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Messe Art Cologne: Kölner Kunstmarkt stellt Berlin in den Schatten

Es läuft wieder rund auf der Art Cologne. In Berlin mögen zwar die meisten Galeristen und Künstler sitzen, aber der größere deutsche Kunstmarkt ist in Köln.

Die größte deutsche Kunstmesse hieß früher "Kölner Kunstmarkt". Heute trägt sie den Namen Art Cologne. Das klingt vornehm, aber natürlich ist sie immer noch ein Markt. Ein Markt mit 200 Ständen, an denen Ware verkauft wird.

Man kann das sehr schön sehen, wenn man Gerd Harry Lybke, 52, zuschaut, einem der profiliertesten deutschen Galeristen. "Hallo, bitte nicht vorbeilaufen!", ruft er einer Gruppe gut gekleideter Menschen zu. "Kommt doch mal rein." Dann beginnt die Verkaufsshow.

"Guckt mal hier", sagt er vor einem wandfüllenden Bild. "5400 Euro für so viel Fläche - ist doch 'ne gute Sache. Aber wenn ihr wirklich mal Geld einsetzen wollt, dann würd' ich euch das hier empfehlen." Er zeigt auf eine kleine Zeichnung des Malerstars Neo Rauch, als dessen Entdecker er gilt - beide kommen aus Leipzig.

"Aber Zahlen sind eh egal, davon dürft ihr euch nicht beeindrucken lassen." Stattdessen rät er: "Immer wenn ihr Kunst kauft, müsst ihr euch das bei euch zu Hause vorstellen." So geht es weiter. Der peppig mit Weste und hellen Schuhen angetane Lybke preist in seinem leicht sächselndem Idiom das ganze Sortiment an und schließt mit den Worten: "Also: Kauft dort hinten die Zeichnungen, kauft den von da vorne, ja... und dann sehen wir weiter."

Ein Fasan, ein Wildschwein und ein sympathischer Direktor

Ein paar Stände weiter hängt ein ausgestopfter Bärenoberkörper mit aufgerissenem Maul und erhobenen Tatzen, der jedoch durch ein Fasanenkleid seltsam verfremdet ist. Ein Werk des französischen Künstlers Julien Salaud, erläutert Suzanne Tarasieve. Von 2013. "Ganz frische Ware."

Weiter hinten steht noch eine Fasan/Wildschwein-Kreuzung. "Das ist, um den Tieren ein zweites Leben zu verleihen", erläutert die Pariser Kunsthändlerin. "Er ist vom Schamanismus beeinflusst, und es gibt auch einen Zusammenhang mit der Konstellation der Sterne."

Madame Tarasieve ist zum zweiten Mal in Köln. Auf die Frage, warum sie wiedergekommen ist, hat sie eine verblüffend einfache Antwort: "Der Direktor ist sehr sympathisch. Voilà."

Das ist so immer wieder zu hören. Daniel Hug, der ehemalige Galerist aus Los Angeles, hat die Art Cologne wieder groß gemacht. Auf eine coole, weil unaufgeregte Art. Hugs Geheimnis scheint zu einem guten Teil einfach darin zu bestehen, dass er sich Zeit nimmt. Er besucht die Galeristen, schaut sich stundenlang bei ihnen um. Er versteht sich als Dienstleister. So ist die Art Cologne dieses Jahr einen Tag kürzer: 80 Prozent der Aussteller wollten es so.

Köln hat "Selbstvertrauen"

"Köln hat es geschafft, so viel Energie anzuziehen, dass die Messe ein fester Bestandteil im Terminkalender geworden ist", sagt Lybke, Inhaber der Galerie Eigen + Art mit Niederlassungen in Berlin und Leipzig. "Niemand, der in Deutschland eine Galerie hat, kann Köln als Messestandort ignorieren." Das hat außer mit der Person von Daniel Hug auch damit zu tun, dass es Berlin bisher nicht geschafft hat, eine eigene Messe von Format aufzubauen.

Dabei, so meint Lybke, "bräuchten die bloß die Tür aufmachen und sich einigen, dann gibt's da 'ne Messe". Aber selbst wenn das geschähe, sähe er die Art Cologne nicht gefährdet: "Das bleibt! Köln hat wieder ein gewisses Selbstvertrauen, diese Schockstarre vor ein paar Jahren war ja schlimm. Ich freu' mich darüber riesig, denn ich liebe diese Stadt."

Und dann hat er leider keine Zeit mehr, denn eine ihm offenbar gut bekannte hanseatische Sammlerin ist soeben erschienen. "Sorry, ich muss arbeiten", murmelt er noch, und dann ist er weg.

Christoph Driessen, DPA / DPA
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