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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Oscar-Verleihung: Deutsche Filme kommen gut an

Am Sonntag geht "Sophie Scholl - Die letzten Tage" ins Oscar-Rennen. Zwar werden dem deutschen Beitrag nur Außenseiterchancen eingeräumt - doch das Image des deutschen Films hat sich insgesamt deutlich verbessert.

Mit "Sophie Scholl - Die letzten Tage" darf sich in diesem Jahr erneut ein deutscher Film Hoffnung auf den Oscar machen. Zu den Favoriten für die Auszeichnung als bester ausländischer Film zählen allerdings andere: der palästinensische Beitrag "Paradise Now" und "Tsotsie" aus Südafrika. Die Hollywood-Branchenblätter und auch die "New York Times" sehen Marc Rothemunds Film eher als Außenseiter.

Doch es ist kein Zufall, dass sich von deutscher Seite nach dem Oscar für Caroline Links Emigrantenschicksal "Nirgendwo in Afrika" (2003) und der Nominierung von "Der Untergang" (2005) wieder ein Film aus dem Themenfeld der Vergangenheitsbewältigung dem Urteil der 5800 Academy-Mitglieder stellt. "Das war zunächst sicherlich eine künstlerische Entscheidung", kommentiert Günter Rohrbach, Präsident der Deutschen Filmakademie, die Entscheidung des Auswahlgremiums. "'Sophie Scholl' war die herausragende Produktion." Doch beim Oscar gebe es "schon eine gewisse Tendenz auf Seiten der Amerikaner", die die deutsche Auswahl natürlich beeinflusse.

Politische Filme als Konkurrenten

< "Das Thema ist für die Academy noch nicht durch", meint auch Fred Breinersdorfer, der Drehbuchautor und Produzent von "Sophie Scholl". "Die deutsche Auswahlkommission war schon gut beraten, einen Film vorzuschlagen, der in die internationale Konkurrenzsituation passt." Denn auch die vier Gegenspieler von "Sophie Scholl" auf der Oscar-Bühne am kommenden Sonntag bergen politischen, historischen oder sozialen Sprengstoff.

Die Hauptfiguren in "Paradise Now" von dem palästinensischen Regisseur Hany Abu-Assad sind zwei Selbstmordattentäter. "Tsotsie" aus Südafrika erzählt die Geschichte eines jungen Kriminellen. "Merry Christmas" aus Frankreich schildert eine Episode zwischen den Fronten im Ersten Weltkrieg. Und in dem italienischen Beitrag "Don't Tell" unternimmt eine Frau eine schmerzhafte Reise in ihre familiäre Vergangenheit. Sowohl "Paradise Now" als auch "Merry Christmas" sind übrigens von deutschen Produzenten mit realisiert worden.

Dritter deutscher Film in vier Jahren

Dass es überhaupt in den letzten vier Jahren gleich drei deutsche Filme in den erlesenen Kreis der Nominierten für den Auslands-Oscar geschafft haben, ist für den Münchner Produzenten Rohrbach ein deutliches Zeichen für eine "Image-Veränderung". "Viele Jahre lang war das Interesse an deutschen Filmen gleich Null", sagt er. "Das hat sich drastisch verändert."

Die Gründe für den Wandel zum Guten sind vielfältig. Natürlich gibt es zurzeit viele interessante und ambitionierte deutsche Filme jenseits des Komödien-Booms der 90er Jahre. Viele dieser Werke finden eine weltweit beachtete Plattform bei den Filmfestspielen in Berlin, die sich unter der Führung von Dieter Kosslick zu einer internationalen Heimat für hiesige Produktionen gewandelt haben. Andererseits, betont Rohrbach, sei auch eine starke junge Generation von Filmemachern herangewachsen, die sich mit Mut und Klugheit auf die Stärken des deutschen Films besinnen. "Sehr gute Filmschulen führen zu wachsender Professionalisierung", freut sich Rohrbach. "Wir hoffen da auf Kontinuität."

Bester Beleg für die Gründlichkeit und Qualität im Ausbildungsbereich ist auch in diesem Jahr wieder ein Oscar-nominierter Kurzfilm aus Deutschland. Ulrike Grote von der Hamburg Media School hat für ihr bestechend kompaktes Mystery-Drama "Ausreißer" schon einen Studenten-Oscar in der Tasche. Ob sie es auch in der Profi-Liga schafft, wird sich in der Nacht zum Montag zeigen.

Karin Zintz/DPA