Britney Spears Von der Jungfrau zum Lederluder


Für die alten Fans war's zu viel Sex, den Kritikern nicht erotisch genug, und alle hätten lieber Live-Gesang gehört: Der Auftakt der Europatournee von Britney Spears war nicht wirklich gelungen.

Vor einigen Jahren war Britney Spears noch Amerikas berühmteste Jungfrau, jetzt kommt sie als sexbesessenes Lederluder daher. In London begann die Teenie-Queen am Montagabend ihre Europatournee, mit der sie ein älteres Publikum erobern und sich wie ihr Vorbild Madonna als Meisterin der Verwandlung beweisen will. Doch ein Blick durch die ausverkaufte Wembley-Arena mit ihren 12.000 Plätzen zeigte: Ihr Publikum bleibt minderjährig.

So viele bauchfreie Girlies - zum Teil noch in Begleitung von Mami und Papi - hatte man selten auf einem Haufen gesehen. Doch ganz offensichtlich hatten manche der erwachsenen Aufsichtspersonen etwas andere Vorstellungen von dem Popidol. Manche hielten ihren Jüngsten schützend die Hand vor die Augen, wenn die Masturbations- und Homosex-Szenen auf der Bühne all zu eindeutig wurden, wenn Britney mehr oder weniger entkleidete Tänzer abküsste oder sich scheinbar nackt in der Badewanne räkelte. "Das ist Britneys Zielgruppe nicht angemessen", beschwerte sich Sarah Scott, eine 39-jährige Hausfrau aus der englischen Provinz.

Das sexuelle Charisma eines Kuscheltiers

Doch das ist es ja gerade: Die Zielgruppe hat sich geändert. Britneys frühere Fans sind älter und des Sauberfrau-Rufes überdrüssig geworden, lautet die Analyse ihrer Manager. Folglich muss alles ganz anders werden - skandalträchtig, sexy: Mit Schweiß treibender Kopulationsgymnastik verausgaben sich Britney und ihr athletisches Tänzer-Ensemble eineinhalb Stunden lang bis zum Letzten. Doch das alles ist all zu berechnend und angestrengt: "Britney Spears sieht kein bisschen heiß und verwegen aus", urteilte der "Mirror". "Sie sieht so aus, als würde sie sich überlegen, welchen Kuchen sie zum Tee nehmen soll." Der "Independent" spottete: "Britneys Show hat das sexuelle Charisma eines Kuscheltiers."

Hochleistungssport statt Gesangskunst

Die "Sun" wiederum beklagte, Britney habe gar nicht gesungen, sondern nur die Lippen bewegt. "Wenn ich jemandem beim Playback zusehen will, dann gehe ich doch nicht für teures Geld in die Wembley-Arena", schimpfte ein Fan - die Karten kosteten umgerechnet 50 Euro. Doch wer hat je davon gehört, dass man beim Hochleistungssport auch noch singen kann? Und als sportliche Übung lässt sich die technisch wie choreografisch aufwendige Darbietung vielleicht noch am ehesten beschreiben.

Einige Probleme gab es doch noch mit dem Ton, aber bis Britney im Mai nach Frankfurt, Hamburg, Berlin und München und dann gar bis nach Riesa und Oberhausen vorstößt, werden die Techniker das womöglich im Griff haben.

Christoph Driessen, DPA DPA

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