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"High Society"-Darstellerin: Emilia Schüle - Fräulein Wunder

Sie ist wohl das, was man ein It-Girl nennt: Schauspielerin Emilia Schüle hat gleich vier Filme am Start. Gut so.

Schauspielerin Emilia Schüle hat gleich vier neue Filme am Start

Gerade einmal 24, aber schon mehr als ein Jahrzehnt im Job: Emilia Schüle

Emilia Schüle könnte jetzt echt nervös werden. Oder zumindest angespannt. Sie liegt auf einer Matratze und ist, abgesehen von einem sehr knapp geschnittenen Reizwäsche-Ensemble aus schwarzem Leder, so gut wie nackt. Sie wurde mit Handschellen ans Bettgestell gefesselt, man hat ihr Katzenohren auf den Kopf geschnallt, und später soll sie auch noch mit Sexspielzeug wedeln und nach einem Polizisten werfen.

Alles zusammen also nicht gerade eine Situation, bei der man gern von Fremden beobachtet werden möchte. Auch wenn es nur Dreharbeiten sind, Kameratests für ihren neuen Film "High Society", eine Beziehungskomödie, die auch "Fifty Shades of Grey" veralbert, daher ihr Outfit.

"Du bist ja nur ein Hiwi-Polizist mit so 'nem Micky-Maus-Gehalt."

Schüle stolpert zwar ein paarmal über ihre Dialoge, über schnell hingerotzte Sätze wie: "Du bist ja nur ein Hiwi-Polizist mit so 'nem Micky-Maus-Gehalt." Doch sie bleibt jederzeit entspannt, professionell. Nach der Probe wirft sie sich einen weißen Bademantel über, schlappt rüber zum Gespräch mit dem Reporter – Hallo, wie geht's, schön, Sie kennenzulernen – und widmet sich dann wieder Analkette, Flogger und Knebel, als wär's das Normalste der Welt.

Was diese junge Frau, im November wird sie 25, sonst noch so treibt, gehört gerade zum Aufregendsten, was Kino-Deutschland zu bieten hat. Falls es etwas geben sollte wie "It-Girls", also diese magnetisch anziehenden, überstrahlenden Wesen, auf die sich viele einigen können: Emilia Schüle wäre eine perfekte Kandidatin.

Gleich vier Filme mit ihr laufen innerhalb der nächsten Wochen in unseren Kinos. Durch das düstere Zukunftsszenario "Jugend ohne Gott" (bereits gestartet) wirbelt sie als im Wald lebende Aussteigerin. In der Roman-Adaption "Es war einmal Indianerland" (Start im Oktober) verdreht sie einem Boxer den Kopf. Für die Tragikomödie "Simpel" (Start im November) bemuttert sie als forsche Medizinstudentin einen Jungen und seinen behinderten Bruder.

Und dann ist da eben noch "High Society" von Anika Decker, in der ihre Filmfigur den Lebensmittelpunkt verlagern muss, von der Wannsee-Villa in einen Plattenbau in Marzahn. Weil sie als Baby verwechselt wurde. "Ich, vertauscht?", wundert sich Schüle als Anabel von Schlacht: "Aber das kann nicht sein, ich kauf doch so gern ein." Aktuell dreht Schüle zudem an gleich zwei TV-Reihen: der Fortsetzung der Wirtschaftswunder-Saga "Ku'damm 56" und der zweiten Staffel der Agentenserie "Berlin Station".

Volles Programm, volles Talent. Bei ihren zahlreichen Auftritten wirkt Schüle derart erfahren und präzise, wie man es sonst nur von US-amerikanischen Jungstars wie Elle Fanning oder Emma Stone kennt. Sie zieht alle Register: das Girlie mit den Kulleraugen und der Piepsstimme, die verwöhnte Tussi, der Vamp mit Kussmund, der im Bikini Bier aus der Flasche trinkt.

Mit 18 hatte sie bereits einen eigenen Presseagenten

Was daran liegen mag, dass Schüle schon sehr lange dabei ist. Mit sechs übte sie bereits Modern Dance und Ballett. Später ließ sie sich von ihren Eltern bei einer Kinderagentur anmelden, um ihr Taschengeld aufzubessern. Bei einem Schauspiel-Workshop entdeckte sie, als Zwölfjährige, ihre Berufung; bald folgten Angebote für Werbespots und einen Kurzfilm, dann Rollen fürs Fernsehen und die Hauptrolle in der leichten Teenie-Kost "Freche Mädchen". Mit 18 hatte sie bereits einen eigenen Presseagenten, heute beschäftigt sie dazu eine Stylistin, einen Schauspielagenten, einen Make-up-Künstler und einen Manager, der sich um Markenkooperationen kümmert.

Interviews absolviert sie inzwischen so souverän wie ein alter Hase, weil sie gewisse Themen schon von Weitem kommen sieht und die Balance zwischen höflicher Antwort und dem Schutz ihrer Privatsphäre aus dem Effeff beherrscht. An manchen Fragen kommt man trotzdem nicht vorbei. Wie das so sei, mit ihrem Exfreund Jannis Niewöhner vor der Kamera ein Liebespaar zu spielen? Oder wie sie denn aussehe, ihre russische Seele? Geboren wurde Emilia Schüle nämlich in der ostrussischen Großstadt Blagoweschtschensk, näher an Peking und Tokio gelegen als an Moskau. Ihre Eltern, ein Allgemeinmediziner und eine Internistin, arbeiteten an einer Militärbasis, entschieden sich aber nach dem Zerfall der Sowjetunion, nach Berlin umzusiedeln. Emilia war da gerade einmal ein Jahr alt, ihre Schwester sechs.

Niewöhner und sie würden einfach gut zusammenpassen – vor einer Kamera, sagt sie dann und blinzelt nicht. Und dass sie sich immer als Deutsche gefühlt habe, aber multikulti groß geworden sei, mit ausschweifenden Familienfesten, Wodka und Musik. Kürzlich war sie zum ersten Mal in ihrer alten Heimat: "Ich hab mich den Menschen dort sehr verbunden gefühlt, aber ich bin froh, dass wir damals nicht geblieben sind."

Freizeit, Leichtsein und Kindsein sind draufgegangen

So viel Berufserfahrung hat auch ihren Preis. Während andere Mädchen nach der Schule mit Freunden abhingen oder ihre Sommer im Freibad verprassten, musste sie drehen. "Freizeit, Leichtsein und Kindsein sind draufgegangen fürs Funktionieren", sagt sie, meint das aber nicht so bitter, wie es klingt. Als sie 14 war, hätten die Mädchen in ihrer Klasse mal ein Dreivierteljahr nicht mit ihr geredet. Weil sie neu war, anders. Um sich zu schützen, habe sie sich innerlich abgekapselt – und weitergearbeitet.

"Sie ist cool, hat aber keine Angst davor, peinlich zu sein", schwärmt Regisseurin Decker. "Abgesehen davon ist sie wunderschön, auch wenn mich Persönlichkeit immer mehr interessiert." Bei so viel Lob würde wohl auch eine Emilia Schüle nervös werden.

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