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Bruce Springsteens "Magic": Danke, Boss!

Nachdem Bruce Springsteen 2005 mit "Devils & Dust" ein intimes, eher akustisches Album eingespielt hat, um ein Jahr später den Liedern von Pete Seeger Tribut zu zollen, gibt es jetzt ein Wiedersehen mit der E Street Band: "Magic" überzeugt mit großen Hymnen und überraschend frischer Produktion.

Von Achim Erz

Es ist Springsteens 15. Platte, aber erst die die sechste mit der E Street Band. Die Band, die 1975 mit Ihrem Chef den Meilenstein "Born to Run" eingespielt hat. Die Geschichten, die Springsteen in diesem überwältigendem Werk erzählt, spiegeln sich seitdem in all seinem Schaffen wider.

Die Metaphern und Bilder, die er für seine Geschichten benutzt, sind schon des Öfteren als immer wiederkehrende Plattitüden eines Künstlers abgestempelt worden: Ihm falle seit dreißig Jahren nichts anderes mehr ein, als die permanente Wiederholung des Klischees vom hart arbeitenden amerikanischen Kleinbürger, der beim Sonnenuntergang den staubigen Highway in seinem aufgemotzten Cadillac hinabdonnert. Auf der Suche nach etwas besserem. Doch auf "Magic" geht es um mehr als Cars and Girls.

Wer sich auf seine besten und intensivsten Platten wie die erwähnte "Born to Run", dem Nachfolger "Darkness at the Edge of Town" oder seinem endgültigen Durchbruch zum Superstar "The River" einlassen kann, ohne das Gefühl, man müsse davor erst noch vor den Stars and Stripes salutieren, wird mit ihm zusammen einen Pakt schließen: Komm mit mir ein Stück des Weges, und ich gebe dir das Gefühl, dein einfaches Leben zu würdigen. Aber höre nie auf, etwas besseres zu erwarten, denn tief in dir weißt du, das du mehr verdient hast.

"Ich habe die Zukunft des Rock &Roll gesehen"

Dieser Spruch, von seinem zukünftigen Manager und Mentor Jon Landau nach einem Konzert 1974 geäußert, war Segen und Fluch zugleich. Zum einen wurde sein Name so berühmt, dass er innerhalb einer Woche in den amerikanischen Nachrichtenmagazinen "Times" und "Newsweek" auf dem Titelblatt erschien, zum anderen war der Erwartungsdruck enorm. Er hat ihm standgehalten. Bis heute.

Wer einmal ein Bruce-Springsteen-Konzert besucht hat, wird feststellen, das kein Studioalbum, das er ab Mitte der Achtziger Jahre aufgenommen hat, an die schier grenzenlose Leidenschaft seiner Konzerte heranreicht. Manchmal kam es einem fast schon vor, dass die Platten notwendiges Zugpferd waren, um endlich wieder auf Tour zu gehen, und die etwas spröde klingenden Songs zusammen mit der E Street Band und seiner unglaublichen physischen Präsenz dem Publikum eins ums andere Mal um die Ohren zu hauen, und es sprachlos zurückzulassen.

Packend und frische Produktion

Das neue Album beginnt ungewöhnlich mit "Radio Nowhere". Man muss lange in Springsteens Discographie zurückgehen, um ein so packendes, immens rockiges Stück als Eröffnung auf einer seiner Platten zu finden. Aufgrund seiner Wucht ist es absolut mitreißend ohne an melodischer Qualität einzubüssen. Ein großartiger Opener. Nach einigen Stücken wird klar: Das hier ist Pop. Aber in einem Stil produziert, der Anleihen nimmt an "Born to Run", und dann eben auch an Phil Spectors "Wall of Sound". Highlight der Platte: "Your own worst enemy". Springsteens Text über den steten Wandel zwischen innerer Ruhe und darauf folgenden Selbstzweifel wird mit wuchernden Chören und großem Streicherarrangement unterlegt. Man fühlt sich an Lieder der Beach Boys erinnert.

Springsteen hat mit seinem 2002 erschienenem Album "The Rising" eine der wenigen ernst zu nehmenden musikalischen Aussagen über die Geschehnisse des 11.September 2001 und deren Verarbeitung gemacht. "It's Magic" ist keine "Statement"- Platte. Trotzdem bezieht er bei den Songs "Gypsy Biker" und "Last to die" klar Stellung gegen den Irakkrieg: "Who`ll be the last to die for a mistake, whose blood will spill, whose heart will break , Who'll be the last to die".

Auch vorhersehbare, uninspirierte Kompositionen

Hat "The Rising" noch von seiner thematischen Geschlossenheit profitiert, hat man bei "Magic" eher den Eindruck des Verspielten. Es ist allerdings nicht alles gelungen. Lieder wie "Long walk home" oder "Gypsy Biker" sind doch eher vorhersehbare, etwas uninspirierende Kompositionen. "You'll be comin' down", "Girls in their summer clothes" schlittern textlich gerade noch am arg Trivialen vorbei. Aber was soll's.

"Magic" ist eine wunderbare Platte - insgesamt. Es hat nicht die Intensität von "Born to Run" oder die Tiefe von "Darkness at the Edge of Town". Aber wer hätte das ernsthaft erwartet. Springsteen hat mit seiner E Street Band und Produzent Brendan O'Brien eine extrem energetische frische Platte mit vielen Reminiszenzen an Springsteens Idole der 60er Jahre veröffentlicht. Danke, Boss!

Springsteen gibt mit der E Street Band am 2.12. 2007 ein Konzert in Mannheim und am 13.12. 2007 in Köln.

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