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M. Beisenherz - Sorry, ich bin privat hier: Filet Minion - ein Land hat die Gelbsucht

Sie sehen aus wie vollgestrullte Tampons mit Brille, habe einen limitierten Wortschatz und sind penetrant wie ein Sommerhit. Unser Autor fragt sich, wie die Minionmanie außer Kontrolle geraten konnte. 

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz hat die Lust an Bananen verloren. Grund: Die Minions.

Micky Beisenherz hat die Lust an Bananen verloren. Grund: Die Minions.

Banana. Banana.

Es verfolgt mich. 24/7. Wohin ich auch gehe und gucke.

Wer zur Hölle hat nochmal gleich diese verdammten Minions erfunden?

Viecher, die aussehen wie ein vollgestrullter Tampon mit Brille und es geschafft haben, mir mit ihrem limitierten Wortschatz sogar diese geliebte Frucht zu verleiden. Diese "Nossa"-artige Penetranz macht mich weich. Eine gelbe Flut überschwemmt derzeit die Welt. Dabei ist gelb für mich als Simpson-Afficionado grundsätzlich mehr als positiv besetzt. Die Miniomanie allerdings gerät gerade völlig außer Kontrolle.

Egal, wo man hinschaut, begegnen einem Fan-Artikel dieser gepimpten Ü-Ei-Inlays. Teller, Tassen, Figuren, Tornister, PEZ- Spender, Kuscheltiere- sogar Karl Lagerfeld wurde schon verminiont. Wobei es mir völlig überflüssig erscheint, Karl Lagerfeld zu einer Comicfigur machen zu wollen. Das Internet ist voll davon. Mittlerweile wünsche ich mir schon Katzenbilder und Füße zurück. Im TV laufen entsprechende Spots rauf und runter. Gottseidank habe ich keinen Fernseher (das habe ich jetzt nur geschrieben, um mich elitär zu fühlen).

Tic Tacs gibt es als Minion-Sonderedition. Friggin hell! Super Idee. So zahngroße Bonbons in gelb. Wenn man sich ein paar davon in den Mund schiebt, sieht man binnen Sekunden aus wie ein Protagonist im Sat.1-Mittagsprogramm. Oder der 13. Wollny.

Erst Sidekick, dann begann das Edhardyfizieren

Zuletzt hat ein gewaltiger Minion-Ballon den Verkehr in Dublin lahm gelegt. Als ich jung war, war das noch die Aufgabe von Anna Nicole Smith auf H&M-Postern. Da wir das eh gerade streifen: Vermutlich hat selbst Markus Söder bereits sein Franz-Josef-Strauß-Poster abgenommen und jetzt das Filmplakat überm Bett hängen. (Für zärtliche Stunden allein kann er den faltbaren FJS ja immer wieder mal raus holen)

Am Anfang waren diese kleinen Inklusionsanwärter lediglich Sidekicks des Film-Bösewichts in "Ich - einfach unverbesserlich". Qua Definition entwickelten sich die Minions (englisch für "loyale Diener") vom gelben Einzeller zu einer Lebensform mit nur einem Sinn: den schrecklichsten Schurken der Geschichte zu dienen. Nachvollziehbar also, warum sie gerade in Deutschland so beliebt sind. Nur, wie das immer so ist, waren die Nebendarsteller plötzlich so populär, dass allen klar war, dass die Perlen auf der Wertschöpfungskette gelb sind. So begann das fröhliche Edhardyfizieren der einst so drolligen Hepatitisopfer.

Das brutalstmögliche Melken populärer Puscheligkeit gab es natürlich immer schon. Das kann ich als jemand, der in Alf-Bettwäsche geschlafen hat, guten Gewissens behaupten. Glücklicherweise klappt das mehr oder minder geschickte Vermarkten von knuffigen Sidekicks in Filmen nicht immer - Jar Jar Bings aus den beschissenen späteren "Star Wars"-Teilen haben Kinder und Erwachsene zumindest gleichermaßen gehasst. Dafür schlagen diese rasierten Ewoks jetzt ein. Minions Popcornbecher, Handyhüllen, Rucksäcke, Hundekostüme, Felgen, Crocs, vermutlich noch Kondome, Spritzen, Kokainbeutel...

Und immer wieder Banana. Banana. Banana.

SpongeBob, durchgewalzt und wieder hochgetöpfert

Der Minion-Fachwirt erklärt: "In der Banana Language existieren nur wenige richtige Wörter. Diese werden dann mit einzelnen Silben verbunden, um den Satz zu vollenden. Das richtige Wort wird nach Gefühl gewählt." Was ziemlich genau auch auf die Texte von Kay One oder Bushido zutreffen dürfte. Und die würde ich nicht mal laut spielen, um die Typen zu vertreiben, die einem am Flughafen Kreditkarten andrehen wollen.

Leute, kommt mal wieder runter: Die Minions sind nicht einmal originell. Irgendeiner hat lediglich SpongeBob aus dem Altcartoon- Container gezogen, platt gekloppt, durchgewalzt , ihm den Sprachchip von Joey Heindle eingebaut und als Minion wieder hochgetöpfert.

Kein Wunder, dass die Kinder heute alle sprechen, als hätten sie sich an der Wursttheke den Kopf aufgeschlagen.

Aber bitte, ihr wollte es ja alle so, nur: Wo sie doch eh aussehen wie Zäpfchen - da könnte man sie sich doch auch gleich...

Nein?

War ja nur ein Versuch.

P.S.: Kann es sein, dass Helene Fischer in letzter Zeit etwas gelblich aussieht?

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