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Depardieu bei Musketier-Premiere: "Ich habe das Motto nie verstanden"

Eine neues Musical braucht einen Star - und deshalb flog Gérard Depardieu nach Berlin, um der Premiere des Stücks "Die drei Musketiere" Promi-Glanz zu verleihen. Im stern.de-Gespräch erzählte er von seinem Verhältnis zu den Degenhelden.

Von Florian Güßgen

So ein Musical kostet Geld, und deshalb muss es mit aller Macht verkauft werden, zumal bei der Premiere. Und weil Journalisten von nichts mehr begeistert sind als von Prominenten, Stars und Superstars, müssen diese Glanzlichter eben herbeigekarrt werden, zur Not auch aus dem Ausland.

Premiere mit Alexander, Kati und Yvonne

Im Berliner Theater des Westens wurde am Mittwochabend die Deutschland-Premiere des Musicals "Die drei Musketiere" gefeiert, und der Superstar hieß Gérard Depardieu. Flankiert wurde der französische Schauspieler von einigen, na ja, mehr oder minder strahlenden Supersternchen, etwa dem irischen Barden Chris de Burgh, der singenden Schauspielerin Yvonne Catterfeld, "Superstar" Alexander Klaws oder der Ex-Eiskunst-Größe Katarina Witt. Politisch war - mit Klaus Wowereit, dem Regierenden Bürgermeister Berlins, und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement - vor allem die SPD vertreten.

Nun mag sich der interessierte Leser fragen, weshalb ausgerechnet Depardieu bei der Deutschland-Premiere dieses Musicals auftauchte. Das ist einfach zu erklären: Zum einen ist Depardieu ein Franzose, was insofern gut ist, weil es ein französischer Schriftsteller (Alexandre Dumas) war, der die Romanvorlage des Musicals im 18. Jahrhundert verfasste, zum zweiten trägt sich die Handlung in Frankreich zu, was auch zu Depardieu passt, und zum dritten hat Depardieu selbst bereits ein Musketier gespielt, nämlich den Porthos in dem Film "Der Mann mit der eisernen Maske". Der Franzose war also wie geschaffen für das Berliner Ereignis.

Vorbilder für den modernen Mann

Im Interview mit stern.de erzählte Depardieu nun, wie begeistert er von der Inszenierung sei, verriet aber auch gar Erstaunliches. "Das Motto der Musketiere - alle für einen, einer für alle - habe ich, ehrlich gesagt, nie verstanden", sagte er in der Pause der Aufführung. Aber es seien gerade die Tugenden der Musketiere - Mut, Ehrlichkeit, Beharrlichkeit - die auch dem modernen Mann des 21. Jahrhunderts als Vorbild dienen sollten. Depardieus eigene Musketier-Karriere scheint jedoch beendet. "Die Musketiere sind ein Stück für junge Menschen", sagte er. Auch der Vorschlag, in einem neuerlichen Degendrama, wie in seinem jüngsten Film "Les temps qui changent" auch, gemeinsam mit Catherine Deneuve aufzutreten, reize ihn da wenig, sagte Depardieu stern.de.

Am Ende seines Interview-Reigens posierte Depardieu, das Florett in der Hand, mit dem d'Artagnan-Darsteller Patrick Stanke. Das machte was her, selbst wenn zu dem französische Recken ein mächtiges Schwert allemal besser passen würde als diese zahnstocherartige, feine Waffe.

Fast zeitgleich räkelten sich übrigens zwei C-Prominente auf einem anderen Sofa der Theater-Lounge: Eine riesige, heimische Drag-Queen nahm einen kürzeren, ebenfalls heimischen Mann mit langen Haaren in den Arm. "Ja. Mach es", schrien die Fotografen. "Mach es. Noch einmal". Klickklick. Die Promis, die keiner kennt, räkelten sich noch ein wenig mehr. "Jawoll", schrien die Fotografen wieder - und man hatte den Eindruck, dass es manchmal besser wäre, mehrere Depardieus zu haben.