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Schiller: Die wilden Jahre

Liebe, Hass und Einsamkeit - der Film "Schiller" zeigt kein historisierendes Sittengemälde. Mit Nachwuchsstar Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle wird der Mensch hinter dem Genie sichtbar.

Er wollte für die Ewigkeit schreiben. Das hat er geschafft - Friedrich Schiller wird als nationales Denkmal verehrt. Anlässlich des Gedenkjahres zu seinem 200. Todestag würdigt auch das Fernsehen den großen deutschen Dichter. Der Film "Schiller", der in der ARD und bei Arte gesendet wird, zeigt drei Jahre aus der wilden Zeit des jungen Dramatikers am Mannheimer Nationaltheater. Dort versucht er, entgegen vieler Widerstände als Haus-Autor Fuß zu fassen.

Der deutsche Nachwuchsstar Matthias Schweighöfer spielt den von unbändigem Ehrgeiz und enormer Willenskraft Getriebenen. "Ich möchte zeigen, dass Schiller ein Mensch war, obwohl sein genialer Geist noch heute unvergleichbar ist", sagt der 24-jährige Schauspieler. Zu Beginn der Dreharbeiten sei es für ihn eine Hürde gewesen, den Dramatiker zu spielen: "Wenn man überall in Deutschland seine Statuen sieht - da ist mir schon bange geworden."

"Wilde junge Leute"

Schiller von seinem Sockel holen, das ist auch die Intention von Produzentin Uschi Rüsch: "Schiller soll menschlich gezeigt werden." Deshalb habe man sich auch entschieden, nur wenige Jahre seines Lebens zu beleuchten. "Wir wollten kein historisierendes breites Sittengemälde machen." So verzichtet "Schiller" weitgehend auf eine pompöse historische Ausstattung. Die Grundidee war laut Rüsch: "Drei wilde junge Leute am Theater". Neben Schiller stehen der Schauspieler und Theaterautor August Wilhelm Iffland (Robert Dölle) als Gegenspieler Schillers und die Schauspielerin Katharina Baumann (Teresa Weißbach) im Mittelpunkt.

Weil er in Freiheit schreiben will und niemandem untertan sein möchte, begeht der junge Schiller Fahnenflucht aus der engstirnigen Welt seiner Eliteschule. Er versteckt sich in Mannheim, wo er in bitterer Armut lebt. Getrieben von einer inneren Unruhe bewegt er sich ständig zwischen Wahn und Wirklichkeit. "Mich hat interessiert, wie Schiller es geschafft hat, seinen Geist zu besiegen und seine Seele zu beherrschen", schwärmt der Grimme-Preisträger Schweighöfer. "Krankheit, Geld, Liebe, Hass und Einsamkeit waren bei ihm genauso gegenwärtig wie bei mir", meint der Schauspieler über Schiller weiter, "und er hat es geschafft, aus diesen normalen emotionalen Lebenszuständen heraus so groß zu werden."

Schreiben im Fieberwahn

Schweighöfer schafft es, den langsamen körperlichen Verfall Schillers zu zeigen. Getrieben von seiner Besessenheit zu schreiben, leidet Schillers Gesundheit zunehmend. Im Fieberwahn, schweißgebadet und leichenblass, sitzt der Schriftsteller tagelang in seiner dunklen Dachkammer. Der Geist will immer weiter, doch der Körper kann nicht mehr.

Dieses Gefühl kennt auch der Schiller-Darsteller: "Bei der Arbeit bin ich manisch." Er sei gerne ein Workaholic. "Ich mag es, mich körperlich völlig zu verausgaben, um mir erst danach eine Pause zu gönnen", beschreibt Schweighöfer seine Arbeitsweise. So habe er während der Dreharbeiten fast nur Bier und Schokolade zu sich genommen. Ein weiteres Highlight des Films ist Jürgen Tarrach als Freiherr von Dalberg. Mit lässigem pfälzischem Dialekt gibt er dem von Schillers Besessenheit beherrschten Film etwas Leichtigkeit.

Maike Schäfer/AP / AP