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Kunsthalle Kiel: Ballermann im Museum

Was hat Jürgen Drews mit der Kunsthalle Kiel zu tun? Und warum hängen dort Bilder seiner Frau Ramona neben Werken von Jeff Koons? Antworten findet man bei "Ballermann. Die Ausstellung", in der Kunstverstand und Massengeschmack zusammengebracht werden.

Von Kathrin Buchner

So wird selten eine Vernissage eröffnet: Sekt trinkt man aus Schläuchen an der Bar und zu Technobeats wird bis sechs Uhr morgens getanzt. Aber wer Partykultur ins Museum bringt, muss auch die Vernissage entsprechend gestalten, sagt Anke Dornbach, Co-Kuratorin von "Ballermann. Die Ausstellung", die am Wochenende in der Kieler Kunsthalle eröffnet wurde. "Wir wollten uns dieser oberflächlichen Lebenskultur nähern, diesem temporären Zustand, in eine andere Rolle zu schlüpfen, dieses Rauskommen, künstlerisch beleuchten", so Dornbach.

Gerade das Motto Mallorca, an deren Playa de Palma ein Lebens- und Partystil entstand, der von den Einen verachtet, von den Anderen vergöttert wird, eignet sich hervorragend dafür, Kunstsachverstand mit Massengeschmack zu verbinden. So sieht man gleich im ersten, in meerblau gehaltenen Zimmer eine 666 Meter lange Installation aus Strohhalmen, die sich fragil und filigran durch den Raum schlängelt. Der Künstler Martin Sixay hat dafür 666 besonders breite Halme zusammengesteckt. Diese Strohhalme haben Ballermann-Betreiber speziell für das Trinken aus Sangria-Eimern anfertigen lassen. "666" heißt das Kunstwerk, was sowohl eine Anspielung auf den sechs Kilometer langen Strand ist, als auch auf den Namen des Künstlers sowie die horizontalen Urlaubsfreuden, in die Mallorca-Besucher gerne eintauchen.

Sanddüne aus Erdnussflips

Eine weitere Installation stammt von Thomas Rentmeister: Er errichtete einen riesigen Haufen aus Erdnuss-Flips, der wie eine Sanddüne anmutet. Das Künstlerduo RothStauffenberg baute gleich ein komplettes Hotelzimmer, in das der Zuschauer wie in eine Filmkulisse auf das Bett, die Kleider, eine Waffe und den Fernseher blickt. Das Licht wechselt von Tages- zu Abendbeleuchtung, dazu geht die Musikkulisse von TV-Berieselung in Partymusik über.

Ölschinken von Jürgen Drews' Gattin

Wer von Ballermann spricht, darf einen nicht vergessen: Schlagersänger Jürgen Drews, den selbsternannten König von Mallorca, der in der legendären Kneipe Abend für Abend die Stimmung anheizt. Es brauchte schon ein wenig Überredungskunst, so Anke Dornbach, Drews zu überzeugen, seinen Kunstbesitz von seinen Häusern in Mallorca und Deutschland in die Kieler Kunsthalle transportieren zu lassen. Aber es ist den Machern gelungen. Und so sieht man opulente Ölgemälde mit Engeln und Früchte-Stilleben aus der Hand von Drews' Frau Ramona in der Kunsthalle hängen sowie weitere Ölschinken aus dem Besitz des Sängers. "Es ging uns weniger um künstlerischen Anspruch als um das Gesamtkunstwerk. Damit der Besucher sieht, das sind also die Bilder, mit denen der König von Mallorca seine Wände schmückt", so Dornbach. Jürgen Drews wird am 15. Juni höchstpersönlich im Rahmen der Ausstellung ein kostenloses Konzert geben.

Urlaubsvideos aus Malle von Hobbyfilmern

Der kollektive Wunsch nach Spaß, Sex und Stimmung im Massenevent existiert natürlich auch jenseits der spanischen Ferieninsel. So gibt es von Martin Parr, einem bekannten Dokumentarfotografen, eine Fotostrecke über Urlaubsorte in England zu sehen, und auch der amerikanische Popkünstler Jeff Koons hat seinen Beitrag geleistet. Und weil auch die kommende Fußball-Weltmeisterschaft ein Massenevent ist, haben die Macher in Kiel eine so genannte "WE EM-Bar" aufgebaut, an der nicht nur die Spiele übertragen werden, sondern auch private Urlaubsvideos von Hobbyfilmern gezeigt werden. Dazu trinkt man ausnahmsweise mal kein Bier, sondern Sangria mit überlangen Strohhalmen aus Eimern. Prost, Malle!

"Ballermann. Die Ausstellung" endet zeitgleich mit der Fußball-WM am 9. Juli und ist bis dahin täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch bis um 20 Uhr. Die Kieler Kunsthalle liegt hinten dem Schlossgarten im Norden der Kieler Innenstadt, nahe der Förde. Mehr Infos unter www.kunsthalle-kiel.de.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.