Araki-Ausstellung Fesselnde Blicke

Ihre entblößten Körper sind mit Seilen verschnürt, ergebene Blicke erzählen von Unterlegenheit und Knechtschaft. In einer Hannoveraner Ausstellung geht es nicht um den Spaß an erotischen Fesselspielchen - sondern um Kunst!

Nobuyoshi Arakis Bondage-Bilder sind für manche Kunst, für andere einfach nur Pornografie. Dabei begann zunächst alles ganz harmlos, mit Aufnahmen von Kindern in der Stadt. Damals, in den Sechzigerjahren, arbeitete Nobuyoshi Araki noch als Pressefotograf. Später wurden seine Bilder immer persönlicher. Zunächst hielt er seine eigene Hochzeitsreise fotografisch fest, später auch seine privaten sexuellen Obsessionen, die er in immer ausgefalleneren Settings inszenierte. Heute hängen seine Bilder in Museen auf der ganzen Welt.

Nun präsentiert die Kestner-Gesellschaft erstmals Fotografien des "japanischen Toulouse Lautrec" zusammen mit klassischen japanischen Holzschnitten der Sammlung Michael Thuns, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa gehört.

Die Hannoveraner Ausstellung zeigt an die 100 aktuelle, bisher nicht ausgestellte großformatige Fotografien aus der "Bondage"-Serie Arakis. Diesen gegenüber stehen ungefähr doppelt so viele kleinformatigere Holzschnitte - in dieser Kombination ist dieses Projekt eine Weltpremiere.

Mehr als nackte Tatsachen

Hokusais berühmte Welle, die zum Sinnbild traditioneller japanischer Kunst wurde, trifft zunächst recht unvermittelt auf Arakis verstörende Sado-Maso-Inszenierungen. Hokusais Drucke mit ihrer ausgeklügelten Rhetorik, die eine jahrhundertealte Tradition voller komplizierter Regeln und Zwänge widerspiegelt, bilden einen totalen Kontrast zu Arakis direkter Bildsprache. Doch auch aus manchen von Hokusais Holzschnitten spricht ein kaum verbrämtes sexuelles Begehren. Dass Araki sich durchaus in einer japanischen Tradition sieht, belegen die kunstvoll choeografierten Settings: So schockierend seine Bilder auch anmuten mögen, um bloße Provokation durch nackte Tatsachen geht es Araki nicht.

Vielmehr setzt er Inszenierungen von eigenen Fantasien mit kulturell tradierten Bildern in Beziehung, indem er seinen Modelle Posen vorschreibt, die auf ihre historischen Vorbilder verweisen: die alten japanischen Meister wie Hokusai, Kunisada oder Shinhanga.

Eine verdienstvolle Ausstellung, die Entwicklungslinien der japanischen Kunst bis heute nachzieht und dabei Kontinuitäten herausarbeitet, die erst in der Gegenüberstellung sichtbar werden.

aci

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