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TV-Krieg: ZDF fordert ARD und Christiansen heraus

Die Friedensgespräche zwischen ARD und ZDF sind kaum beendet, schon geraten die beiden Sender erneut aneinander. Jetzt lässt das Zweite Kerner gegen Christiansen antreten.

Am Sonntag, 20. Februar, macht ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut seine Ankündigung vom Dezember wahr und programmiert erstmals eine Talkausgabe von Johannes B. Kerner gegen die zuletzt - gemessen nach Quoten - schwächelnde Politrunde von Sabine Christiansen. Der Auftritt Kerners am Sonntag erfolgt nach dem neuen "Schwazwaldklinik"-Film mit entsprechenden Gästen zum Thema.

"Nicht grundsätzlich auf den Sonntag"

Offiziell hält Bellut den Ball nach den schweren Auseinandersetzungen im Dezember und der anschließenden Annäherung aber flach und sagt: "Wir wollen 'Johannes B. Kerner' nicht grundsätzlich auf den Sonntag legen", sagt er. "Allerdings wird es immer mal wieder programmliche Überlegungen geben, wie beispielsweise jetzt am 20. Februar, wo sich ein Kerner-Spezial thematisch geradezu aufdrängt. Diese Option besteht, aber eine generelle Platzierung am Sonntag schließe ich derzeit aus." ZDF-intern ist aber schon die Rede davon, bereits am 27. Februar eine weitere Kerner-Show nachzulegen.

Denn Bellut sitzt kein Geringerer als der ehrgeizige Kerner selbst im Nacken, der lieber heute als morgen am Sonntag antreten würde, gerade in der Hoffnung, nach einem Rosamunde-Pilcher-Melodram oder nach einem "Traumschiff" vom gigantischen "Audience flow", der Mitnahme von Zuschauern der vorangehenden Sendungen, zu profitieren. "Dass die erfolgreichste deutsche Talkshow auch an anderen Tagen denkbar ist, ist ein nahe liegender Gedanke", sagt Kerners Redaktionsleiter Markus Heidemanns. "Gerne helfen wir dem ZDF auch sonntags."

Kerner gegen Beckmann?

Kerners Problem ist, dass er bislang täglich von Dienstag bis Freitag mit seiner Plauderrunde auftritt. Gerade am Freitag fährt der 40-Jährige, der sich die ersten TV-Sporen bei Sat1 mit einem täglichen Nachmittagstalk und der "ran"-Moderation verdiente, nach dem Kulturmagazin "Aspekte" schwache Quoten ein. Aus ZDF-Kreisen wird auch laut, dass der Talkmaster selbst nichts gegen eine Ausstrahlung am Montag hätte, wenn die ARD mit Reinhold Beckmann um 23 Uhr eines ihrer stärksten Geschütze ins Rennen schickt. Beckmann war einst bei Sat1 als Sportchef direkter Vorgesetzter Kerners.

Ob das ZDF erst einmal etwas abwartet, um keinen medienpolitischen Staub aufzuwirbeln, bleibt fraglich. Aber es könnte noch Zündstoff geben: Bellut und sein ARD-Kollege Günter Struve hätten bei ihrem jüngsten Treffen nicht über das Thema Kerner gegen Christiansen gesprochen, heißt es aus ARD-Kreisen. Struve verhält sich offiziell gelassen: "Die Programmierung bietet dem Zuschauer eine Alternative", sagt er. "Bei uns die erfolgreichste politische Gesprächsrunde im deutschen Fernsehen, beim ZDF der bonbonfarbene Talk." Doch bei der ARD ist bekannt: Christiansen könnte bald zur neuen Baustelle werden.

Die Sendung hat in den vergangenen beiden Jahren nach einer der dpa vorliegenden Auswertung des Marktforschungsinstituts Media Control abgebaut. Erreichte Christiansen 2002 noch im Durchschnitt pro Ausgabe exakt 5,00 Millionen Zuschauer, waren es danach 4,81 und 4,22 Millionen, im laufenden Jahr nur noch 3,99 Millionen nach fünf Sendungen. Der Tiefpunkt lag am 23. Januar bei 2,57 Millionen Zuschauern - allerdings, wie ein Sprecher der TV-Produktionsfirma TV21 sagte, nach einer Karnevalsshow in der ARD um 23 Uhr. In der Spitze hätten in diesem Jahr 4,5 Millionen Zuschauer eingeschaltet.

Carsten Rave/DPA / DPA