VG-Wort Pixel

60. Deutscher Filmpreis in Berlin Der Abend des Bernd

Michael Haneke hat zehn Lolas abgeholt, Sibel Kekilli die Herzen erobert und Barbara Schöneberger ist den Mond geritten. Aber der König der Verleihung des 60. Deutschen Filmpreises war Bernd Eichinger.
Von Sophie Albers

Er hat geschwitzt, gezittert und war so richtig überwältigt. Zum 60. Jubiläum des Deutschen Filmpreises wurde der ewig übergangene und leidenschaftlich bekrittelte Überproduzent Bernd Eichinger mit dem Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film geehrt. Allerdings war er nicht so überrascht wie Sibel Kekilli, die vor Freude zwei Mal hinfiel, als sie sich den Preis für ihre Leistung in "Die Fremde" abholte. Und er fing auch nicht an zu singen wie Burghart Klaußner, der für die Hauptrolle in "Das weiße Band" ausgezeichnet wurde.

Nein, Bernd Eichinger weiß, was ihm zusteht. Als die Laudatio der Ex-Akademiepräsidenten Senta Berger und Günter Rohrbach für den Mann, der "stets voll auf Erfolg setzt", für den "Film Krieg ist", der sich "das Publikum zum Verbündeten gemacht hat", und dem "die Filmakademie ihre Existenz verdankt", dessen Filme sie aber nie "auf den Schild gehoben" hat, vorbei ist, ist auch der bebende Bernd vorbei: "Ich bin nicht speziell auf Preise aus, aber wenn ich sie kriege, nehme ich sie gern", sagt Eichinger und genießt die Standing Ovations mit weit geöffneten Armen. Dann stellt er klar, wie er seinen Preis verstanden wissen will: Das sei kein Trost- oder Versöhnungspreis, sondern ein Ehrenpreis, "und so nehme ich ihn auch". Plötzlich hat Eichinger den Galaabend genauso in der Hand wie seine berüchtigten Produktionen.

Eigentlich könnte die Akademie jetzt dicht machen, denn diese Rückkehr des eigensinnigen Sohnes, der eigentlich nie weg wollte, hat etwas sehr Endgültiges. Doch dann, nachdem Eichinger noch mal Klatschen angeordnet hat, passiert etwas sehr Schönes: Ein sehr entspannter, gelöster und gut gelaunter Abend geht weiter.

Richtig gute Show

Die Gala des 60. Deutschen Filmpreises hätte leicht schiefgehen können. Doch weder sorgte die Anwesenheit der Kanzlerin Angela Merkel für zu viel Formalität, noch drückten die schweren Themen der nominierten Filme auf die Stimmung. Zuweilen erinnerte die Show ein bisschen an die Oscars, als Kollegen auf die Bühne kamen und Nominierte sehr persönlich vorstellten. Oder als die sechs Kandidaten für den besten Film über den Abend verteilt präsentiert wurden. Die künstlerischen Leiter der Gala, Regisseur Florian Gallenberger und Produzent Benjamin Herrmann, haben geschafft, was in Deutschland lange unmöglich schien: Sie haben eine würdevolle, stilsichere, spannende und lustige Show auf die Beine gestellt. Deshalb sollte die Akademie auch ruhig nach Bernd Eichingers Heimkehr weitermachen.

Das Rezept für eine richtig gute Show lautet offensichtlich folgendermaßen: Eine schwangere Barbara Schöneberger führt trotz beachtlicher Ausmaße leichtfüßig glitzernd durch den Abend und lässt auch mal andere reden, ohne dabei ihren Quasselcharme zu verlieren. Die Gewinner sind souverän fröhlich (Bernd Eichinger, Michael Haneke), aber auch völlig aus dem Häuschen (Sibel Kekilli, Maria Victoria Dragus). Jeder Laudator - vom strahlend gut gelaunten Oscar-Gewinner Christoph Waltz bis zu Jan Josef Liefers, der für die Kategorie beste Maske die Macht des Make-Ups vortrefflich veranschaulichte, hatte wirklich etwas zu sagen. Selbst der filmische Abschied von Filmschaffenden, die im vergangenen Jahr gestorben sind, war packend, doch ebenso perfekt eingepasster Teil der Show. Auch wenn augenscheinlich nach Hollywood geschielt wurde, der Verleihung hat es unendlich gut getan.

Ohne Til Schweiger geht's nicht

Bis auf Schönebergers Seitenhieb auf Til Schweiger ("Schwanger im Fernsehen ist so selten wie Til Schweiger mit einer Lola in der Hand") - der ist dann vielleicht nächstes Jahr mit der Eingemeindung dran - war es ein Abend der Harmonie. Die Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch ist möglich.

Um ganz sicher zu gehen, hat sich stern.de auch noch mal persönlich bei Bernd Eichinger versichert: "Haben Sie eine Sekunde daran gedacht, den Preis abzulehnen?" Verdatterter Blick und die tiefernstgemeinte Gegenfrage: "Nein, wieso sollte ich?" Alles im Lot im Filmland Deutschland. Zumindest für diesen Abend.

Mehr zum Thema

Newsticker