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Haridwar Indien hat mehr Corona-Infektionen als Brasilien – während Millionen Menschen zusammen feiern

Im indischen Fluss Ganges baden tausende Menschen ohne Abstand
Hindus glauben, dass der Fluss Ganges heilig ist und ein Bad darin sie von ihren Sünden befreit
© Money Sharma / AFP
Gläubige zelebrieren derzeit "Kumbh Mela", das größte Fest der hinduistischen Religion. Millionen von Hindus haben sich dabei in Haridwar versammelt – ohne Abstand, ohne Masken, noch während Indien von der zweiten Covid-19-Welle getroffen wird.

Gemessen an der Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus hat Indien am Montag Brasilien überholt – und liegt damit weltweit nun auf einem traurigen zweiten Platz. Die Behörden meldeten einen neuen Tagesrekord von mehr als 168.000 Neuansteckungen. Somit infizierten sich insgesamt 13,5 Millionen Bewohner Indiens mit dem Coronavirus, in Brasilien waren es bislang 13,48 Millionen. Den erschreckenden Spitzenplatz halten die USA mit mehr als 31 Millionen registrierten Infektionen.

In Indien hatten Experten zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass vor allem durch maskenlose und dicht gedrängte Menschenmengen bei politischen Kundgebungen oder religiösen Festen die Infektionszahlen regelrecht explodierten. In der riesigen Nation mit ihren 1,3 Milliarden Einwohnern fanden jüngst Regionalwahlen statt. "Das ganze Land war selbstgefällig – wir haben soziale, religiöse und politische Versammlungen erlaubt", sagte der Gesundheitsprofessor Rajib Dasgupta der Nachrichtenagentur AFP.

Nach dem gemeinsamen Bad wurden einige positiv getestet

Wie zum Beweis für die These der Wissenschaftler versammelten sich am Montag hunderttausende Menschen ohne Maske bei einem religiösen Fest im Norden des Landes. In der Stadt Haridwar nahmen unzählige Pilger ein Bad im heiligen Fluss Ganges. Das Ritual ist Teil des Kumbh-Mela-Festes. Dieses gehört zu den heiligsten Zeremonien der Hindus und findet in Haridwar nur alle zwölf Jahre statt.

Polizeibeamte sind verzweifelt: "Wir appellieren ständig an die Menschen, ein an Covid angepasstes Verhalten an den Tag zu legen. Aber wegen der großen Menschenmenge ist es praktisch nicht möglich, Challans [Bußgelder] auszustellen", sagte der Generalinspektor der Polizei Sanjay Gunjyal der Nachrichtenagentur ANI. Am Montag feierten Hindus den größten Badetag des Festivals ("Somvati Amavasya"), das sich über insgesamt zwei Monate erstreckt. Die Regierung rief ebenfalls dazu auf, sich an die Hygienemaßnahmen zu halten und wollte nur Personen mit negativem Coronatest zulassen. Doch einige Geistliche, die am Montag an diesem Bad teilgenommen hatten, wurden bereits positiv getestet.

Die zweite Corona-Welle trifft Indien heftig

In Indien gibt es vermehrt Berichte über zu wenige Krankenhausbetten, auch über fehlende Medikamente. In einigen Regionen gelten nächtliche Ausgangssperren und manche Bezirke wurden abgeriegelt, weshalb viele Experten mit einer Absage des Kumbh-Mela-Festes gerechnet hatten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Indien stieg am Montag um satte 70 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, wie von der Nachrichtenagentur AFP zusammengestellte Daten zeigen. Der Bundesstaat Maharashtra, der als Hauptreiber des Infektionsanstiegs gilt, hatte in der vergangenen Woche einen Wochenend-Lockdown und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die indische Zentralregierung vermied bisher aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen einen neuen landesweiten Lockdown wie im vergangenen Jahr.

Quellen:  BBC,  AFP

mkb AFP

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