-Oscar für seine Darstellung eines Taxifahrers, der einen Serienkiller kutschieren muss, in dem Thriller "Collateral". Doch könnte sich in dieser Kategorie Thomas Haden Church ebenso durchsetzen wie bei den Nebendarstellerinnen Virginia Madsen. Beide haben in dem Sensationserfolg "Sideways" mitgewirkt. Die Weintrinker-Komödie ist in den USA Kult geworden, die Kritiker schwärmen von dem Film und kommerziell erfolgreich ist er längst auch.

Wenn Madsen die begehrte Goldstatuette nicht gewinnt, dann dürfte der Oscar für die beste weibliche Nebenrolle an Cate Blanchett gehen: Die Australierin überragte in "Aviator" mit der Verkörperung der großen Katharine Hepburn. Zu den Auffälligkeiten der diesjährigen Preisverleihung gehört, dass Mel Gibsons umstrittener Kinohit "Die Passion Christi" nur geringe Chancen auf einen Oscar in den weniger attraktiven technischen Kategorien wie Kamera und Maske hat.

Noch böser hat es allerdings Michael Moore erwischt: Der schwergewichtige Provokateur ging mit "Fahrenheit 9/11" schon bei den Nominierungen völlig leer aus und wird bei der Oscar-Zeremonie fehlen. Die Wiederwahl von Präsident George Bush ist auch in Hollywood nicht folgenlos geblieben.

Wolfgang Hübner/AP / AP