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Spanischer Kinofilm "Me too" läuft an: Liebe, der große Gleichmacher

Der 34-jährige Spanier Pablo Pineda ist der erste Europäer, der es trotz seiner Behinderung zum Hochschulabschluss gebracht hat. Im spanischen Film "Me too" beweist er nun sein schauspielerisches Talent - und porträtiert einen liebeskranken jungen Mann mit Down-Syndrom.

Pablo Pineda ist ein 34-jähriger Spanier, der als erster Europäer trotz seiner Behinderung mit dem Down-Syndrom einen akademischen Abschluss geschafft hat. Allein das würde Pineda zu einer Ausnahmefigur machen. Doch der kleine Mann mit dem starken Willen ist nun auch noch der Hauptdarsteller in dem spanischen Spielfilm "Me too - Wer will schon normal sein?", der ab dem 5. August in den deutschen Kinos zu sehen ist. Regie führen gemeinsam Alvaro Pastor und Antonio Naharro, die auch das Drehbuch verfassten.

Wer allerdings erwartet, die Handlung werde den schwierigen, ja wundersamen Bildungsweg Pablo Pinedas zum Inhalt haben, liegt falsch. Denn was sich eine Hollywood-Version vom Lebensmut eines Behinderten ganz gewiss nicht hätte entgehen lassen, behandelt "Me too" mit größter Souveränität bereits als Tatsache: Pablo, der im Film Daniel heißt, hat bereits bei seinem ersten Erscheinen auf der Leinwand alle schulischen und universitären Hürden hinter sich, die für einen Menschen mit 47 statt 46 Chromosomen in jeder Zelle bislang so unüberwindbar waren. Daniel hat nun ein ganz anderes Problem: Er will eine Frau lieben und von dieser geliebt werden.

Diese Frau findet Daniel auch gleich an seiner ersten Arbeitsstelle bei einem staatlichen Büro für behinderte Menschen in Sevilla. Laura heißt die attraktive Blondine mit den vielen kurzen Männeraffären. Sie ist vor einigen Jahren aus Madrid in die Metropole Andalusiens gekommen, die familiären Bindungen hat sie hinter sich gelassen. Eigentlich ist schon aus äußerlichen Gründen eine solch begehrenswerte Frau wie Laura unerreichbar für Daniel. Und bei aller Sympathie für den jungen Mann mit dem Down Syndrom ist Laura einstweilen noch weit davon entfernt, mehr als freundschaftliche Gefühle für ihren neuen Kollegen zu entwickeln.

Die hinreißende Lola Duenas

Daniel hingegen ist unsterblich verliebt, er sucht hartnäckig Lauras Nähe. Die aber wird nun doch wieder damit konfrontiert, eine Familie zu haben: Ihr Vater liegt in lebensbedrohlichen Zustand in der Klinik, die Schwägerin drängt auf ihr Kommen. Daniel erzählt derweil seinem Bruder Santi von seiner Liebe, doch der warnt ihn vor einer drohenden Enttäuschung und rät, die Liebe einer Frau zu suchen, die ebenfalls das Down-Syndrom hat. In einer Parallelhandlung zeigt der Film übrigens die Geschichte eines solchen Paares.

Nach einem Betriebsfest zeigt Laura, wo sie die Grenzen ihrer Beziehung zu Daniel zieht. Der reagiert in der Folge sehr verletzt. Doch das ist noch nicht das Ende des ungleichen Paares, das mit Lola Duenas eine hinreißende weibliche Hauptdarstellerin hat, die es mit Emotion und Sensibilität schafft, eine Frau zu zeigen, die sich auf eine besondere Beziehung zu dem von seiner Behinderung gezeichneten Daniel alias Pablo Pineda einlässt. Mit der aus den Filmen von Pedro Almodóvar bekannten Schauspielerin haben die Regisseure die beste Wahl getroffen für eine Figur, von deren Glaubwürdigkeit der Film entscheidend abhängt.

Pablo Pineda als Daniel ist ohnehin völlig authentisch und beweist eindrucksvoll, dass er neben seiner bislang einzigartigen Bildungsleistung auch schauspielerisches Talent hat. Der Film gibt auf unaufdringliche Weise Einblicke in das Leben junger Menschen mit Down Syndrom. Ihre Sehnsüchte sind, das wird sehr klar, nicht anders als Nichtbehinderte. Rührselig ist die spanische Produktion, die schon etliche internationale Preise errungen hat, gottlob nie. Das Ende haben die Drehbuchautoren auf feine Weise zugleich melancholisch und hoffnungsvoll gestaltet. "Me too" ist einen Kinobesuch wert.

Wolfgang Hübner, APN / APN
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