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Presseschau zum ESC-Vorentscheid: "Es wird auch 2017 keinen Schockmoment aus Deutschland geben"

Levina Lueen hat den Vorentscheid für den ESC 2017 gewonnen - doch bei den Kritikern will keine rechte Euphorie aufkommen. Es habe zwar die beste Sängerin gewonnen und auch das beste Lied - aber wird das für Europa reichen? Die Presseschau.

Levina Lueen hat den ESC-Vorentscheid gewonnen

Levina Lueen hat den ESC-Vorentscheid "Unser Song 2017" gewonnen.

Deutschland hat entschieden: Levina Lueen fährt zum ESC nach Kiew. Bei der von der ARD ausgerichteten Vorentscheid-Show "Unser Song 2017" setzte sich die 25-Jährige klar durch - und trat im Finale gegen sich selbst an. Dort zogen die Zuschauer dann das beschwingte "Perfect Life" der Ballade "Wildfire" vor. Mit beiden Entscheidungen können die Kritiker gut leben: Sowohl der Song als auch die Künstlerin werden für gut befunden, doch Euphorie kommt bei der Wahl nicht auf - wie ein Blick auf die Pressestimmen zeigt.

So hat für Kathleen Hildebrand zwar die Richtige gewonnen, mit einem "guten Radiolied". Dennoch bleibt das Resümee nüchtern: "Was Deutschland aber ganz sicher wieder nicht geschafft hat: Einen wirklich außergewöhnlichen Künstler auf die größte Popbühne des Kontinents zu schicken", schreibt sie auf "süddeutsche.de". "Jemanden mit großem Glamour oder zumindest mit provokanter Albernheit, wie sie Stefan Raab oder Guildo Horn zu eigen war. Es wird auch 2017 keinen großen, freundlichen Schockmoment aus Deutschland geben, wie Conchita Wurst ihn bot, der das Andere feiert und all die neu erstarkten Traditionalisten in der Welt aufrüttelt."

Reicht das für einen ESC-Sieg?

Etwas milder bewertet Peter-Philipp Schmitt das Ergebnis des Abends auf "faz.net": "Was lässt sich an der Entscheidung aussetzen? Eigentlich nichts: tolle Sängerin, tolle Stimme, tolles Lied. Doch reicht das für einen ESC-Sieg? Immerhin schicken wir eine Finalistin, die am Donnerstagabend in ihrer eigenen Liga sang und den anderen vier Kandidaten des deutschen Vorentscheids haushoch überlegen war."

Jan Feddersen ist mit der Wahl des Liedes zufrieden: "Der härtere Titel gewann, was auch deshalb klug war, weil in Kiew nach jetzigem Stand sehr viele pompöse Balladen zur Performance kommen: Frauen, die etwas rougher singen, haben schon der Unterscheidbarkeit wegen bessere Chancen", schrieb er auf "taz.de".

"Stabile Stimme, solide Bühnenpräsenz"

Holger Kreitling sieht auf "welt.de" noch deutlich Luft nach oben bei der deutschen ESC-Kandidatin: "Levina hatte die Augen halb geschlossen, man sah die Augen oft gar nicht, sie flirtete kaum einen Moment mit der Kamera. Als Lena Meyer-Landrut mit 18 Jahren bei Stefan Raab sang, kam es nicht so sehr auf ihre Stimme an, sondern auf die Magie im Moment. Das hat bekanntlich nicht bloß in Deutschland gewirkt, sondern in ganz Europa."

Anja Rützel sah auf "Spiegel-Online" einen langweiligen Abend: "Eigentlich war schon nach einer Stunde (von dreien) klar, auf welche Bewerberin für den Eurovision Song Contest in Kiew es am Ende hinauslaufen würde." Über Siegerin Levina Lueen schreibt sie: "Stabile Stimme, solide Bühnenpräsenz, mehrheitsfähiger Look."

Für den ESC in Kiew sind die Erwartungen also nicht allzu hoch. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre wäre man wohl schon froh, wenn die Kandidatin nicht Letzte wird.

che