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CD-Kritiken: Yo la Tengo: "Summer Sun"

Auf ihrem elften Album präsentiert sich das amerikanische Independent-Trio Yo la Tengo aufgeräumt wie nie zuvor: "Summer Sun" bietet feinen Sixties-Pop mit einem wohlig-warmen Sound.

In der Ruhe liegt die Kraft: Auf kaum eine Musik trifft dieser Sinnspruch besser zu als auf die des amerikanischen Trios Yo la Tengo. Seit 1986 veröffentlichen das Ehepaar Georgia Hubley und Ira Kaplan zusammen mit dem Bassisten James McNew in schöner Regelmäßigkeit Platten. Kontinuierlich haben die drei Vollblut-Musiker dabei ihren Sound entwickelt, ihm alle Zeit der Welt gegeben, heranzureifen. Auf ihrem letzten Album, "And Then Nothing Turned Itself Inside-Out", hatte dieser einen solchen Verfeinerungsgrad erlangt, dass die Formation endlich auch in Europa zu verdienten Ehren gelangte. Dort erhoben sich auf der Basis von komplexen, bisweilen experimentellen Klängen herrlich-süße Melodien, die den Hörer packten und nur schwer wieder losließen.

Wie die Beach Boys und doch ganz anders

"Summer Sun", ihre nunmehr elfte Veröffentlichung, ist die logische Fortsetzung: Noch freundlicher als ihr Vorgänger, kommen diesmal Hawaii-Gitarren und Xylophone zum Einsatz, Easy-Listening-Streicherarrangements verwandeln die Songs in lupenreinen Sixties-Pop. Die Musik ruft das Gefühl eines wunderschönen Sommertags hervor, voller Ausgelassenheit und Wärme. Erinnerungen werden wach an die großartigen Alben der Beach Boys aus der Mitte der 60er Jahre, die Freizeit und Sonnenschein feierten.

Yo la Tengo klingen aber doch ganz anders als Brian Wilson & Co.: Sie destillieren eher die Stimmung dieser Musik heraus und passen sie ihrem eigenen, deutlich entschleunigten Rhythmus an. Ein gutes Stück Weisheit und Abgeklärtheit schimmert hier zwischen den Tönen hindurch. Eine Abgeklärtheit, die sich aber nicht in Zynismus und Enttäuschung ausdrückt, sondern im Gegenteil Menschenliebe und Gemeinschaftlichkeit anklingen lässt.

In den homogenen, ausgewogenen Klangstrom, den Yo la Tengo ausbreiten, kann der Hörer beliebig tief eintauchen oder sich einfach von ihm treiben lassen. Musik zum Hinhören wie zum Entspannen. Lange hat kein Album mehr eine so angenehme Atmosphäre verbreitet wie "Summer Sun"!

Carsten Heidböhmer
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