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Beginner: Die letzten Reimkönige

"Es hat wieder geflasht": In der Krise des deutschen Rap beweisen sich die Hamburger Beginner als Könner.

Wenn Popstars nach Kreativität suchen, verschlägt es sie zuweilen an abgelegene Orte. So verschanzten sich die drei Musiker der Rap-Band Beginner - ehemals "Absolute Beginner" - im vergangenen Jahr für zwei Monate auf der Nordseeinsel Amrum. Dort, in einem einsam gelegenen Ferienhäuschen in Strandnähe, wollte das Trio aus Hamburg nach vierjähriger Pause Ideen für ein neues Album sammeln. "Es war aber auch ein Test in Gruppendynamik", scherzt Rapper Dennis Lisk, "wir wollten sehen, ob wir es nach so langer Pause auf engstem Raum noch miteinander aushalten."

Natürlich blieb das Nordsee-Exil nicht lange geheim - auf Konzerten, im Internet und sogar auf MTV wurde spekuliert, wie die Rapper wohl mit dem enormen Erwartungsdruck umgehen würden. Schließlich gelten die Beginner neben den Fantastischen Vier und Fettes Brot als so etwas wie die Großmeister im deutschen HipHop-Geschäft. Mit ihren lässigen Beats und geschmeidigen Texten gewinnen sie das Hitparaden-Publikum ebenso wie die wählerische Rap-Gemeinde. Allein das letzte Album "Bambule" verkaufte sich mehr als eine Viertelmillion Mal.

"Wir waren wie gelähmt am Anfang", sagt Sänger Jan Eißfeldt, "aber irgendwann ist der Knoten geplatzt, und es hat wieder geflasht." So klingt das neue Album "Blast Action Heroes" (erscheint am 1. September) auch wie ein Befreiungsschlag: 14 brillant produzierte Rap-Songs, die das Gleichgewicht halten zwischen ironischer Selbstbetrachtung ("Wir wollen uns locker machen und schwingen das Tanzbein/denn heute gibt es statt anschrein sunshine") und bösen Gesellschaftskommentaren ("Eine inhaltslose Plastikwelt wie Logoland mit CDU-Wählern, die gestylt sind auf Neo-Punk").

Die Schwerdenker der Feuilletons

werden sich trotzdem wieder in langatmigen Essays über die Repolitisierung des deutschen HipHop ereifern. Ein Beißreflex, den die Musiker nur zu gut kennen. "Die Leute greifen sich immer ein politisches Stück heraus und reiten wie blöde darauf herum", klagt Eißfeldt, "und dann schreiben sie: Achtung, Achtung, die Beginner sind politisch geworden."

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wird das Trio jetzt aber aus einem anderen Grund stehen. Das Geschäft mit deutschem Sprechgesang ist in der Krise, die Plattenverkäufe sind eingebrochen. Noch vor ein paar Jahren wurde deutscher HipHop als Rettung der heimischen Popkultur gefeiert; selbst "Die Zeit" hörte in den Texten die "Lyrik der späten 90er".

Heute ist kaum noch etwas übrig von der Hochstimmung. Nach dem Boom gibt es - außer wenigen Ausnahmen wie Fettes Brot, Samy DeLuxe und den Beginnern - kaum noch sichere Verkäufer. "Diese Platte wird der Lackmustest für die Popularität des Genres", behauptet ein Mitarbeiter der Plattenfirma Universal Records, bei der die Beginner ihre CDs veröffentlichen. "Entweder es geht durch die Decke, oder der deutsche HipHop wird es in Zukunft noch schwerer haben."

Die Beginner sehen die Sache gelassener. "Im Notfall können wir auch auf eine Plattenfirma verzichten", sagt Beginner Guido Weiss. "Dann verkaufen wir unsere Platten eben wieder wie früher über den Gartenzaun."

Hannes Ross

Beginner auf Tour:

14.08.2003 Köln - Viva Bühne Popkomm
15.08.2003 Salzburg - Frequency Festival
15.08.2003 Köln - Viva Comet
16.08.2003 Köln - Eins Live Bühne Popkomm
23.08.2003 Lorelei - Yard Festival

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