HOME

Interview: "Der Dollar hat definitiv keine Stärke"

Das Thema Geld ist stets in aller Munde. Doch wie ist es um den Nährwert bestellt? Zur Beantwortung dieser Frage hat der Aktionskünstler Georg Joachim Schmitt einen Lebensmittelchemiker interviewt.

Georg Joachim Schmitt, Aktionskünstler aus Köln, befasst sich seit längerem mit der Analyse der Nährwertes verschiedener Währungen. Er interviewte Ulrich Kutscher vom Lebensmittelchemielabor "Analytis" in Wesseling, das bisher D-Mark, Dollar und Euro untersucht hat.

Schmitt: Mit welchen Problemen hatten Sie bei der Dollaranalyse zu tun?

Ulrich Kutscher: Wir hatten mit verschiedenen Problemen zu tun. Bei der Fettbestimmung wird der Fettgehalt durch Extraktion mit einem Lösemittel bestimmt. Dieses Lösemittel löst nicht nur Fette aus, sondern auch andere Substanzen wie etwa lösliche Farbstoffe. Daher mussten wir hier eine Differenzierung vornehmen, die uns Klarheit darüber verschaffte, ob es sich um Fette im herkömmlichen Sinne handelt. Es wurden Fettsäuren bestimmt und nachgewiesen, dass diese tatsächlich im Geld vorhanden sind. Dasselbe Problem ergab sich bei der Eiweißbestimmung, weil dort der Gesamtstickstoffgehalt bestimmt und auf Eiweiß umgerechnet wird. Hiebei ergab sich bei der Analyse, dass auch andere Stickstoffverbindungen vorhanden waren, wodurch ein höherer Eiweißgehalt vorgetäuscht wurde.

Welche Stoffe waren für diese Fehlinterpretationen verantwortlich?

Kutscher: Beim Fettgehalt vermute ich, dass es Farbstoffe und Imprägniermittel waren, womit die Geldscheine behandelt werden, damit sie nicht so leicht Wasser aufnehemen. Bei den anderen Stickstoffverbindungen handelt es sich vermutlich um Zuschlagsstoffe, die das Papier stabil machen.

Welche Rückschlüsse lässt Ihrer Ansicht nach die Dollaranalyse im Vergleich zur Deutschen Mark zu?

Kutscher: Der Dollar ist etwas anders zusammengesetzt als die Mark. Hauptbestandteil eines Geldscheins ist Zellulose. Beim Dollar schien mir der Auftrag der Farbe wesentlich dicker zu sein als bei den im letzten Jahr untersuchten Fünfmarkscheinen. Dort schien mir jedoch der Papieranteil höher gewesen zu sein als bei der Ein-Dollar-Note. Allein der Ballaststoffgehalt der Deutschen Mark ist höher als beim Dollar. Der Unterschied beruht auf den unterschiedlichen Gehalten an Farb- und Zuschlagsstoffen.

Bei Dollar und Euro wurde erstmals auch der Mineralstoffgehalt bestimmt. Was kann man sich darunter vorstellen?

Kutscher: Mineralstoffgehalt sind alle die Bestandteile, die bei der Analyse bei der Verbrennung als Rückstand verbleiben, z.B. alle Calciumverbindungen, Natriumverbindungen, der Metallfaden, die Metallbestandteile der Farbstoffe, ebenso alle nicht verbrennbaren Zuschlagsstoffe

Können Sie auch Aussagen über die Giftigkeit des Geldes treffen?

Kutscher: Wir haben nur die lebensmittelchemisch relevanten Elemente bestimmt.Toxische Stoffe wurden hierbei nicht ermittelt.

Zu welchem Zweck haben Sie die Banknoten mit verschiedenen Säuren verkocht?

Kutscher: Zur Bestimmung der Metalle wird das Geld in Salpetersäure gekocht, um alle Metalle in eine lösliche, messbare Form zu überführen. Bei der Bestimmung des Fettgehaltes werden die Scheine in Salzsäure gekocht, um die an Proteine oder Zellulose gebundenen Fettstoffe freizusetzen.

Welches waren die wesentlichen Bearbeitungsschritte bei der Geldanalyse?

Kutscher: Zum einen ist da das das Zerkleinern. Dem folgt die Veraschung zur Mineralstoffbestimmung. Der dritte Schritt ist die Trocknung zur Bestimmung des Wassergehaltes. Als viertes wäre das Verkochen mit Säuren zu nennen. Dann gibt es noch das Kochen in Natronlauge, um den Eiweißgehalt zu ermitteln. Bei der Ermittlung der Ballaststoffe werden alle Stoffe durch Enzyme wie etwa Protease oder Amylase zerstört, die nicht Ballaststoffe sind.

Wie steht es um den Stärkegehalt des Dollar?

Kutscher: Der Dollar hat definitiv keine Stärke. Wenn Sie Jod auf einer Banknote anbringen und sich der Schein blau verfärbt, ist Stärke enthalten. Das ist beim Dollar nicht der Fall.

Themen in diesem Artikel