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Zum Kinostart von "Stirb langsam": Wie denkt ein Baumstamm, Bruce Willis?

No nonsense. Bruce Willis redet nicht lange um den heißen Brei herum. Filmkunst? - Ein buntes, lautes Spektakel, in dem sich alles ums Geld dreht. Und Oscars? - Ein Preistheater.

Von Jochen Siemens

Gibt man bei Google die Worte "Mann in der Krise" ein, werden über 35 Millionen Treffer gemeldet. Es reicht aber auch schon, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und immer mehr Männer zu sehen, die Latte macchiato für ein ernsthaftes Getränk halten. Was also tun? Noch einmal einen der letzten wirklichen Männer besichtigen der das Wort "Krise" nicht kennt und der im Leben steht wie ein Baumstamm. Wie denkt ein Baumstamm, Bruce Willis?

Berlin, Hotel Adlon, die Lobby ist randvoll mit russischen Geschäftsmännern die hier ihre Rolex-Uhren und Frauen, in der Reihenfolge, vorführen. Bruce Willis hat wirklich das hintergründigste Schmunzeln das Männer haben können, wenn er das anschaut. Er sagt nichts, aber man sieht genau, was er sich denkt. Bruce Willis, 57, hat diese angenehme Sparsamkeit, die echte Männer haben. Nur das wichtigste, nichts überflüssiges. Auch in der Geschwindigkeit seiner Sätze. Es dauert, bis sie fertig sind. Deshalb erspart man sich besser die blöde Frage, wie weh ihm eigentlich seine "Die hard"-Filme tun, deren fünfter Teil nun in die Kinos kommt und in Moskau spielt und in dem er gefühlte 73 Knochenbrüche mit Platz- und Risswunden übersteht. Man stöhnt ja im Kino schon mit, wenn ihn wieder ein LKW fast überfährt.

Bunter, lauter Filmkrach

Reden wir nicht lange herum, Filmkunst ist das nicht, eher bunter, lauter Filmkrach. "Spektakel" sagt Willis, ganz tiefes Schmunzeln, er spielt in seinem Gesicht damit, "manchmal ist den Studios das Spektakel wichtiger als die Geschichte. Feuer, Explosionen und Schießereien kann man immer machen. Muss man auch nicht lange darüber nachdenken", sagt er. Ob das gut oder nicht so gut ist, interessiert ihn heraushörbar nicht: "It's a movie, it's about money", es ist ein Film, es geht ums Geld. Und um Autos, gefühlt sind es über 300 die in den ersten 20 Minuten zu Schrott gehen, "neuer Rekord", sagt Willis. "Bisher war Blues Brothers der Film mit den meisten Auto-Crashes. Jetzt nicht mehr", sagt er wieder fragt man sich, ob ihn das interessiert. Irgendwie wechselt Willis jetzt von sparsam zu schlicht.

Wenn man ihn, den Film-Ballermann Nummer eins, dessen Film-Figuren, wenn es ginge, ihre Pumpgun heiraten würde, fragt, was er über die Waffengesetze in den USA nach dem Schulmassaker in Newtown denkt, stöhnt er und sagt, nun ja: "Nicht Gewehre morden, sondern Verrückte mit Gewehren. Denen muss man sie wegnehmen." Aber ist es wirklich Freiheit, dass in den USA 300 Millionen geladene Knarren getragen werden? "Es ist die Freiheit, sich zu verteidigen. Ja, es ist die Freiheit sich zu wehren, wenn jemand die Frau oder die Familie angreift. Wir haben viele Freiheiten und wenn sie nur eine wegnehmen, fallen irgendwann die anderen auch." Irgendwie murmelt er noch: "Die Freiheit zu wählen, zum Beispiel", aber es geht ein wenig unter. Mhhm, kann man ja meinen und Bruce Willis meint das so vor sich hin, er engagiert sich nicht in der Waffenlobby oder bei den Republikanern und würde es auch nie tun.

Statuen sind Staubfänger

Über die Oscars hat er auch so eine Willis Meinung. "Mhhm, das ist alles ein Preistheater. Es geht nur ums Geld, wenn Filme einen Oscar bekommen dann rennen noch mehr Leute ins Kino und es kommt noch mehr Geld. Es gibt aber eben Filme, Comedys oder Action, da rennen die Leute in die Kinos weil sie ihnen Spaß machen und weil sie gut sind. Die brauchen keinen Oscar." Dann schmunzelt er wieder lange. "Ich kenne viele aus dem Business, die sich für den Oscar überhaupt nicht interessieren." Bruce Willis auch nicht, er wurde noch nie nominiert. Statuen sind Staubfänger, könnte man als Mann jetzt sagen.