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Gesetz gegen "Homo-Propaganda" Wegen eines Kusses: Ungarn ermittelt gegen Netflix-Kinderserie

Ungarn Netflix LGBTQ
Ungarn geht gegen den Streaming-Dienst Netflix vor, wegen eines Kusses
© Aleksander Kalka/ / Picture Alliance
Im Juni 2021 erließ Ungarn ein Gesetz gegen "Homo-Propaganda". Nun scheinen die Behörden selbst Kinderserien auseinanderzunehmen und gehen wegen eines Kusses gegen Netflix vor.

Die ungarische Medienaufsichtsbehörde hat am vergangenen Mittwoch erklärt, gegen den Streamingdienst Netflix wegen eines möglichen Verstoßes gegen das umstrittene Anti-LGBTQ+-Gesetz zu ermitteln. Das Berichtet das Onlinemagazin "Politico". Es soll "mehrere Beschwerden" über eine Cartoon-Serie gegeben haben, die zwei Mädchen beim Küssen zeigt.

Es handelt sich um die Kinderserie "Jurassic World: Neue Abenteuer". Die Aufsichtsbehörde sagte, sie seien verpflichtet nach jeder Beschwerde eine Untersuchung einzuleiten, könne sich jedoch nicht zu dem konkreten Fall äußern, da die Untersuchung noch laufe, so "Politico".

Diese Szene kritisiert Ungarn in der Netflix-Serie:

Im Juni 2021 erließ Ungarn ein Gesetz, das Beschränkungen der Informationen über Homo- und Transsexualität beinhaltet. Trotz heftiger Proteste aus dem Volk und der ganzen EU sind nun mehr seit über einem Jahr unter anderem Bildungsprogramme oder Werbung von Großunternehmen, die sich mit Homo- und Transsexuellen solidarisch erklären, verboten. Auch Aufklärungsbücher dazu soll es nicht mehr geben. Die Begründung Ungarns ist der Schutz von Minderjährigen. 

In der Kinderserie, die ab sieben Jahren empfohlen wird, geht es um zwei Teenagerinnen namens Yaz und Sammy auf Abenteuern. Sie campen auf der Jurassic-Park-Insel in Zelten, mit Dinosauriern um sich herum, und kommen sich auch in Form eines Kusses näher.

Bisher habe es seit der Einführung des Gesetztes insgesamt 84 Beschwerden wegen eines Verstoßes gegeben. Wirkliche Konsequenzen sollen daraus aber dennoch nicht erfolgt sein. Die Regulierungsbehörde gab an, wenn sie feststelle, dass Netflix gegen das "Propaganda"-Gesetz verstoßen habe, müsse sie die niederländische Medienbehörde informieren. Diese ist Hauptverantwortlicher für die Beaufsichtigung von Netflix, da sich der europäische Hauptsitz des Unternehmens in den Niederlanden befindet. Das letzte Wort hätte wiederum die niederländische Regulierungsbehörde. Die niederländische Medienaufsichtsbehörde wollte sich zu dem Fall ebenso wenig äußern wie Netflix selbst.

Quellen: Politico, Queer

ckl

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