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Steven Spielberg: Der König der Blockbuster

Er brachte mehr Menschen zum Lachen und zum Weinen als jeder andere Filmregisseur: Steven Spielberg ist der erfolgreichste Künstler Hollywoods. Doch auch an seinem 60. Geburtstag ist der zweifache Oscar-Gewinner noch voller Tatendrang.

Steven Spielberg gibt es offen zu. Ja, er könne in Hollywood machen was er wolle. "Jetzt lässt sich immer jemand finden, der für jede dumme Idee von mir einen Scheck ausstellen würde", witzelte der Regisseur unlängst in der "Washington Post". Der zweifache Oscar-Preisträger und Multi-Milliardär, der am 18. Dezember 60 Jahre alt wird, kann sich solche Sprüche leisten. Nach unzähligen Kassenhits ist der kommerziell erfolgreichste Filmstar Hollywoods längst in den Kino-Olymp aufgestiegen. Andererseits steht der siebenfache Vater, der sich gerne leger mit einer Baseballkappe zeigt, mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Nach 25 Kinofilmen - als Regisseur - und doppelt so viel Projekten als Produzent will das angegraute Multitalent seine Fans weiter überraschen. "Ich bin in einer Erkundungsphase angelangt, wo ich es viel spannender finde, Dinge zu probieren, von denen manche denken, dass sie mir nicht gut stehen", sinnierte Spielberg geheimnisvoll in der "Washington Post". Doch zunächst lässt er sich noch auf ein bewährtes Projekt ein, die vierte und seit Jahren geplante "Indiana Jones"-Folge, mit Harrison Ford als nicht mehr ganz so flotter Archäologe.

Zwei Absagen an kalifornischen Filmhochschulen

Spielberg, der mehr Menschen zum Lachen und zum Weinen brachte als jeder andere Filmregisseur, drehte schon als Teenager seinen ersten Kurzfilm. Der im US-Staat Ohio geborene älteste Sohn einer jüdischen Familie ließ sich auch nach zwei Absagen an kalifornischen Filmhochschulen nicht von seinen Hollywood-Zielen abbringen. Als Regieassistent bei TV-Serien fand er den Einstieg und drehte 1974 seinen ersten Kinofilm, "The Sugarland Express", ein Roadmovie mit Goldie Hawn. Ein Jahr später schreckte der 27-Jährige mit dem Horror-Streifen "Der weiße Hai" ganz Hollywood auf, ließ die Kinokassen klingen und läutete damit die Ära der "Blockbuster"-Filme ein.

Mit dem Science-Fiction-Thriller "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" und der Abenteuer-Saga "Indiana Jones" setzte Spielberg seinen Siegeszug fort. Sein Außerirdischer "E.T." (1982) war der bis dahin kommerziell erfolgreichsten Film überhaupt und wurde erst von Spielbergs Dinosaurier-Spektakel "Jurassic Park" und später von der "Titanic" überholt. Er brachte Milliarden in die Kinokassen, wurde aber als "ewiges Kind" Hollywoods nie ganz ernst genommen. Das änderte sich erst mit dem Drama "Die Farbe Lila" über das Schicksal einer schwarzen Frau in den US-Südstaaten, das mit elf Oscar-Nominierungen bedacht wurde.

Gründung der Shoah-Stiftung

Die große Wende kam mit dem Holocaust-Drama "Schindlers Liste". "Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich war, bevor ich nach Polen ging", sagte Spielberg, als er den Golden Globe und dann den Oscar dafür erhielt. "Dieser Film hat mein Leben verändert." Der Regisseur hatte sich jahrelang mit dem Stoff befasst, Nachforschungen über eigene Verwandte betrieben, die in Konzentrationslagern umgekommen waren, und war mit tiefer Intensität zum jüdischen Glauben seiner Vorfahren zurückgekehrt. Danach gründete er die "Shoah-Stiftung" zur Erforschung und Dokumentation der Juden-Vernichtung.

Seinen zweiten Regie-Oscar nahm er 1999 für den "Der Soldat James Ryan" entgegen, den die "New York Times" als "besten Kriegsfilm unserer Zeit" bezeichnete. Mit "Amistad" verfilmte Spielberg eine Sklaven-Revolte auf einem Segelschiff im Jahr 1839, mit "Minority Report" und "Krieg der Welten" wagte er sich in die Zukunft, mit "Terminal" und "Catch Me If You Can" probierte er Slapstick und Comedy, mit dem Thriller "München" setzte er ein politisch-brisantes Drama spannend um.

Als wäre die Arbeit als Kino-Regisseur nicht schon genug: Spielberg ist Mitbegründer des Hollywood-Studios DreamWorks SKG. Er hat sich auch dem Fernsehen verschrieben und zahlreiche Mini-Serien gedreht, darunter die Kriegsreihe "Band of Brothers". Als Produzent stand er hinter Kassenschlagern wie "Poltergeist", "Zurück in die Zukunft" und "Men in Black". Für Clint Eastwood produzierte er dessen gerade in den USA angelaufenen Kriegsfilm "Flag of Our Fathers". Der 76 Jahre alte Kollege ist auch sein leuchtendes Vorbild, bis ins hohe Alter hinein zu arbeiten. Er denke überhaupt nicht daran, in Rente zu gehen, versicherte Spielberg der "Washington Post". "Nur dein Körper altert. Dein Kopf und dein Herz können so jung bleiben, wie man sich fühlt."

Barbara Munker/DPA