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TV-Debüt: Absturz oder Talk-Olymp?

Mit ihrem Debüt als Nacht-Talkerin unternimmt Anke Engelke den Versuch, in die Fußstapfen von Harald Schmidt zu treten. Altmeister Rudi Carrell glaubt an einen Flop.

Für Rudi Carrell steht fest: Anke Engelke wird mit ihrer "Late Night"-Show einen Flop landen. Der Senior unter Deutschlands Comedy-Stars hat 10.000 Euro auf den Untergang seiner jüngeren Kollegin gewettet. Die Komikerin, die ab Montag (17. Mai, dann montags bis donnerstags 23.15 Uhr) mit ihrer Talksendung auf Haralds Schmidts früherem Sat.1-Sendeplatz zum ersten Mal vor die Kamera tritt, lassen die Spitzen des Holländers kalt. "Rudi Carrell gehört zu meinen Favoriten und ich finde es schön, dass er sich äußert zu meiner Arbeit", reagiert die 38-Jährige eher amüsiert auf den Spaß-Altmeister. So müsse sie sich nicht selber um das Gerede über ihre Show kümmern.

Von "Ladykracher" zu "Anke Late Night"

Mit ihrem Debüt als Nacht- Talkerin unternimmt Engelke einen gewaltigen Sprung auf den Olymp der TV-Unterhaltung. Die in Montreal geborene Tochter eines Lufthansa- Managers will zwar nicht als Erbin des bekennenden Zynikers Schmidt gelten, den sie einmal auch "Gott" nannte. "Er ist ein Mann und ich bin eine Frau - und wir machen verschiedene Shows", bringt sie die Unterschiede zu "Dirty Harry" auf den Punkt. Doch auf dem umkämpften Markt der Nacht-Unterhaltung sehen nicht nur Carrell oder Entertainer Thomas Gottschalk einige Anlaufprobleme auf Engelke zukommen.

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Kein Quotendruck für Anke

So hat Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski die Comedy-Königin zunächst von der Quotenpflicht entbunden und bietet der Talkerin den "breiten Rücken" seines Senders an. Der Wandel zur seriösen Gesprächspartnerin für Studiogäste dürfte aber mindestens für den Beginn ein Drahtseilakt sein. Nach dem klassischen Einstieg mit Monolog zum Tagesgeschehen will Engelke in unterschiedliche Rollen schlüpfen und in den schon aus "Ladykracher" bekannten Schwarz-Weiß- Einspielern verschiedene Frauenfiguren aufs Korn nehmen.

Mit solcher Parodiekunst und schnellen Sätzen wurde Engelke dem großen Publikum bekannt. Für ihre Aufritte in der "Wochenshow", in "Danke Anke" oder "Ladykracher" wurde sie mit Preisen überhäuft. Dazu kamen Kino-Auftritte wie in Detlev Bucks Film "Liebesluder". In der Disney-Produktion "Findet Nemo" lieh sie Plattenfisch "Dorie" ihre Stimme für die deutsche Synchronfassung. Für das ARD-Morgenmagazin berichtete sie von der Berlinale und in diesem Jahr für ProSieben von der Oscar-Verleihung aus Hollywood.

Privatleben in den Klatschspalten

Eher zurückhaltend gibt sich die Mutter einer Tochter mit ihrem Privatleben. Nach der gescheiterten Beziehung zu Ex-Viva-Moderator Niels Ruf und dem späteren Verhältnis zum zehn Jahre jüngeren Autor Benjamin von Stuckrad-Barre rückte ihr Privatleben in die Klatschspalten - nicht immer zu Engelkes Freude. Im Oktober 2003 stellte sie den Musiker Claus Fischer öffentlich als neuen Lebensgefährten vor. Der "sexiestet Man on earth", wie Engelke ihn jüngst nannte, wird auch die Studioband der neuen Show leiten.

Für die Sendung hat Engelke einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Die Schauspielerin wird die Show mit ihrer eigenen Firma Ladykracher produzieren. Sie ist ein Joint Venture von Engelke mit der zum Viva-Konzern gehörigen Firma Brainpool. Das Kölner Unternehmen stellt bereits für ProSieben die Late-Night-Show "TV Total" mit Stefan Raab her.

Sorgen um den Erfolg bringen Engelke aber nicht aus der Ruhe. "Wenn die erste Sendung floppt, wird sie sofort abgesetzt und es laufen stattdessen Wiederholungen von Rudi-Carrell-Shows", versichert die Komikerin.

Esteban Engel