Bayreuther Festspiele Der Skandal nach dem ausgebliebenen Skandal


Der Eklat um die "Parsifal"-Aufführung ist ausgeblieben - doch Christoph Schlingensief ist sowohl mit "Parsifal"-Sänger Endrik Wottrich als auch mit Festivalchef Wolfgang Wagner in Streit geraten.

Im "Nordbayerischen Kurier" beschimpfte der Sänger Schlingensief als "Rassist und Nazi" und wertete die Opernversion des Regisseurs als "multimedial-infantilen Mist". Er reagiert damit auf Vorwürfe Schlingensiefs bei der Jahrespressekonferenz der Festspiele am Montag.

Dabei hatte Schlingensief Wottrich unter Rassismusverdacht gestellt mit der Bemerkung, er habe "einen Reinheitsbegriff von Deutschland, den ich nicht teilen kann". So soll sich Wottrich bei den Proben daran gestört haben, dass "ein Neger auf einer Leinwand zu sehen war".

Doch der Sänger, der bereits vor der Premiere des "Parsifal" am Sonntag scharfe Kritik an Schlingensiefs Regiekonzeption geübt hatte, streitet das entschieden ab. Er habe lediglich zu den vier schwarzen Statisten der Aufführung wegen der dunklen Bühnenbeleuchtung gesagt: "Ihr müsst ja gar nicht auftreten, weil man euch ja sowieso nicht sieht."

"Den Rassisten sehe ich in ihm"

Aus dieser Bemerkung Wottrichs habe der Regisseur einen "rassistischen Witz" folgenden Inhalts gemacht: "Weil die so dunkel sind, sieht man sie nicht." Da der Regisseur Schwarze immer dann als Statisten einsetze, wenn es "Liftboys, Gepäckträger oder ähnliches" zu besetzen gälte, urteilt Wottrich über Schlingensief: "Den Rassisten sehe ich in ihm". Überhaupt bezichtigte er den Regisseur, Statisten "beschissen behandelt zu haben". Der Sänger streitet den Gebrauch des Ausdrucks "Neger" nicht ab: "Ich benutze das Wort 'Neger' wann ich das will. Und lasse mir das nicht vorschreiben von so einem Hampelmann wie Herrn Schlingensief."

Wottrich sieht in Schlingensiefs Äußerungen auf der Pressekonferenz nach eigenen Worten eine "vollkommen schmutzige Tour". Sein Fazit der Auseinandersetzung formuliert der "Parsifal"-Protagonist so: "Wenn jetzt versucht wird, mich kaltzustellen durch den Vorwurf, ich sei Rassist, dann frage ich mich: Wer ist hier eigentlich der absolute Nazi? Das ist Herr Schlingensief!"

Wottrich nennt Schlingensief "Legastheniker"

Zudem erneuerte Wottrich seine Vorwürfe gegen die "jämmerlich schlechte" Inszenierung: "Das ist nicht ein Höhepunkt deutschen Regietheaters, sondern Schwachsinn. Ein multimedial-infantiler Mist." Und zu Schlingensief selbst meint er: "Er kannte keine Textstellen, er kannte keine Musik - er hat sich wie ein Legastheniker benommen."

Streit um die Technik

Auch mit Bayreuths Festspielchef Wolfgang Wagner liegt Christoph Schlingensief derzeit im Clinch. Schlingensief warf Wagner wegen der Technik im Festspielhaus vor, von Video keine Ahnung zu haben. Der Leiter der Bayreuther Festspiele reagierte erregt. Er habe Schlingensief alle Möglichkeiten gegeben und lasse sich nicht beleidigen, sagte Wagner.

"Wir hätten 20.000 Euro gebraucht, dann hätten wir eine bessere Videotechnik anschaffen können", sagte Schlingensief auf der Versammlung der Mäzenatengesellschaft "Freunde von Bayreuth". Er forderte Wagner auf, das Geld zur Verfügung zu stellen. Wagner nannte die Vorwürfe "unerhört". "Jeder darf sagen, was er will, aber es gibt Grenzen."

Plädoyer für Katharina Wagner

Später schwächte Schlingensief seine Kritik ab. Es handle sich um ärgerliche Kleinigkeiten. Er sei sehr dankbar, dass er in Bayreuth habe arbeiten dürfen. Der Regisseur sprach sich auch für Wagners Tochter Katharina Wagner als künftiger Festspielchefin aus: "Sie ist eine wunderbare Frau, superintelligent, sie wäre sicher die Richtige für Bayreuth."

Positive Kritik in der Presse

Von Kritikern wurde Schlingensiefs Interpretation überwiegend positiv aufgenommen. "Schön anzuschauende, aber auch eindrückliche 'Parsifal'-Bilder hat Schlingensief erfunden", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die "Süddeutsche Zeitung" urteilte, Schlingensiefs Ansatz sei "derzeit eine der spannendsten Formen, sich solch einem Stück jenseits der historischen Rekonstruktion auf der Bühne zu nähern". "Die Welt" bilanzierte: "Das Experiment ist also geglückt."

DPA / AP AP DPA

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