HOME

Deutschland-Tournee: Mariah Carey verzaubert Hamburg

Mariah Carey meldet sich zurück: Zum Auftakt ihrer Deutschland-Tournee in Hamburg begeisterte die stimmgewaltige New Yorkerin ihre Fans. Dabei hatte die 33 Jahre alte Pop-Diva zuletzt eher Negativ-Schlagzeilen gemacht.

Mariah Carey ist ein Popstar der Superlative: Sie hatte mehr Nummer-Eins-Hits als jeder andere aktive Künstler. Keine andere Sängerin schaffte es, häufiger mit Singles auf Platz Eins einzusteigen. Niemand war länger ununterbrochen an der Spitze der US-Charts. Vor zwei Jahren dann der Absturz: Nervenzusammenbruch, ihr Album "Glitter" floppte, und eine neue Plattenfirma musste sie sich auch suchen. Gut erholt von diesen Rückschlägen zeigte sie sich jetzt zum Auftakt ihrer Deutschland-Tournee in Hamburg.

Carey im knappen rot-weißen Glitzerkleid

Als der Vorhang in der Color Line Arena hoch ging, begrüßten zunächst Gaukler das Hamburger Publikum. Tänzer bevölkerten die in rotes Licht getauchte Bühne. Beats setzten ein, und während alle knapp 6.000 Augenpaare noch nach vorne gerichtet waren, betrat Carey die Arena durch einen Seiteneingang. Die Zuschauer erhoben sich, und die New Yorkerin im knappen rot-weißen Glitzerkleid schritt zu den Takten ihres Hits "Heartbreaker" durch das Publikum auf die Bühne. Die erste Kostprobe der Bandbreite ihrer Stimme löste Jubel aus: Fünf Oktaven beherrscht die gebürtige New Yorkerin, die nach großem Applaus "Through the rain" von ihrem neuen Album "Charmbracelet" zum Besten gab.

Zu "Dreamlover" und "My all" hob sich ein zweiter Vorhang und die Bühne wurde zur Galerie mit Stafetten und Canape. Sechs Tänzer, vier Background-Sänger und bis zu sechs Musiker sorgten für ein buntes Treiben, während eine Videoleinwand Bilder von Claude Monet und Henri de Toulouse-Lautrec zeigte. Die frisch aussehende Carey unterstrich ihren Gesang wie gewohnt mit den ihr typischen Handbewegungen, die aussehen, als wollte sie jemanden Abweisen. Als sie danach ihren Hit "Without you" anstimmt, sitzt in der Halle niemand mehr.

Publikum fest im Griff

Sie hat das Publikum fest im Griff. Neckisch hebt sie beim Tanz zu "Honey" das ohnehin schon knappe Röckchen, Hände strecken sich ihr entgegen, als sie an den Rand der Bühne schreitet. Acht Mal wechselt sie insgesamt ihr Outfit - mal sang sie in Hot-Pants, mal im kleinen Schwarzen. "People call me a Diva", bestätigte der Popstar deshalb auf der Bühne. Nach Songs wie "My saving grace", "Allways be my baby", "I’ll be there" oder "Make it happen" strömten Zuschauer von den Seitentribünen in den Innenraum. Nach genau eineinhalb Stunden verabschiedete sich die 33-Jährige.

Als Zugabe spielte Carey ihre Hits "Vision of you" und "Hero". Als sie während ihres letzten Songs in Augenhöhe der Fans durch den Absperrungsgraben vor der Bühne ging, waren Männer im besten Alter zu beobachten, die berührt mit den Händen ihr Gesicht bedeckten. "We had so much fun, Hamburg", konstatierte der Popstar. Das Publikum empfand den Abend ähnlich: "Gut war, dass sie alle Greatest Hits gespielt hat", fand die 19-jährige Johanna Krzykowski. "Ein gelungenes Konzert", sagte auch Tom Hildebrandt (32), "nur die Bühnenshow war etwas kindisch und sah zu sehr nach Janet Jackson aus."

Medienschelte durch "Marionette Show"

Einige Szenen der Show spielten auch auf Careys Krise und den Umgang der Öffentlichkeit damit an: So erklang etwa Zirkusmusik und als das Licht auf die Bühne fiel, war diese zur Manege geworden. Der Bildschirm kündigte "The Marionette Show" an. Carey, inzwischen im hautengen Abendkleid, und ihre Tänzer betraten die Bühne mit zwei Stelzenläufern. Die zogen Fäden, die einen Clown wie eine Marionette kontrollierten. Noch deutlicher war die Kritik an dem Gezerre um ihre Person zu Beginn des Konzerts: Während sie "Heartbreaker" sang, umkreisten vier der Clowns die Sängerin mit Kameras und knipsten unaufhörlich.

Philipp Dahm / DPA
Themen in diesem Artikel