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Sat.1: Aus für die "Harald-Schmidt-Show"

Die mehrfach preisgekrönte "Harald-Schmidt-Show" wird im Januar bei Sat.1 eingestellt. Moderator und Produzent Harald Schmidt legt nach acht Jahren eine Kreativpause ein.

Mindestens eine Million deutscher Fernsehzuschauer müssen ihr Leben im kommenden Jahr umstellen. Harald Schmidt, seit acht Jahren mit seiner beliebten Late-Night-Show nach 23 Uhr bei Sat.1 auf Sendung, wird künftig nicht mehr seine Possen am späten Abend reißen. Völlig überraschend gaben der Entertainer und die ProSiebenSat.1 Media AG am bekannt, Schmidt werde eine "Kreativpause" einlegen. Noch im vergangenen Jahr hatte er verkündet, er werde "lebenslänglich" für Sat.1 im Einsatz sein.

"Nach acht Jahren, in denen ich ununterbrochen mit der 'Harald Schmidt Show' auf Sendung war, ist es für mich Zeit für eine Bildschirmpause", sagte der 46-Jährige nach Angaben der ProSiebenSat.1 Media AG. "Ich habe Sat.1 viel zu verdanken und bleibe dem Sender auch weiterhin sehr verbunden."

Das Image von Sat.1 geprägt

Harald Schmidt hat mit seinem Stil und seinem scharfzüngigen Humor nicht nur das Image von Sat.1 geprägt. Er hat vielerorts an den Arbeitsplätzen, in den Familien und in Freundeskreisen für Unterhaltungs- und Diskussionsstoff gesorgt. Unvergessen ist die erste Show, mit der er sich zwei Wochen nach den Anschlägen in den USA am 25. September 2001 wieder auf den Bildschirm wagte und die Gratwanderung zwischen Entertainment und ernster Politik schaffte - sein Händchen für die Gefühlslage der Zuschauer zeigte er nicht nur in dieser Ausgabe. Er wurde dafür unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Keine Gründe für den Rückzug

Was Schmidt zu seinem Rückzug bewog, ist nicht wirklich klar. Er selbst ließ über den ProSiebenSat.1-Konzern mitteilen, es sei Zeit für eine Bildschirmpause. Er habe dem Sender viel zu verdanken und bleibe ihm auch weiter verbunden - erstaunlich nüchtern für einen Mann, der sonst in jeder Situation einen kessen Spruch auf den Lippen hatte. Seine Managerin Sigrid Korbmacher ergänzte, es werde weder von Schmidt noch von seiner Produktionsfirma Bonito TV einen ergänzenden Kommentar geben.

ARD in Lauerstellung

Schmidt, so hoffen viele, wird weitermachen. Aber wie und wo? Knapp 100 Mitarbeiter sind bei Bonito TV beschäftigt. Sie kümmern sich fast ausschließlich um seine Show und die Produktion der Werbespots. Sie müssen um ihre Jobs bangen. Denn auch Schmidt wird als Werbefigur nicht mehr viel wert sein, wenn er längere Zeit nicht auf Sendung gewesen ist. Vielleicht wechselt er zur ARD: "Ich fände es ausgezeichnet, wenn Harald Schmidt eines Tages zu uns käme", hatte der ARD-Vorsitzende Jobst Plog zu Jahresbeginn gesagt.

Die Schmidt-Show als Marke

Aber was ist in den vergangen Tagen passiert? Am vergangenen Donnerstag hatte SAT.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann, einer der engsten Verbündeten Schmidts im Konzern, abdanken müssen. Hoffmann hatte sich für die Show als "Marke" stark gemacht und sie immer wieder verteidigt gegen die Konzerninteressen, die auf Kostendämpfung ausgerichtet sind. Seit Sommer hat die ProSiebenSat.1 Media AG mit dem Medienmanager Haim Saban einen neuen Hauptgesellschafter, der jeden Programmplatz auf seine Rentabilität überprüfte. Kollege Stefan Raab, der "TV Total" bei ProSieben moderiert, muss dem Vernehmen nach zehn Prozent sparen.

Schmidt, so wollen Eingeweihte wissen, taugte zur Imagebildung, verschlang aber mit seiner Sendung eine Menge Geld, allein 40.000 Euro Moderations-Honorar pro Ausgabe. Am Wochenende gab es nun ein Gespräch zwischen Rohner und Schmidt, aber nicht mit Schawinski. Danach wurde die Trennung bekannt. "Schmidt ist jetzt wie ein Michael Schumacher im Formel-1-Motorsport, der einen neuen Rennstall sucht", sagt der Kölner Medienexperte Lutz Hachmeister. "Er ist eine der besten Marken im deutschen TV." Doch nicht wenige meinen wie Hachmeister, das ständig wiederkehrende Ritual habe sich erschöpft. "Und wie in jeder erotischen Beziehung und im Leben überhaupt ist die Auflösung Ziel der Sache selbst." Der SAT.1-Werbespruch "Powered by Emotion" könnte somit eine noch tiefere Bedeutung erlangen als bislang vermutet.

Carsten Rave, dpa / DPA