HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Wir sind gar nicht so

Der Mann an sich hat in gewissen Kreisen keinen guten Ruf. Dabei ist er bei Weitem nicht so unterkomplex, wie ihm nachgesagt wird

Lassen Sie mich Ihr Licht im Dunkel der Geschlechterverwirrung sein. Gerade eben habe ich wieder ein Buch einer jungen, feministischen Autorin gelesen. Und gerade die müssen es ja wissen. Zumindest klingen sie häufig so.

Dennoch musste ich mich ein wenig wundern. Darüber, dass der Mann angeblich so massive Probleme damit hat, seine Rolle zu finden. Es tut mir wirklich leid, aber: Da hatte ich Probleme, mitzukommen.

Der Mann ist geradezu widersprüchlich

 Keine Ahnung, wer dieser Mann sein soll. „Der Mann“ , so wie ich ihn kenne jedenfalls, hat deutlich weniger Schwierigkeiten damit, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, als es mancher Artikel behauptet. Trotz Y-Chromosom sind viele von uns komplexer, als es das Lebenswerk von Mario Barth andeutet. Der Mann ist geradezu widersprüchlich. Mitunter so sehr, dass er eigentlich … eine Frau sein müsste!

Ich selbst beherberge die unterschiedlichsten Typen unter einem Dach, das ich „Ich“ nenne – und die führen eine friedliche Koexistenz. Soll heißen:

Ich liebe Fußball. Bin gern im Stadion. Das asoziale Gebrüll geht mir dennoch manchmal auf den Sack. Eislaufen finde ich auch gut.

Ich schaue gern Filme, in denen ein mürrischer Einzelgänger einer zwergstaatengroßen Menge von Typen was auf die Fresse haut. Bei „Die Brücken am Fluss“ heule ich regelmäßig.

Alte Autos mit fetten V8-Motoren sind natürlich total geil

Als Kind hatte ich eine Barbie. Mit HeMan und Lego habe ich ebenfalls gern und oft gespielt.

Ich höre gern frauenverachtenden, gewaltverherrlichenden 90er-Jahre-HipHop. Ich liebe die Carpenters und Joni Mitchell.

Alte Autos mit fetten V8-Motoren sind natürlich total geil. Neue, riesige SUVs und Mercedes AMGs sind für traurige Gestalten, die sonst nix haben. Reparieren könnte ich allerdings keinen von denen. Nicht mal 'nen Reifen wechseln.

Gewalt ist keine Lösung. Empathie hilft, Konflikte zu lösen. Manche brauchen aber auch mal kräftig was auf die Schnauze.

Ich putze. Ich koche. Ich wasche. Nicht einen Gedanken habe ich bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten je daran verschwendet, „dass das ja gar nicht meine Aufgabe ist“. Ich halte Frauen die Tür auf und zahle, wenn wir essen waren.

Ich mag Blumen und freue mich, wenn ich sie mir in die Wohnung stelle. Ich bemerke erst nach Wochen, wenn sie welk sind.

Ich lese gern den „Kicker“ und Automagazine. Beim Friseur greife ich zuerst zur „Gala“ , und seitdem mir meine Freundin auf dem Fernseher Frauke Ludowig als fixen Aufnahmetermin eingerichtet hat, ist mein Leben ein besseres.

Ich bin technisch absolut unbegabt. Handwerklich ebenfalls. Dafür schleppe ich gut. Ich trage drei Einkaufstüten, den Trolley meiner Freundin und meine Tochter in einem Rutsch drei Stockwerke hoch, weil das meinem herkulischen Anspruch an mich als Mann entspricht.

Ich zeichne gern. Ich fotografiere gern. Ich liebe Design. Ich kratze mich am Arsch.

Wir haben sagenhaft viele Kleiderschränke. Für mich. Weil ich gern shoppe. Ich trinke gern Bier. Und viel.

Primitive Witze sind super. Über Gefühle sprechen fand ich immer gut.

Ich respektiere laute Rülpser. Ich war schon zur Gesprächstherapie. Nicht deshalb. Trotzdem ist seine Ruhe haben auch etwas sehr Schönes.

Mädchen, das ist schon wahr, sind die tolleren Geschöpfe.

Jungs die angenehmeren.

Das Mannsein war nie eine Bürde.


Themen in diesem Artikel