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Picasso-Schau in Wien: Tabuloser Sex und wilde Formen

Unter dem Titel "Picasso - Malen gegen die Zeit" zeigt die Albertina Wien die letzte Schaffensphase des Malers. Das kraftvolle Spätwerk war in seiner tabulosen Darstellung von Sexualität seinerzeit auf Ablehnung gestoßen.

Das Alterswerk des spanischen Malers Pablo Picasso (1881-1973) steht im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der Wiener Albertina. Unter dem Titel "Picasso - Malen gegen die Zeit" sind von diesem Freitag an bis zum 7. Januar 2007 mehr als 200 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen zu sehen, die der Künstler in seinen letzten Jahren im südfranzösischen Mougins geschaffen hat. Der Titel sei bewusst doppeldeutig gewählt, erklärte Kurator und Picasso-Experte Werner Spies: "Malen gegen den Zeitgeist - und Malen, um die Zeit aufzuhalten".

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bezeichnete die letzten Lebensjahre Picassos als "die vielleicht zeitgenössischste Periode" des Malers. In seinem Spätwerk entwickle der Künstler plötzlich "zwei stilistische Parallelwelten in völlig unterschiedlicher Ausdrucksweise". Die Präsentation setzt auf diesen Gegensatz: Die gewaltigen, in furiosen Pinselstichen gearbeiteten offenen Gemälde kontrastieren scharf mit den genau und detailreich gestalteten Grafiken.

Skulpturen und malerische Arbeiten

Die Präsentation, die sich über zwei Ebenen der historischen Räume der Albertina erstreckt, lässt den einzelnen Arbeiten viel Raum und gruppiert die Arbeiten nach acht Themen, die sich zum Teil überschneiden. So finden sich etwa Gegenüberstellungen von Skulpturen und thematisch verwandten malerischen Arbeiten. Gerade in diesen höchst ökonomisch gestalteten und von Mitarbeitern ausgeführten Plastiken wird das Generalthema der Schau - der Kampf des Künstlers gegen die ihm abhanden kommende Zeit - deutlich sichtbar.

Der Besucher wird zu Beginn von einem großformatigen Porträt von Picassos letzter Lebensgefährtin Jacqueline empfangen, das die große Sinnlichkeit seiner späten Werke greifbar macht. Als weitere Beispiele aus der späten Grünen Periode präsentieren ausgewählte Paraphrasen zu Manets "Frühstück im Grünen" jenen Picasso, der sich mit historischen Meistern auseinandersetzt und eine letzte große Hommage entwirft.

Feine, klare Handschrift

Im zweiten Kapitel "Maler und Modell" stellt die Schau den großformatigen, in starken Farben und kräftigem Zugriff gestalteten Gemälden die Druckgrafik-Serie "Suite 156" gegenüber: Im Gegensatz zu den malerischen Arbeiten, in denen Details oft nur angedeutet werden und Flächen frei bleiben, zeigt sich hier die feine, klare Handschrift eines perfekten Zeichners.

Über die Motivgruppen "Akte", "Musketier und Torero" als Abbild der Männlichkeit, "Späte Zeichnungen" und druckgrafische Serien spannt sich der Bogen bis zur "Endzeit", die in dem Gemälde "Umarmung" von 1972 gipfelt. Kurator Spies sieht in diesem "ungeheuren letzten Gemälde" den Blick des Malers auf eine schmerzvolle, schicksalhafte Welt.

Ein Teil der Exponate kommt aus internationalen Mussen wie dem Musée Picasso Paris, dem Metropolitan Museum New York oder dem Museum Ludwig Köln. Zahlreiche Arbeiten stammen aus privaten Sammlungen und waren noch nie öffentlich zu sehen. Die Schau, wird vom 3. Februar bis 28. Mai in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt.

Irmgard Schmidmaier/DPA

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