HOME

"Blackstar": David Bowies Vermächtnis

Es ist sein 25. Album, der Mann ist bald 70! Und trotzdem klingt David Bowie immer noch frischer als der Rest der Top Ten. stern durfte sich "Blackstar" schon mal anhören. 42 Minuten voller Überraschungen und Genialität.

Von Sophie Albers Ben Chamo

David Bowie im weißen Sacko vor schwarzem Hintergrund

Der Kaiser des Pop: David Bowie

Es fängt mit einem Fehler an: ★ heißt das neue Album von David Bowie, aber nennen wir es doch einfachheitshalber "Blackstar", wie alle anderen, die darüber reden. Sieben Songs in 42 Minuten. stern konnte am Dienstag schon einmal reinhören. Und das unter dem beeindruckenden Sternenhimmel im Berliner Planetarium.

"Blackstar" ist kein Rockalbum. Ganz im Gegenteil: "Ziel war es, Rock'n'Roll zu umgehen", sagte Bowies Produzent Tony Visconti jüngst dem "Rolling Stone". Ein Glück kann man nur sagen. Denn anders als "The Next Day", Bowies letztes Album von 2013, für das er sich zehn Jahre Zeit gelassen hat und auf dem fast seine ganze Karriere noch einmal zu hören war, macht "Blackstar" da weiter, wo Bowie einst aufgehört hat: Er erfindet sich neu.

Und neu heißt diesmal Jazz. Der Legende nach hatte eine New Yorker Freundin Bowie empfohlen, sich den Jazzsaxophonisten Donny McCaslin anzuhören. Tat er und holte ihn und dessen Drummer Mark Guiliana für einen Song auf einer Compilation ins Studio: "Sue (or in a season of crime)". Großartig, dachte McCaslin. Doch dann klingelte das Telefon noch einmal. Diesmal wollte Bowie die ganze Band. Jazz ist eine tragende Säule von "Blackstar".

"Wir haben viel Kendrick Lamar gehört"

Doch Bowie wäre nicht Bowie, wenn das alles wäre. Sie hätten sehr viel Kendrick Lamar gehört, ließ Tony Visconti auch wissen. Wer den rappenden Musiker kennt, der sich keinem Genre beugt, sondern sich hundertundeinem Einfluss öffnet, Klangwelten baut, einstürzen lässt, um sofort mit den Bruchstücken etwas Neues zu erfinden, kann sich vorstellen, was das heißt.

Bowie hat alle Schleusen geöffnet. Und so fließt und strömt es in "Blackstar", dass man sich treiben lassen kann, ohne je unterzugehen. Bowies Stimme trägt, ohne sich über die anderen Instrumente zu erheben. Alles ist hier Teil vom Ganzen. Und trotzdem ist es immer Bowie. Das sorgt für Glücksgefühle im Planetarium, wo sich gerade Sterne jagen.


Mal sind es arabisch anmutende Harmonien wie im Titelsong, der den Zuhörer fast zehn Minuten lang beschwört wie eine Schlange. Ursprünglich war er noch länger, Bowie hat ihn für die iTunes-Regeln gekürzt. Dann trifft der Pop-Drive der 80er auf ein jazziges Saxophon, das sich schließlich in Jazz-Punk wiederfindet. "Where the fuck did monday go" erinnert kurz an die Härte von M.I.A., und dieser Drummer ist einfach eine geniale Maschine. "Blackstar" legt sich nicht fest, doch das vermeintliche Chaos hat großartige Methode. 

"Es geht ihm sehr gut"

Gerüchten, dass Bowie nach der Herzoperation in Deutschland vor elf Jahren nicht mehr auf der Höhe sei, haben alle Beteiligten im Gespräch mit dem "Rolling Stone" als Unsinn abgewiesen: Der Über-Popstar habe jeden Tag im Studio alles gegeben. Bei voller Stimme. "Es geht ihm sehr gut. Er hat gerade ein sehr hartes Album gemacht", so Visconti.

Es endet mit "I Can't Give Everything Away", das wie eine verzweifelte Hymne nachhallt. Alles preisgegeben hat Bowie nie. Und wir lieben ihn dafür.

"Blackstar", also ★, wird am 8. Januar 2016 veröffentlicht. Bowies 69. Geburtstag.

Themen in diesem Artikel