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Eurovision Song Contest: Und jetzt alle: "I love Dusseldorf"

In der Altstadt wird gefeiert wie an Karneval: Tausende Fans des Eurovision Song Contest sind in Düsseldorf angekommen - und lieben die Stadt. Euphorie statt Häme für das "Dorf".

Von Jens Maier, Düsseldorf

Der Grand Prix ist in Düsseldorf angekommen. Überall in der Stadt. Das Herzlogo des Eurovision Song Contest weht auf Fahnen, prangt auf Plakatwänden und klebt auf Straßenbahnen. Große, silberne Delegationsbusse mit den Namen der 43 Teilnehmerländer darauf bahnen sich täglich mehrmals ihren Weg durch den Verkehr und die vielen Baustellen hin zur Düsseldorf-Arena. Nicht nur dort, sondern auch auf der Königsallee oder am Burgplatz baumelt vielen Menschen ein schwarzer Ausweis um den Hals. Es sind alte und junge Fans, Journalisten und Mitglieder der Delegationen. "Feel Your Heart Beat" steht auf ihrer Akkreditierung. Und der Herzschlag schlägt nicht nur für den Eurovision Song Contest, sondern auch für Düsseldorf.

Die Stadt ist der Austragungsort des 56. Eurovision Song Contest. Als Lena im vergangenen Jahr den Grand Prix nach Deutschland holte, erschien Berlin als logischer Austragungsort 2011: groß, international bekannt und mit Weltstadt-Flair. Viele Fans aus dem Ausland hatten sogar schon ihr Flugticket nach Berlin gebucht. Bekanntlich kam alles anders. Und die Kritiker fluchten: Was soll der größte Musikwettbewerb der Welt denn im "Dorf"? Jetzt, knapp ein halbes Jahr später, ist die Häme über Düsseldorf Euphorie gewichen.

"Düsseldorf! Dam, dam, dam, dam, damm!"

"I love Düsseldorf" schreien Torge und Jens aus Dänemark im Chor. Sie tanzen im "Euroclub" in der Ratinger Straße in der Altstadt, derzeit Europas Grand-Prix-Zentrale. Während der Eurovisionswoche tobt hier jeden Abend der ESC-Wahnsinn. Mehr als 1000 Menschen feiern bis in die Morgenstunden zu Euro-Pop. Ein Song ist drauf und dran, zum Ohrwurm zu werden. Es ist "I love Belarus", der Beitrag der Weißrussin Anastasiya Vinnikova. Trotz des zweifelhaften Textes, der eine Diktatur abfeiert, grölen ihn im "Euroclub" viele mit. Besonders den Refrain. Doch die Belarus-Hymne ist ein wenig umgedichtet: Nicht "I love Belarus, sondern "I love … Düsseldorf! Dam, dam, dam, dam, damm!"

"Wir sind beide Eurovisionsfans und würden wahrscheinlich auch nach Sibirien fliegen, wenn der Grand Prix dort stattfinden würde", sagt Jens. An Düsseldorf hatte er keine allzu großen Erwartungen. "Ich war vorher noch nie hier." Freunde hätten ihm erzählt, "dass es ein bisschen langweilig sein soll". Doch jetzt ist Jens begeistert. "Nicht nur das Wetter ist grandios, sondern auch die Stimmung hier", sagt er. "Ich glaube, die Düsseldorfer sind sehr stolz, das Event austragen zu dürfen." Das Beste sei für ihn, dass es keine Sperrstunde wie in Stockholm gebe, wo er seit einem Jahr wohnt. Nur die Polizisten überall verwundern ihn.

An der längsten Theke der Welt

Nicht nur die Düsseldorf-Arena, sondern auch die Innenstadt gleicht einer Festung. An jeder Ecke stehen Polizeifahrzeuge. Der "Euroclub" wird rund um die Uhr von mehreren Polizisten bewacht. Und auch vor den Delegationshotels wacht die Staatsmacht. Einige Fans behaupten sogar, in Düsseldorf sei mehr Polizei präsent als 2009 in Moskau. Das sei jedoch nicht den jüngsten internationalen Ereignissen geschuldet, versichert Thomas Schreiber, Chef des Eurovision Song Contest. "Das Sicherheitskonzept für den ESC steht seit Monaten, daran mussten wir nichts verändern", sagte er stern.de. Die Maßnahmen seien noch strenger als die an internationalen Flughäfen.

"Ist ja klar, dass hier viel Wert auf Sicherheit gelegt wird", hat Etienne aus Frankreich Verständnis. "Würde sich auch nur ein Teilnehmer den Fuß brechen, würde das für negative Schlagzeilen sorgen." Der Partystimmung tue das keinen Abbruch. Das stellten die Zuschauer in der Düsseldorfer Arena bereits beim ersten Semifinale unter Beweis. Obwohl die Halle nur halb voll, schäumte die Stimmung über. Zu "Haba, Haba" wurde mitgetanzt, die Party ging hinterher in vielen Altstadtclubs weiter.

Spätestens beim zweiten Altbier an der "längsten Theke der Welt" ist das Genöle um die Entscheidung für Düsseldorf vergessen. Und es wird bereits gefachsimpelt, wo der Grand Prix stattfinden sollte, falls Lena noch einmal gewinnt. Die meisten Fans sind sich einig: Sie würden noch einmal nach Düsseldorf kommen.