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Eurovision Song Contest: ARD erwägt Ausschluss Gracias

Nach Vorwürfen der Chartmanipulation schließt jetzt auch die ARD nicht mehr aus, dass Gracia dem Grand Prix in Kiew fernbleiben könnte. Das Problem: Fährt sie nicht, wird Deutschland gar nicht vertreten sein.

Fünf Wochen vor dem Eurovision Song Contest in Kiew scheint die Teilnahme der deutschen Sängerin Gracia alles andere als sicher. "Wenn sich herausstellt, dass massiv betrogen wurde, ist Deutschland in Kiew nicht dabei", sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve der "Bild"-Zeitung. In einem offenen Brief appellierten zwölf ehemalige deutsche Grand-Prix-Teilnehmer an die 22-jährige Sängerin, nicht an dem Wettbewerb teilzunehmen, wie das Blatt weiter berichtete. Von ihrer Plattenfirma Universal sei sie gefeuert worden.

Der deutsche Grand-Prix- Verantwortliche, NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer, schließt eine Korrektur des Vorentscheidungsergebnisses weiter aus. "Nach den internationalen Eurovisions-Regeln - bei denen es keinen Ermessensspielraum gibt - dürfen wir den Auftritt weder absagen, noch die Besetzung ändern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Sollte Gracia ihre Teilnahem absagen, wäre Deutschland also gar nicht beim Grand Prix vertreten. Für das kommende Jahr stellte er eine Änderung der Regeln für den Grand-Prix-Vorentscheid in Aussicht.

Appell von Schlager-Veteranen

In beispielloser Eintracht erklärten so unterschiedliche Schlagerveteranen wie Nicole, Guildo Horn, Corinna May, Lena Valaitis oder Nino de Angelo in einem in der "Bild"-Zeitung abgedruckten offenen Brief an Gracia: "Du singst nicht für Dich, sondern für Dein Land. Solange der Verdacht der Manipulation auf diesem Lied liegt, schadet der Auftritt nicht nur Deiner Karriere, sondern auch dem Ansehen Deutschlands." Schlager-Experte Dieter Thomas Heck kritisierte im selben Blatt das Verhalten der ARD als "ungeheuerlich": "Ich begreife nicht, dass die ARD so stur an Gracia festhält."

Die Plattenfirma Universal hat die Sängerin nach weiteren Informationen des Blattes fallen gelassen und erwägt sogar eine Klage gegen sie, weil sie ihrer Universal-Kollegin Jeannette Biedermann ebenfalls die Manipulation der Charts unterstellt habe.

"Massive Manipulationsversuche festgestellt"

Der unter Manipulationsverdacht stehende Musikproduzent David Brandes soll derweil nicht erst in diesem Jahr versucht haben, die Hitparade mit gezielten Plattenkäufen der von ihm produzierten Titel wie jetzt "Run & Hide" von Gracia zu beeinflussen. Nach den Erkenntnissen von des Chart-Ermittlers Media Control und des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft habe Brandes schon seit zwei Jahren entsprechende Machenschaften unternommen, berichtete der "Spiegel" vorab. "Wir haben unsere Nachforschungen bis 2003 ausgedehnt und massive Manipulationsversuche festgestellt", sagte Peter Zombik, Geschäftsführer des Bundesverbandes Phono, dem Blatt. Brandes sei aber wohl nicht der Einzige, der offenbar versuchte, die Hitparade zu beeinflussen: Allein in den vergangenen zwei Jahren habe Media Control insgesamt 14-mal einen Anfangsverdacht auf Chartmanipulation an die Musikindustrie weitergemeldet.

Die Staatsanwaltschaft Lörrach hatte am Freitag gegen den 36- Jährigen Brandes ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue und Betrugs von Geschäftspartnern eingeleitet. Ihm wird zudem vorgeworfen, Hitlisten durch gezielte Plattenkäufe beeinflusst zu haben.

AP, DPA, Mai / AP / DPA