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"Tatort" aus Göttingen Abgeschlaffte 68er gegen agile Patrioten – ein Film über die rechte Bedrohung

"Tatort" aus Göttingen
Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anais Schmitz (Florence Kasumba) bekommen es im "Tatort" aus Göttingen mit rechten Patrioten zu tun.
© NDR/Frizzi Kurkhaus / ARD
Das Postergirl der neurechten Bewegung liegt tot im Wald - und die Kommissarinnen Lindholm und Schmitz bekommen politischen Gegenwind. Ein großartiger "Tatort" über eine große Bedrohung der freien Gesellschaft.
  • 5 von 5 Punkten
  • Ein bis zum Schluss spannender Krimi, der ein wichtiges Thema behandelt, das derzeit etwas in den Hintergrund getreten ist

Worum geht's?

Die Jura-Studentin Marie Jäger (Emilia Schüle) liegt tot im Wald. Sie war ein Star der neurechten "Jungen Bewegung" und verbreitete ihre Weltsicht in dem enorm populären Videoblog "National feminin". Die Frau war zudem studentische Hilfskraft der rechtskonservativen Juristin Sophie Behrens (Jenny Schily), der sie offenbar auch privat nahe stand. Während die Kommissarinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) versuchen, den Fall zu lösen, beginnt in den sozialen Medien eine Stimmungsmache gegen die Polizei. 

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Die Zeiten, in denen Rechtsextreme dumpfe Zeitgenossen mit kahlrasiertem Schädel waren, sind lange vorbei. Mittlerweile geht diese Bewegung viel smarter vor - und schafft es auf diese Weise immer wieder, den Mainstream zu unterwandern. So wie dies Marie Jäger mit ihrem Blog "National feminin" tut. Sie ist das ideale Postergirl der Bewegung: Sie ist jung, attraktiv - und was sie sagt, klingt gar nicht so schlecht. "Wir wollen den jungen Leuten eine Alternative bieten zur Konsumwelt, aber auch zum alten Feminismus."

Auch ihre Positionen - sie schätzt die Unterschiede zwischen Mann und Frau, liebt ihre Heimat und möchte, dass ihre Kinder und Enkel in einem sicheren Europa aufwachsen - klingen zunächst alles andere als problematisch. Doch wenn dann die wirren Thesen vom "Bevölkerungsaustausch" und der aggressive Rassismus gegen Dunkelhäutige zum Vorschein kommt, wird klar, dass sich die Verpackung geändert haben mag, der Inhalt aber noch der Gleiche geblieben ist.

Gleichzeitig deutet dieser Film (Regie: Franziska Buch, Drehbuch Florian Oeller nach einer Vorlage von Daniela Baumgärtl) an, dass diese neue Rechte eine ernsthafte Bedrohung der freien Gesellschaft ist, derer man nicht mit selbstgefälligen Alt-68er-Parolen Herr wird. Und die - der Schluss deutet es an - vielleicht schon zu mächtig geworden ist, um sie zu stoppen. 

Was stört?

Der Fall ist so stark, dass die im "Tatort" obligatorischen Geschichtchen aus dem Privatleben der Ermittler deutlich abfallen und ein wenig Spannung rausnehmen. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Die Kommissare?

Der schwierige Fall setzt den beiden Ermittlerinnen sichtlich zu. Doch während Anaïs Schmitz auch angesichts rassistischer Beleidigungen bemerkenswert cool bleibt, ist die Lunte bei Charlotte Lindholm deutlich kürzer. Der Grund dafür dürfte in ihrem Privatleben liegen: Sie ist heimlich in den Rechtsmediziner Nick Schmitz (Daniel Donskoy) verliebt, den Mann ihrer Kollegin.

Ein- oder Ausschalten?

Auch wenn es alles andere als leichte Kost ist: Schalten Sie unbedingt ein. Dieser "Tatort" hallt noch lange nach.

Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz ermittelten auch in diesen Fällen:


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